Kürzlich nahm eine beachtliche Besucherschar Einblick in das Kloster Fahr, das zwar auf Zürcher Boden liegt, aber zur Aargauer Gemeinde Würenlos gehört. In einer eindrücklichen Begegnung mit Priorin Irene lernten wir, dass rund 20 Benediktinerinnen und 30 Mitarbeitende den Klosterbetrieb bewirtschaften, und das erfolgreich. Die VCU Vereinigung Christlicher Unternehmer Aargau/Solothurn zeigte sich beeindruckt von den unternehmerischen Leistungen.

«Alles mit Mass!», diese Regel des Ordensgründers Benedikt prägt das Leben im Frauenkloster. Sechsmaliges Beten und die Einkehr haben Vorrang vor allen anderen Tätigkeiten. In ihrem Referat machte Priorin Irene aber klar, dass die Effizienz gerade deswegen nicht leide. Als Verantwortliche Leiterin hat sie beachtliche unternehmerische Verantwortung. 50 Hektaren Landwirtschaftsfläche und 4 Hektaren Weinberge wollen bewirtschaftet sein, dazu kommen Klosterladen, Imkerei, Paramentenproduktion und 50 Milchkühe. So hatte sie selbst vor drei Jahren den mutigen Entscheid gefällt, die stark defizitäre Bäuerinnenschule aufzugeben, und die Mittel zu konzentrieren. «Heute schreiben alle Bereiche schwarze Zahlen, wir sind selbsttragend», hält sie ganz bescheiden fest

Seit 2008 Teil von Würenlos

Er schenke seinen ausgedehnten Grundbesitz an der Limmat dem Kloster Einsiedeln, wenn es hier ein Frauenkloster errichte und erhalte. So lautete das Vermächtnis von Freiherr Lütold II. von Regensberg aus dem Jahre 1130. Seit dem 1. Januar 2008 ist das Kloster Fahr Teil der Aargauer Gemeinde Würenlos und ist von der Zürcher Gemeinde Unterengstringen umgeben. Basis ist ein über 60seitiger Staatsvertrag zwischen den Kantonen Zürich und Aargau, der alle wichtige Dinge regelt. «Es ist eindrücklich, so einen Vorgang erleben zu dürfen» sagt dazu die Priorin. Der Kulturkampf sei übrigens vorbei, und als Verantwortliche erlebe sie grossen Goodwill seitens der beiden beteiligten Kantone.

Innen Aargau, aussen Zürich

Fahr und Einsiedeln bilden ein Doppelkloster, und der Abt von Einsiedeln ist seit jeher auch Abt des Klosters Fahr. Der Schwesterngemeinschaft steht deshalb nicht eine Äbtissin, sondern eine Priorin vor: Priorin Irene Gassmann ist seit 1986 Benediktinerin und wurde 2003 von ihren Mitschwestern zur Priorin gewählt. Der Schwesternbestand bewegte sich in den achtziger Jahren noch zwischen 40 und 50, heute sind es noch 20 Ordensfrauen. Das Verhältnis zu Einsiedeln ist rechtlich geklärt und man treffe sich einmal wöchentlich, um betriebliche Fragen zu besprechen. Die Lage der Aargauer Enklave auf Zürcher Boden erzeugt skurrile Situationen. So steht die Holzschnitzelheizung auf Zürcher Boden, untersteht also der Zürcher Gesetzgebung, während die damit beheizten Gebäude Aargauer Hoheitsgebiet sind. Gibt es im Picknickbereich des benachbarten Restaurants «Zu den Zwei Raben» Probleme, rückt die Zürcher Polizei an, während für Fälle im Innenbereich des Restaurants die Aargauer Kollegen zum Rechten schauen …

Viel Geld für die langfristige Sanierung

Zurzeit läuft ein grosses Sanierungsprojekt, das sich über 20 Jahre erstreckt und rund 20 Millionen Franken erfordert. Aktuell ist zeitlich gesehen «Halbzeit», finanziell ist man etwas darüber. Man ist also weiter gefordert, und Badens vormaliger Stadtamann, Josef Bürge, der als Mitglied der Gruppe Finanzen die bislang erfolgreiche Mittelbeschaffung kommentierte, hat grossen Respekt vor der Aufgabe. Malereien, Bausubstanz, Vermeidung irreparabler Schäden, Sicherheit und energetische Verbesserungen stehen im Vordergrund. Zum Kloster Fahr gehören die barocke Klosteranlage und rund zwanzig Nebengebäude. Der Finanzbedarf für diese Sanierungen und Restaurierungen wird auf 20 Millionen Franken geschätzt, davon sind aktuell rund 12 Millionen gesichert.

Auf zum Pilgermarsch nach Rom

VCU-Präsident Louis Dreyer zeigte sich in seinem Abschiedswort beeindruckt, sowohl von der Persönlichkeit der Priorin als auch von den Leistungen der Klostergemeinschaft. In einer spontanen Aktion sammelten die VCU-Besucher einen beachtlichen Betrag als Spende für die laufenden Sanierungsarbeiten. Der Abend endete mit einem ausgezeichneten Nachtessen bei den «Zwei Raben». Leider ohne die Priorin, die unmittelbar nach der Führung ihren Rucksack packte und nach Assisi abreiste. Von dort marschiert sie im Rahmen der Aktion «Für eine Kirche mit den Frauen» gen Rom. Sie freue sich darauf, liess sie per Facebook wissen. Wir wünschen bei dieser starken Manifestation viel Erfolg!

Respekt, Fairness, Verantwortung

Mit Anlässen zu aktuellen Themen fördert die Vereinigung christlicher Unternehmer VCU den Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Mitgliedern sowie mit Fachleuten und interessierten Gästen. Hauptfokus ist laut VCU-Präsident Louis Dreyer dabei das «Wirtschaften mit Werten». Ziel der Vereinigung ist es, ihren Mitgliedern unternehmerische, gesellschaftliche und ethische Impulse zu vermitteln und ihre Verantwortung im Umgang mit Gesellschaft und der Welt wahrzunehmen. Dies ganz nach dem Motto: «Respekt – Fairness – Verantwortung».