Nach der Abwahl von Bildungsdirektor Rainer Huber ist unklar, wie sich die Bildungslandschaft Aargau weiterentwickelt. Die jungfreisinnigen freiamt (jff) sprechen sich für eine vernünftige Umsetzung einer Bildungsreform ein. Aber gerade punkto Neugestaltung der Oberstufe ist die vom Grossen Rat vorgeschlagene Variante fragwürdig und macht den Anschein einer „Reform um der Reform willen".
Ein elementarer Bestandteil der künftigen Ausbildung an Aargauischen Schulen muss der Staatskunde-Unterricht sein. Die jungfreisinnigen freiamt unterstützen deshalb die Staatskunde-Initiative der JFDP AG.


Die jungfreisinnigen freiamt begrüssen die Umsetzung der beiden Kleeblätter „Tagesstrukturen" und „Sozialindex". Tagesstrukturen entsprechen einem echten zeitgenössischen Bedürfnis und ihre Einführung ist sinnvoll. Es soll hierbei aber stets beachtet werden, dass Kinder primär nach wie vor zu Hause erzogen werden. Es kann nicht das Ziel von Tagesstrukturen sein, dass Eltern bequem ihre Kinder bei jeder Gelegenheit ganztags in der Schule „abgeben" können, um sich persönliche Freiheiten zu schaffen. Der Sozialindex stärkt von strukturellen Bedingungen benachteiligte Gemeinden und schafft gerechtere Ausbildungsmöglichkeiten für alle. Er ist deshalb klar zu befürworten.
Die Bildung einer Eingangsstufe ist im Ansatz richtig und wird begrüsst, aber auch hier gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Kinder sollen noch Zeit haben, „Kinder zu sein" und in der Eingangsstufe sanft an den Schulalltag herangeführt werden; eine gezielte, aufbauende Förderung über einen längeren Zeitraum muss die Zielsetzung sein. So können die Schüler nach und nach auch beispielsweise früher in Fremdsprachen Grundkenntnisse sammeln.
Eine rasche Einführung von Frühfremdsprachen - vor allem Englisch und Französisch - wird von den jff klar begrüsst. Die schweizerische kulturelle Vielfalt sowie die globale Entwicklung von zusammenwachsenden Märkten und gegenseitigen Abhängigkeiten födert den interkulturellen Austausch. In einem solchen Umfeld hat nur Erfolg, wer sprachlich und kulturell gewandt ist.
Sehr skeptisch stehen die jff hingegen zur Oberstufenreform. Stefan Huwyler, Präsident der jff und Grossratskandidat der FDP im Bezirk Muri, äussert sich kritisch zum Stand der Dinge: „Die vom Grossen Rat zur Abstimmung vorgelegte Variante mit einer dreigliedrigen Oberstufe unter einem Dach kommt daher wie ein fauler Kompromiss zwischen dem bestehenden System mit Real-, Sekundar- und Bezirksschule und einer Lösung mit einem Progymnasium." Statt sich für eine Beibehaltung der bisherigen Struktur oder aber dann für eine echte Harmonisierung (progymnasiales System wie in den Kantonen Zug oder Zürich) zu entscheiden, wählte man einen Mittelweg. Eine teure Reform um einer Reform willen erscheint mehr als fragwürdig.

Jungfreisinnige Grossratskandidaten wollen Fokus wieder vermehrt auf Inhalte legen
Im Jahre 2004 haben die jungfreisinnigen in einer breitangelegte Studie untersucht, wie es um die Staatskunde-Kenntnisse der Oberstufenschüler steht, die in ihrem letzten Schuljahr sind. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Die jungfreisinnigen sind jedoch überzeugt von der enormen Bedeutung von informierten Bürgern für unser politisches System. Stefan Huwyler, Präsident jff und Grossratskandidat der FDP Bezirk Muri, hält weiter fest: „Nach langen Strukturdebatten muss das Augenmerk in Sachen Bildung nun wieder deutlicher auf Inhalte gelegt werden. Mit der Staatskunde-Initiative hat die JFDP ein Ausrufezeichen für dieses Anliegen gesetzt."

Jeder Schweizer sollte deshalb Basiskenntnisse über unsere Institutionen, das politische System sowie seine Rechte und Pflichten haben - dieses Anliegen greift die Initiative auf. Die jungfreisinnigen freiamt unterstützen deshalb klar die Staatskunde-Initiative der JFDP Aargau, an der sie mit Stefan Huwyler als Präsidiumsmitglied des Initiativkomitees auch selber aktiv beteiligt sind. Silvan Hilfiker, Freiämter Grossratskandidat der jungfreisinnigen (Liste FDP Bezirk Bremgarten), betont die Bedeutung der Vorlage: „Es ist erwiesen, dass ohne grundlegende Ausbildung der Jugendlichen im Bereich Staatskunde auch das Interesse marginal bleibt. Die miserable Wahl- und Abstimmungsbeteiligung von 18 bis 24 Jährigen ist ein alarmierendes Zeichen. Die JFDP-Initative ist der richtige Weg, diesem Desinteresse entgegen zu wirken."