Die FDP Frauen der Region Aarau haben sich am 24. Januar 2017 zum ersten Politlunch dieses Jahres im Restaurant Kettenbrücke getroffen und die aktuellen Abstimmungsvorlagen diskutiert. Grossrätin Jeanine Glarner erläuterte die Vorlage "Schaffung eines Fonds für die Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr (NAF)". Dieser garantiert die nötigen Investitionen in den Betrieb, Unterhalt und Ausbau des Verkehrsnetzes. Der NAF sichert die Finanzierung, um Engpässe im Nationalstrassennetz zu beseitigen, denn dieses stösst an seine Grenzen. Mit dem NAF erhält die Strasse einen Finanzierungsfonds wie die Schiene mit FABI – damit werden Strasse und Schiene in der Verfassung gleichgestellt. Zudem wird die Finanzierung von wichtigen Agglomerationsprojekten ermöglicht, wie die für den Aargau wichtige Limmattalbahn. Einstimmig empfehlen die Frauen ein JA zu dieser Vorlage.

Zur "erleichterten Einbürgerung von Personen der dritten Ausländergeneration" führte Grossrätin Jeanine Glarner aus, mit dieser Verfassungsänderung würden Einbürgerungen nicht automatisiert, sondern lediglich erleichtert. Die betroffenen Personen werden ihre Integration nicht mehr nachweisen müssen, jedoch müssen sie und ihre Eltern mindestens fünf Jahre hier zur Schule gegangen sein. Auch gilt das Angebot nur für unter 25-Jährige, damit die Militärdienstpflicht nicht umgangen werden kann. Zudem müssen je nach Kanton noch weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Diese strengen Bedingungen verhindern Missbräuche und eine unkontrollierte Einbürgerung. Die Kantone und Gemeinden behalten zudem ein Beschwerderecht, können also weiterhin Einfluss auf die Einbürgerungen nehmen. Durch die Verfassungsänderung wird schliesslich die krasse Ungerechtigkeit beseitigt, dass Ehepartner von Schweizer Staatsangehörigen und Staatenlose heute die Möglichkeit einer erleichterten Einbürgerung bereits haben,  junge Leute der dritten Generation aber nicht. Mit einer Gegenstimme sprachen sich die Frauen für ein JA aus.

Grossrätin Sabina Freiermuth stellte die Unternehmenssteuerreform III vor und empfahl diese zur Annahme. Internationale Standards lassen bisher bestehende Steuerprivilegien für ausländische Unternehmen in Zukunft nicht mehr zu.  Damit diese nicht höhere Steuern zahlen müssen und allenfalls abwandern, werden Ersatzmassnahmen geschaffen. Das sind nichts anderes als neue, international akzeptierte Steuerprivilegien: die obligatorische Patentbox (Gewinne aus Patenten und Lizenzen können tiefer besteuert werden, was vor allem für die Pharma wichtig ist), der Sonderabzug für Forschungs- und Entwicklungsaufwände sowie die zinsbereinigte Gewinnsteuer. Entscheidend ist, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz erhalten bleibt und die hochmobilen Gesellschaften nicht abwandern, denn diese finanzieren heute 50 % der privaten Entwicklungs- und Forschungsgelder, bieten 150'000 Arbeitsplätze und Tausende von Ausbildungsplätzen und erteilen Aufträge an schweizerische Zulieferbetriebe. Ihr Wegzug würde daher nicht nur hohe Steuerausfälle, sondern Arbeitsplatzabbau und Auftragsrückgänge bei Schweizer Firmen bedeuten. Die Frauen sprachen sich bei zwei Nein und einer Enthaltung für ein JA aus.

Die beiden kantonalen Vorlagen Optimierung der Aufgabenteilung Kanton-Gemeinden und Neuordnung des Finanzausgleichs zwischen den Gemeinden stellte Grossrätin Maja Riniker vor. Diese wurden im Grossen Rat mit ganz klarem Mehr gutgeheissen. Es handelt sich um lange und in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden entwickelte Anpassungen zur Erhöhung der Transparenz von Aufgaben und Kosten. Die beiden Vorlagen sind untrennbar miteinander verknüpft und sehr bedeutsam für die Zukunft der Gemeinden. Neu soll einerseits die Steuerkraft ausgeglichen werden. Andererseits sollen diejenigen Gemeinden entlastet werden, die besonders hohe Bildungs-, Sozialhilfe- und Infrastrukturkosten zu tragen haben.  Ohne den neuen Finanzausgleich würde die Schere zwischen hohen und tiefen Steuerfüssen in den Gemeinden unweigerlich weiter auseinandergehen. Versteckte Steuererhöhungen sind dabei nicht möglich, da der Gemeinderat es als Steuerfusserhöhung beantragen muss, wenn er die Gemeindesteuern um die vorgeschriebenen 3 Prozentpunkte nicht senkt. Die Frauen beschlossen zu beiden Vorlagen einstimmig ein JA.

Grossrätin Sabina Freiermuth präsentierte die kantonale Initiative "Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21", die im Schulgesetz einen abschliessenden Katalog der zu unterrichtenden Schulfächer festlegen will. Damit stimmen wir über eine Änderung zum Schulgesetz ab und nicht über den Lehrplan 21! Das Bildungsangebot würde per Gesetz einschränkt und die Harmonisierung unter den Kantonen, wie sie durch die Bundesverfassung vorgegeben ist, behindert. Der vorgeschlagene Gesetzestext würde Änderungen auch am heute geltenden Lehrplan notwendig machen und den Kanton Aargau zu einem kostspieligen Alleingang zwingen. Die Frauen beschlossen einstimmig ein NEIN zu dieser Initiative.

Schliesslich stellte Grossrätin Maja Riniker die beiden kantonalen Initiativen "Arbeit und Weiterbildung für alle" und "Chancen für Kinder – Zusammen gegen Familienarmut" vor. Bei beiden beschlossen die Frauen einstimmig die NEIN-Parole.