Teufenthal (AG)

Podium im Jugendkulturhaus Teufenthal

megaphoneLeserbeitrag aus Teufenthal (AG)Teufenthal (AG)
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Thema Jugendarbeitslosigkeit

Für die passende Lehrstelle ist viel Motivation gefragt: Dies machte der Themenabend deutlich, welcher am 24. November im Jugendkulturhaus in Teufenthal stattfand. Organisiert wurde der Diskussionsabend durch die Jugendkommission der Regionalen Jugendarbeit Wynental.

Fachpersonen, Betroffene und Interessierte diskutierten über ein Thema, welches sehr aktuell ist. Jugendarbeitslosigkeit ist allgegenwärtig und doch fanden nur wenige Besucher den Weg ins Jugendkulturhaus. Grund dafür ist vor allem auch der gesellschaftliche Aspekt. Wer nichts arbeitet ist nichts wert „En fuule Siech". Wer will sich da schon hinstellen und sagen. „Hey, ich bin arbeitslos und keiner will mich. Was mache ich falsch?"

Worauf kommt es an?
Was läuft denn falsch, wenn es einfach nicht klappen will mit einer Lehrstelle? Wird wirklich alles falsch gemacht? Heinz Eichenberger, Bereichsleiter Lehrlingsausbildung Lernzentren LfW äussert ganz klar: „Der erste Eindruck zählt. Sei dies beim persönlichen Erscheinungsbild und zu allererst noch beim Bewerbungsdossier. Hier entscheiden die ersten drei Sekunden darüber, ob einer Bewerbung weitere Beachtung geschenkt wird oder nicht. Aufmachung, Vollständigkeit und Motivation für die Stelle sind die Schlüsselpunkte. Fehlt etwas, ist die Bewerbung gleich vom Tisch."

Gemäss Dani Schneider vom RAV ist es auch sehr wichtig, sich nicht mit Standardbriefen zu bewerben. Die Bewerbung soll individuell auf die entsprechende Stelle geschrieben werden. Ansonsten fehlen einem beim Vorstellungsgespräch schon entscheidende Informationen und Grundlagen.
Falls es dann zu einem persönlichen Gespräch kommt, entscheidet auch hier der erste Eindruck. Gepflegte, der Stelle entsprechende Kleidung ist gewünscht. Es soll aber auch nicht übertrieben werden. Overdressed ist genauso falsch. Das alles nützt jedoch auch nichts, wenn der Bewerber schon 5 Minuten zu spät zum Termin erscheint! Weiter wird auch auf die Körperhaltung, Händedruck und allgemeines Verhalten geachtet. Bruno Güdel, Lehrer Berufswahljahr in Unterkulm, „trainiert" dafür seine Schüler. Bewerbungsgespräche werden geübt, gefilmt und ausgewertet. So sollen Hemmungen abgebaut und sicheres Auftreten gelernt werden.

Auch die Standardfragen werden im Unterricht behandelt. Was sind die eigenen Stärken und Schwächen? Warum gerader dieser Job, in diesem Betrieb?
Das alles bedeutet, es braucht sehr viel Motivation und Durchhaltevermögen. Doch dies stellt weitgehend sicher, dass der Lehrling am Schluss auch an der richtigen Stelle landet. Gemäss Heinz Eichenberger sind bei den Lernzentren die abgebrochenen Lehrstellen weniger als 1%. Der Aargauer Durchschnitt liegt bei 7-8%, gesamtschweizerisch 10%.

Maja Müller vom ask! gibt zu bedenken, dass nicht alle Jugendlichen bei der Stellensuche gute Unterstützung haben. Hierfür gibt es auch verschiedene Anlaufstellen. Ganz wichtig ist die Datenbank www.ag.ch/lena. Hier findet man offene Lehrstellen, Schnupperlehrstellen und Brückenangebote. Es gibt diverse Angebote wie Vitamin L, „Lehrstelle jetzt" oder „last call". Doch das Wichtigste ist, die Vernetzung aufrecht zu erhalten, denn es läuft sehr viel über den persönlichen Kontakt. So können auch im Juni noch letzte Stellen vergeben werden.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Bruno Güdel äussert klar, der Stichtag 1. November für die Lehrstellenvergabe werde nicht mehr eingehalten. Zwar seien die Stellen noch bei den Datenbanken aufgeführt, aber unter der Hand schon vergeben.
Das Berufswahljahr müsste ein Jahr früher beginnen, damit mit den Jugendlichen wirklich gearbeitet werden kann. Zur Zeit müssen bereits im September die ersten Bewerbungen verschickt werden. So bleibt keine Zeit für gute Vorbereitungen. Die Jugendlichen müssen sich immer früher mit der Stellensuche auseinander setzen. Mit 14 Jahren sollte ein Schüler schon genau wissen, was er einmal lernen will. Dies hat oft falsch getroffene Entscheidungen zur Folge. Die Wahrscheinlichkeit eines Lehrabbruchs wird dadurch massiv erhöht. So sind auch die meisten Abbrüche mit falsch gewählten Berufen begründet und die Suche beginnt von neuem.
In Motivationssemestern und Praktika werden neue Perspektiven gesucht. Doch dies braucht auch wieder neue Energie und Motivation weiter zu machen.
Gemäss Jannine Lutz vom Sozialdienst Kulm werden Jugendliche ohne Lösungen erst einmal finanziell von den Eltern mitgetragen. Dies ist eine weitere Belastung und oft wachsen daraus wieder neue Probleme und finanzielle Nöte. Erst wenn der Druck schon enorm hoch ist, kommt die Anfrage an das Sozialamt. Hier erlebt man oft das gleiche Bild.

Jugendliche mit schlechten Sprachkenntnissen, welche den Schulabschluss knapp geschafft haben. Für diese Jungen gibt es in unserer Arbeitswelt fast keine Ausbildungsmöglichkeiten mehr. Die Anlehre ist ganz abgeschafft worden und in vielen Berufen, welche früher mit weniger guten Schulleistungen absolviert werden konnten, werden heute immer mehr die schulischen Leistungen in den Vordergrund gestellt. Dabei ist es gerade wichtig, sich um die Schwächsten intensiv zu kümmern, damit diese nicht ihr Leben lang durch das soziale Netz fallen.

Es ist aber bei weitem nicht so, dass nach der Lehre alles planmässig weiterläuft. Den Jugendlichen wird geraten, schon während der Lehrzeit die weitere Laufbahn zu planen, damit es auch zu guten Anschlusslösungen kommt und nach dem Lehrabschluss nicht doch noch die Arbeitslosigkeit droht.

Ausblick
Um in Zukunft nicht noch mehr Jugendarbeitslosigkeit zu generieren, wurde auch klar zum Ausdruck gebracht, wie wichtig es ist, die Bürokratie für die Lehrbetriebe einfacher zu gestalten. Lehrlinge auszubilden soll attraktiv sein. Es darf aber nicht vergessen werden, dass es für einen Betrieb auch eine Investition bedeutet.
Wirtschaftlich gesehen fehlt es an qualifizierten Arbeitskräften: Informatiker, Ingenieure, Elektroniker sind gesucht. Wir müssen die Möglichkeiten haben, diese Fachkräfte bei uns auszubilden. Aber es braucht auch Platz für die schulisch Schwachen. Hier sollte es wieder vermehrt Angebote geben.
Der Moderator Chris Regez hat wiederum souverän durch den Abend geführt. Es war ein höchst interessanter Überblick über die verschiedenen Aspekte des Themas und die Besucher konnten mit vielen nützlichen Informationen nach Hause gehen. (cr)


Foto: Podiumsteilnehmer: v.l. Moderation Chris Regez, Dani Schneider (RAV), Maja Müller (ask!), Heinz Eichenberger (Bereichsleiter Lehrlingsausbildung Lernzentren LfW), Jeannine Lutz (Sozialdienst Kulm), Bruno Güdel (Lehrer Berufswahljahr)

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