Am Sonntag,22. April versammelten sich zu  nachtschlafender Zeit 40 angemeldete Personen, die sich zum Ziel gesetzt haben in den süddeutschen Barock einzutauchen. Paul Beuchat und René Fröhlich, die beiden altbewährten und ausgezeichneten Reiseführer, hatten für uns eine Reise in Barock und Rokoko Süddeutschlands ausgeheckt, die es in sich hatte. Für das seelische Wohl war unser Pfarrer Urs Elsener zuständig. Mit seinen täglichen Impulsen und Messfeiern sorgte er für unsere spirituellen Bedürfnisse.

Nun konnte es also losgehen. Wartete doch eine ungeheure Fülle von Sinneseindrücken, die das Reiseprogramm versprach. Echt barock eben. Uns Murianern ist der Barockstil von unserer Klosterkirche her ja einigermassen bekannt. Was aber in Bayern, auf überblickbarem Raum zu bestaunen ist, wirkt atemberaubend. Man gewinnt in den besuchten Kirchen und Klöstern den Eindruck, dass in der Barockzeit sich tiefe Glaubensfreude und pralle Lebenslust gepaart haben. Unzählige fröhliche Engelchen scheinen durch lichterfüllte Räume zu schweben. Und das trotz beträchtlicher Leibesfülle, die bei heutigen Ernährungsaposteln sämtliche Alarmglocken auslösen würde.

Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass die Barockzeit auch kriegerische Auseinandersetzungen kannte, unter denen vor allem die einfache Bevölkerung schwer zu leiden hatte. Vielleicht öffnete sich diesen armen Menschen in ihren prächtigen Dorfkirchen doch ein spaltbreit die Tür zu einem Paradies, das ihnen im Alltag häufig verschlossen blieb.

Schon der erste Tag hielt mit Birnau, Kempten und Wieskirche die ersten Perlen bereit. Ziel war das Klosterdorf Ettal, wo wir ein komfortables Hotel bezogen, das die ganze Woche Stützpunkt und Basis für unsere Erkundungsfahrten durch Bayern blieb.

Höhepunkt des Montags war der Besuch in Oberammergau, dem Passionsspielort mit den bekannten Lüftlmalereien an den Hausfassaden. Alle 10 Jahre führt das Dorf das Passionsspiel auf. Was die Bevölkerung dabei leistet, stellt selbst den Osterspielort Muri in den Schatten. Wer bisher glaubte, bei diesem Passionsspiel handle es sich um ein leicht süssliches oder gar kitschiges Dorftheater musste seine Meinung revidieren. Das Spiel entwickelte sich in seiner langen Geschichte unentwegt, und die Entwicklung geht weiter. Wenn es im Jahr 2020 wieder losgeht, sind sozusagen alle Einwohner engagiert. Sie werden ihr Spiel mehr als 100 mal geben und dabei über eine halbe Million Zuschauer haben.

Zurück in Ettal erwartete uns eine Klosterführung. Sie endete mit dem Besuch des Brauereimuseums ( ein Herzensanliegen des Schreibenden ) und einer Likörprobe in der Distillerie die den Stimmungspegel sprunghaft ansteigen liess.

Am Dienstag war Winter angesagt. Durch tief verschneite Wälder und auf matschigen Strassen erreichten wir die Schlösser Linderhof und Neuschwanstein, die von Ludwig II mit verschwenderischem Prunk erbaut wurden. Die schwierigen Strassenverhältnisse beeindruckten unseren Chauffeur Walter Grob kaum. Jedenfalls meisterte er diese und alle anderen schwierigen Verkehrssituationen während der Woche in bewundernswerter Art.

Das feine Essen gepaart mit reichlichem Bierkonsum drohte langsam Spuren zu hinterlassen, nämlich in Form barocker Körperformen. Das fiel Elisabeth Grüter auf. Kurz entschlossen verordnete sie uns während den Busfahrten ein Fitnessprogramm um das Schlimmste zu vermeiden. Also dehnten und streckten wir uns, kontrahierten und entspannten unsere Muskeln vom Kopf bis zu den Füssen und achteten auf die richtige Atmung. Bei längeren Etappen, z. Bsp. an den Chiemsee oder nach Altötting wussten wir das sehr zu schätzen. Altötting ist der wichtigste Wallfahrtsort Bayerns. Die  jahrhunderte alte Geschichte dieser Wallfahrt ist im Benediktshaus mit Bildern, Texten und Gegenständen dokumentiert. Architektonisch ist das Museum interessant, weil es aus einem historischen Teil und geschickt integrierten modernen Teilen besteht, wo die Ausstellungsgegenstände wunderbar präsentiert werden.

Der Freitag riss uns ziemlich brutal aus der barocken Seligkeit heraus, die wir noch im Schloss Nymphenburg geniessen durften. Es ging nämlich zu KZ Dachau. Nach einem Rundgang durch dieses riesige Gelände der Trostlosigkeit, die niemand unberührt liess, versammelten wir uns zur Andacht in der Versöhnungskirche. Da wurde uns bewusst, wie gut es wir haben und gleichzeitig wie zerbrechlich dieses Glück sein kann.

Am Samstag gings nach München. Unsere ausgezeichnete Führerin wollte ihre prächtige Stadt nicht als Weltstadt verstanden wissen, sondern als Zentrum von Kultur und Kunst. So zeigte sie uns u.a. das Cuvilliés-Theater, den "alten Peter"         ( Kirche) und natürlich die Asamkirche. Natürlich reicht ein Kurzbesuch nicht aus, um das pulsierende München wirklich kennen zu lernen. Ein Grund wieder einmal dorthin zu fahren.

Am Sonntag, 29. April hiess es Koffern packen. Nach einem Halt in Ottobeuren, wo der Abt uns persönlich durch sein Kloster führte, ging es Richtung Schweiz. Ein letzter Halt im Kloster Fischingen gab uns die Ueberzeugung zurück: doch, doch, in Sachen Barock sind wir auch wer.

Punkt 20.00 Uhr trafen wir glücklich und zufrieden in Muri ein. Eine dichte und erlebnisreiche Reise ging damit zu Ende. Ein grosses Dankeschön gilt den Organisatoren und der ganzen Gruppe, die prächtig harmonierte. Alle Teilnehmer werden diese gelungene Reise nicht so schnell vergessen.

D. Büsser