Seit seinem grossen Erfolg mit „Der Goalie bin ig“ steht der Romantitel gleichermassen für seine Person. Nicht mit dem Goalie, sondern mit seinen Morgengeschichten fürs Radio begeisterte Schriftsteller Pedro Lenz sein Publikum am Donnerstagabend im Stiftstheater Beromünster. Geschichten, die auch am Abend ihre Wirkung nicht verfehlten. Organisiert wurde die Lesung von der Volkshochschule Wynental.

Sein Blick geht nur selten zu den rund 150 Besuchern, die den Theatersaal im Dachgeschoss des Stiftstheaters bis auf den letzten Platz füllen. Pedro Lenz, unaufgeregt aber nie monoton, fesselt mit der Stimme. Der hochgewachsene Schriftsteller sitzt nicht vor dem Publikum – er steht. Die Körpersprache kommt spärlich zum Einsatz – hin und wieder ein Stirnrunzeln, feine Andeutungen mit der rechten Hand, die linke hält das Buch. Die Mundart wirkt direkt, das Lesen ist Erzählen und taucht die Zuhörer vom ersten Moment an mitten ins Geschehen.

Was war in Interlaken?
Pedro Lenz spielt mit der Sprache und mit der Neugierde. Er setzt seine Zuhörer in den Zug und lässt sie rätseln, warum „Wynige“ für Fredi und seine Frau etwas Besonderes ist, „obwouh jo das Wynigen eigentlich, wem es vom Zug us aaluegt, nid unbedingt meh isch aus eifach es Dorf.“ Oder er lässt das Publikum während einer ganzen Bahnfahrt mitfiebern, ob Tinu und der Loosli Franz doch noch damit herausrücken, was damals in Interlaken vorgefallen ist. Denn seit Interlaken, das wird klar, hat Musiker Tinu keine Gitarre mehr angerührt. Die Antwort bleibt aus, und auch der Autor kann sie nicht geben. Das werde er nach der Lesung häufig gefragt, aber „ig weis es au nid.“

Die Geschichten spielen oft im Zug oder Tram, weil „man im Zug einfach mehr erlebt als im Auto“. Die Handlungen sind aus dem Leben gegriffen. Pedro Lenz fasziniert, indem er das Besondere im Alltäglichen aufspürt. Die ältere Dame, die bei der Kontrolle im Tram für ihren kleinen Hund kein Billett vorweisen kann, scheint dem Publikum vertraut. Die Wende jedoch ist überraschend. Warum ist ein kleiner Hund kein Kleintier? Die Zuhörer lachen, der Hund wird flugs zur Katze erklärt, die ohne Ticket reisen darf: „ … ond d’Chatz het zum Dank fründlech kläffed“.

Me mues es richtig säge
Die Sprache mit ihren Nuancen und Ungereimtheiten ist ein zentrales Thema für Pedro Lenz. Pedantische „Sprachpolizisten“ nimmt er jedoch aufs Korn. Oder ist es der eigene Sprachhüter in ihm, dem er ironisch begegnet? Vom Pflegen der Sprache will er jedenfalls nichts hören. Gepflegt, so sagt er in seiner Überleitung zur Geschichte „Mundartpolizei“, würden Kranke. „Die Sprache ist aber nicht krank. Ich pflege die Sprache nicht, ich brauche sie.“

Die Zusammenarbeit zwischen dem Stiftstheater Beromünster und der Volkshochschule Wynental ist ein Beitrag zum kulturellen Austausch zwischen dem Aargau und dem Kanton Luzern. Die Kantonsgrenze muss nicht automatisch auch Kulturgrenze sein, zeigen sich die Verantwortlichen überzeugt. Mit dem grossen Interesse an der Lesung von Pedro Lenz dürfen sich die Volkshochschule Wynental und das Stiftstheater über einen weiteren gelungenen, grenzübergreifenden Anlass freuen.