Sarmenstorf

Pater Johannes Kahn aus Kirgistan in Sarmenstorf

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«Kirche in Zentralasien ist keine Business-Organisation», diese Aussage von Jesuitenpater Johannes Kahn gilt als Leitsatz der Kirche für ihre Arbeit im Bergland Kirgistan, einem der ärmsten Länder der Welt. Es wird buch­stäblich “um Gottes Lohn” gearbeitet. Der Hohe Gast besuchte auf Einladung des internationalen Hilfswerks “Kirche in Not” verschiedene Schweizer Pfarreien. In Sarmenstorf traf er aufmerksame Gläubige, die sich um die schwierige Situation im noch jungen Staat im Südosten der ehemaligen Sowjetunion interessiert zeigten. Mit dieser Einladung bewiesen die Pfarrei Sarmenstorf und Pfarrer Marco Vonarburg, dass ihnen das Schicksal der Glaubensbrüder und –Schwestern im fernen Grenzland zu China nicht gleichgültig ist.

Im Anschluss an die Messfeier informierte der als Kämpfer für die Rechte der Mittellosen bekannte Seelsorger aus “erster Hand”. Die wenigen tausend Christen, welche in Kirgistan mit über 80 % Muslimen zusammenleben, sind vorwiegend Nachkommen von Russland-Deutschen, welche während des zweiten Weltkrieges nach Zentralasien deportiert wurden, teilweise gar in Arbeitslager. Viele sind im Laufe der Jahre nach Deutschland zurückgekehrt. Zurückgeblieben sind Arme, welche keine Möglichkeiten hatten, sich den Rückkehrern anzuschliessen. Die sozialen Probleme sind riesig und stellen an die von der kath. Kirche betriebene Caritas eine starke Herausforderung dar. Vieles, was im Westen an Infrastruktur selbstverständlich ist, fehlt in Kirgistan.

Vielvölkergemeinschaft im kargen Berglan

Kirgistan ist etwa fünfmal so gross wie die Schweiz und ein Vielvölkerstaat im asiatischen Bergland. Die Amtssprache ist kirgisisch und russisch, obschon mehr als die Hälfe der Einwohner Kirgisen sind. Die deutschstämmigen Bewohner sind vom Sprachenzwang nicht ausgenommen. Das Land verfügt über Naturschönheiten und bietet die Möglichkeit guter Ernteerträge. Dennoch fehlt Vieles. So sind der tägliche Strom- und Wasserbezug so wenig selbstverständlich wie eine gute Grundversorgung im Gesundheitsbereich oder der regelmässige Schulbesuch für die Kinder. Die Korruption im Staate ist vielfältig. Ohne Schmiergelder ist es oft sehr schwierig, an Leistungen öffentlicher Organe heranzukommen oder einen Arbeitsplatz zu erhalten. Die staatliche Führung ist sehr autoritär und funktioniert wie ein Polizeistaat.

Gottesdienste in Privathäusern – Kirche nimmt Caritas-Aufgabe wahr

Früher waren es die Grossmütter, welche zum Erhalt des christlichen Glaubensgutes und der deutschen Sprache im Untergrund wirkten. Heute kommt der Glaube über die Kinder aus dem Religionsunterricht zu den Eltern, welche unter sowjetischer Herrschaft atheistisch aufge­wachsen sind. Die Gottesdienste werden in Privathäusern abgehalten, da keine Gotteshäuser wie in den reicheren Ländern zur Verfügung stehen. Wie die Menschen in ihrem kargen Alltag, lebt auch die Kirche in Armut. Man ist auf die Hilfe von Wohltätern angewiesen. Da-bei erwähnt er dankend die Unterstützung durch das international tätige Hilfswerk „Kirche in Not“, welches für die Christen in Kirgistan von grösster Bedeutung ist, ebenso Hilfswerke aus Deutschland.

Die Vertreter der Kirchen verstehen sich nicht als „Buisness-Leute“, leben sie doch ohne Lohn und Versicherungen sondern im Vertrauen auf Gott und die Unterstützung von Wohltätern. Aus einem Fonds für Existenzhilfe erhalten sie pro Jahr rund 1‘200 Franken zur Bestreitung der wichtigsten Auslagen. Nebst  der Seelsorge kommt der Caritas eine grosse Bedeutung zu. Viele Menschen sind hungernd und werden durch Leute der Kirche mit lebensnotwendigen Gütern versorgt.

Die wenigen Fahrzeuge, welche für die Caritas-Arbeit in Einsatz stehen, sind oft „Autos zwischen Leben und Tod“. Sie werden nahezu Tag und Nacht durch abgelegene Gebiete gefahren. Kritisch wird es, wenn ein Fahrzeug in den Bergen stehen bleibt, zumal die Helfer auf die Transportmittel angewiesen sind. Da ist man besonders dankbar, wenn von Wohltätern aus dem Westen in kurzer Zeit für Nachschub gesorgt wird. Eine Ordensperson legt für ihren Einsatz im Jahr doch zwischen 50'000 und 70‘000 km zurück. - In den Spitälern fehlt es oft an Medikamenten und Schmerzmitteln, was sich bei Operationen verheerend auswirkt. Ständige Umwelteinflüsse, wie Erdbeben, sind häufig Hindernisse beim Gewinn von Bodenschätzen und verursachen zusätzliche Probleme.

Brücken bauen durch Gebete – Hilfe durch Jünger Christi

Ohne die Einladung durch Hilfswerke könnte Pater Johannes Kahn nicht direkt über die Arbeit der Priester und Ordensleute in Kirgistan berichten. So schätzt er es besonders, direkt mit Wohltätern Kontakte zu pflegen und sie aus erster Quelle über die Verwendung der ihm und seinen Ordensbrüdern und –Schwestern anvertrauten Hilfsmittel zu informieren. Es ist ihm ein Anliegen, Brücken zu bauen zwischen den Wohltätern im Westen und den Armen in Kirgistan, sei dies durch Gebete oder soziale Hilfeleistungen. Er tut dies im Vertrauen auf Gott, bei dem Alles möglich ist. Wenn wir in Liebe mit ihm verbunden sind, so hilft er uns auch, so der unerschrockene Seelsorger.

Stefan Treier

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