Aarau

Neue Regelungen an der Volksschule sorgen für Gesprächsstoff

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Tagung unter dem Titel Bez meets Kanti

Unter dem Titel "Bez meets Kanti" fand am vergangenen Donnerstag an der Alten Kantonsschule Aarau eine Tagung statt, in deren Rahmen sich Bezirks- und Kantonsschullehrpersonen mit der neuen Promotionsordnung an der Volksschule auseinandersetzten sowie mit der Beurteilung von Selbst- und Sozialkompetenzen im pädagogischen Kontext . Ulrich Salm, Prorektor der Alten Kantonsschule Aarau, machte in seiner Begrüssung deutlich, dass das Beurteilen von Schülerinnen und Schülern zum "alltäglichen Geschäft" von Lehrpersonen gehöre. Wenn aber Verordnungen verändert werden, welche den Übertritt in die folgende Klasse regeln, und Kompetenzen beurteilt werden sollen, die bis anhin zwar beachtet, nicht aber bewertet wurden, stellen sich neue Fragen.
Dies bekam auch Raphael Arnet , der im Auftrag des BKS die neue Promotionsverordnung der Volksschule vorstellte, zu spüren. Anwesende Lehrpersonen äusserten sich zum Beispiel kritisch dazu, dass die vierte Bezirksschulklasse nicht mehr repetiert werden kann. Eine weitere Neuerung besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler der Volksschule ab dem Schuljahr 2010 / 2011 Jahreszeugnisse erhalten. Die Zwischenberichte am Ende des ersten Schulhalbjahres enthalten neben Orientierungsnoten die förderorientierte Beurteilung der Selbst- und Sozialkompetenz. Zur Selbstkompetenz gehören Aspekte wie das "selbständige und zuverlässige Arbeiten" oder die "aktive Beteiligung am Unterricht". Die Sozialkompetenz enthält Aspekte wie "angemessene Umgangsformen" oder "konstruktive Zusammenarbeit mit anderen".
Die Beurteilung der Selbst- und Sozialkompetenz ist in Zukunft also eine der Arbeiten von Volksschullehrpersonen. Dass diese neue Aufgabe Fragen aufwirft, auf die man noch nicht alle Antworten gefunden hat, zeigte das Referat der Erziehungswissenschaftlerin Katharina Maag Merki. Lehrpersonen, welche beurteilen sollen, ob Schüler "zielorientiert arbeiten" oder "eigene Fähigkeiten richtig einschätzen", sehen sich mit der Tatsache konfrontiert, dass das Messen von solchen Leistungen keinen neutralen Vorgang darstellt , sondern im Gegenteil abhängig ist von Personen und Situationen. Umso wichtiger, so Maag Merki, sei es, dass man "Indikatoren" suche, Sachverhalte also, die direkt wahrnehmbar seien und so möglichst eindeutige Hinweise liefern für die zu beurteilende Leistung. Daneben forderte Maag Merki ein bewusstes Setzen der "Messlatte": Sogenannte "Standards" müssten Auskunft geben darüber, wann eine Leistung gut, genügend oder ungenügend sei. Und natürlich müssten die Schülerinnen und Schüler genügend Gelegenheit haben, die geforderten Kompetenzen zu zeigen: Es brauche Lehr - und Lernformen, welche die in Frage stehenden Fähigkeiten erforderlich und sichtbar machen würden.
Die interessante Tagung an der Alten Kantonsschule Aarau führte vor Augen, wie anspruchsvoll das Beurteilen und Bewerten ist - ganz besonders in Bereichen wie Selbst- und Sozialkompetenz. (usa)

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