Mutprobe auf dem Lötschentaler-Höheweg

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Vereinsreise des FTV-Boswil

Bei Nieselregen und muntere Sprüche klopfend stiegen 18 Turnerinnen und ein „Paparazzi“ in den Zug via Bern nach Goppenstein. Gestärkt durch einen leckeren, von der Reiseleiterin Ruth selbstgebackenen Speckzopf und einer Vitaminbombe aus der Tetrapackung, wechselte die Gruppe dann ins Postauto. Der Lonza entlang führte es die Wanderfreudigen in das zwischen Berner Alpen und Aarmassiv eingebettete Lötschental bis zur Endstation. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein erwartete hier die Frauen. Nach einem kurzen Marsch zum Berghaus Fafleralp, war die Zeit reif für Kaffee und Kuchen, welche die nötige Kraft für die kommende Tour brachte.

Den Rucksack geschultert, die Wanderstöcke eingestellt, die Schuhe geschnürt und nun in den Regen-schutz eingehüllt, stieg man hinauf ins Uisters Tal. Erd- und Geröllverschiebungen machten der Reise-leitung kurz Kopfzerbrechen. Wo ist unser Weg? Nach kurzem Ausschauhalten marschierte nun die Gruppe mit Regenschirm bewaffnet auf dem Sagenweg zum idyllischen Schwarzsee. Auf mehreren Tafeln werden Legenden, Mythen und Sagen aus dem Tal erzählt. Eine unterhaltende Attraktion, doch nicht bei diesem Hundewetter. Eine Regenpause kam wie vereinbart zur Mittagszeit. Diese wurde sofort fürs Picknick aus dem Rucksack genutzt, um wieder gestärkt die nächste Alp anzusteuern. Ein bis zwei heisse „Häxekafis“ auf der Tellialp wärmten die durchfrorenen Gemüter wieder auf.

Ein kurzer Aufstieg und dann stapfte die Gruppe durch herrliche Lerchenwälder zum höchsten Punkt dieser Höhenwanderung, die Weritztafel (2099m). Das Ziel war bereits in Sicht, als die Mutprobe bevorstand. Eine Herde schwarzer Kühe stand im Weg. Sind das Mutterkühe? Welches sind die Mütter und welches Kälber? Wo ist der Zaun? Die Ungewissheit lenkte einige auf Umwegen dem Ziel entgegen. Mutig pirscht sich da eine gestandene Kallerer-Bäuerin an die Herde heran, erforscht und gibt Entwarnung: „Keine Mutterkuhhaltung, freie Bahn“! Nach diesem Intermezzo genossen die Frauen bei viel Gelächter den von der Präsidentin offerierten Geburtstagsapéro. Nach der Zimmerverteilung und dem obligaten Auffri-schungsakt, verwöhnte das „Hotel zur Wildi“ die Gäste mit einem feinen Znacht. Der Wein schmeckte vorzüglich, die Kaffees mundeten und die Kerzen brannten auf dem Gugelhupf für das Geburtstagskind. Nach dem obligaten „Hose-abe-Spiel“ löschten auch die Letzten ihre Lichter.

Herrliches Bergwetter erwarteten die Ausflüglerinnen am nächsten Tag. Nach dem Frühstück wurde der Weg über die Kummen- Richtung Ristialp zur Faldumalp unter die Füsse genommen. Das Gelände dieser Etappe wurde steiler und wilder, dafür lockten lohnende Ausblicke über die ganze Länge des Tals bis hin zur Lötschenlücke. Auf der rechten Seite des Tals dominiert das mächtige Bietschhorn das Panorama. Der vom Vortag gefallene Schnee verzuckerte die Bergspitzen vom Breitlauihorn, Schwarzhorn und Co. Bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein verweilten die Frauen auf der Restialp bei einem kühlen Drink und genossen die traumhafte Kulisse. Leider haben die Paparazzis auch sonntags Dienst. Für eine „Frauenwädli-Studie“ wurden die Wanderhosen hoch gezückt und ins beste Licht gerückt. Schlank, breit, muskulös ja sogar maskulös, gestreift, gepunktet, blass oder gebräunt, alles war anzutreffen. Mutmassend, wie diese Studie eingesetzt werden könnte, marschiert man dann weiter an Ziegenherden, Wildbächen und Heidelbeersträuchern vorbei. Da Wandern bekanntlich Hunger gibt, wurden unterhalb zur Faldumalp die Rücksäcke erneut geplündert. Eine kurze Kneippkur im eiskalten Färdanbach erfreute manchen Schweiss-fuss, denn der Abstieg nach Ferden stand noch bevor. Ein Lerchenwald öffnete ein Paradies für leiden-schaftliche Sammlerinnen. Überwachsende Äste, Lerchenzäpfchen, Moos, Hauswurz etc. füllten die Hosentaschen und Schlafzeugsäcke. Die schönsten Ideen für Dekorationen wurden entwickelt und voller Freude nach Hause geschleppt.

Im kleinen Walliserdorf Ferden genossen die Wandervögel dann das obligate Dessert, bevor das Postauto die Gruppe wieder nach Goppenstein brachte. Unverwüstliche suchten bis zu letzt die Herausforderung  und wanderten die restlichen 40 Minuten ins Tal und Bahnstation.

Ein herzliches Dankeschön an die Reiseleiterinnen Ruth Schüpbach und Brigitte Hunziker für die  beiden herrlichen Erlebnistage im Lötschental.

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