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Muslimische Frauen in der Schweiz

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Das Organisationsteam der Steiner Frauenmorgen und die Reformierte Kirche Stein und Umgebung boten mit einem im Schweizer Wahlkampf top-aktuellen Thema „Muslimische Frauen in unserer Gesellschaft – vertraut oder fremd“ und der Referentin Jasmin El-Sonbati , Basel, Gelegenheit sich zu informieren, Fragen zu stellen und Vorurteile zu überdenken.

Die Referentin, Jasmin El-Sonbati, Gymnasiallehrerin aus Basel, lebt seit ihrer Kindheit in der Schweiz, und ist auch mit dem Fricktal verbunden, besuchte sie doch in ihrer Jugend die Bezirksschule in Rheinfelden. Als Tochter eines Ägypters und einer Österreicherin kennt sie sowohl die christliche als auch die muslimische Tradition. El-Sonbati ist bekannt vom Radio und Fernsehen und hat ein Buch geschrieben „Moscheen ohne Minarett". Sie engagiert sich für einen fortschrittlichen Islam und hofft, dass der arabische Frühling eine Chance ist und das gegenseitige Verständnis wächst.

Spagat zwischen zwei Welten
Jasmin El-Sonbati hat durch ihre Eltern und die österreichische und ägyptische Verwandtschaft sowie ihr Leben in der Schweiz von klein auf beide Welten kennen und schätzen gelernt. Sie erzählte anschaulich von ihren österreichischen Tanten und Besuchen in Ägypten. Es sei allerdings oft ein Lebensspagat, immer wieder stehe man vor der Frage „wo gehöre ich hin"? 1970, als sie mit ihrer Familie in die Schweiz gekommen war, seien sie einfach exotische Ausländer gewesen. Damals war die Mehrheit der Ausländer Italiener, Spanier, Portugiesen. Aber schon damals kam mit der Schwarzenbach Initiative fremdenfeindliches Gedankengut auf. Heute spüre man wieder eine Verhärtung der Fronten. Schleier und Kopftuch, Mädchen, die nicht ins Schulschwimmen dürfen, werden in den Medien negativ ausgeschlachtet. Dabei ist die Schweiz seit Jahrhunderten ein multikulturelles Land und gegenseitige Toleranz hat viel Positives bewirkt. Sie selber ist auch in manchen Dingen kritisch. So trage weder Kopftuch noch Schleier und ginge nie in eine Moschee, weil sie die Geschlechtertrennung ärgere. In der Schule müssten sich alle an Schulordnung halten. Wichtig sei immer das Wohl des Kindes.

Toleranz von beiden Seiten ist wichtig
Jasmin El-Sonbati wünscht sich, dass von beiden Seiten Toleranz geübt wird. Dies ist bei der gebildeten Bevölkerung meist der Fall. Das patriarchalische Gedankengut ist jedoch besonders in einfachen Familien verbreitet, d.h. der Ehemann und Vater bestimmen, was die weiblichen Familienmitglieder zu tun haben. Es ist im Islam auch obligatorisch, dass die Kinder - auch wenn die Mutter eine Christin ist - automatisch zur islamischen Religionsgemeinschaft gehören. Und wenn eine islamische Frau einen christlichen Mann heiraten möchte, muss dieser zuerst konvertieren. Da stellte sich beim Publikum die Frage, was man im Islam unter Toleranz versteht.

Die sympathische Referentin ist selber in manchen Fragen kritisch und gab auf vielerlei Fragen aus dem Publikum kompetent Auskunft. Sie wünscht sich einen fortschrittlicheren Islam und hofft, dass die religiösen Vorschriften nicht nur buchstabengemäss interpretiert werden, sondern dass das Positive eines Islams der Helligkeit und des Lichts wahrgenommen werden. Wie Pfarrer Marc Zöllner betonte, sei das Leben in einem multikulturellen Umfeld eine Bereicherung, aber auch immer wieder eine Herausforderung. Toleranz könne nur dort entstehen, wo man aufeinander zugehe-


Bild: Die sympathische Referentin Jasmin El Sonbati wünscht sich einen „fortschrittlichen Islam" und gegenseitige Toleranz.

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