Lostorf

Musik ohne Grenzen- Brückenbauende Rhythmen in der Galerie Darkoum in Lostorf

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Fusionsprojekt- Musik ohne Grenzen

Fusionsprojekt- Musik ohne Grenzen

Kürzlich fand in der Galerie Darkoum ein Konzert der anderen Art statt. „In allen Kulturen lassen sich Menschen von Musik berühren und es gibt kein besseres Instrument um Grenzen zwischen Kulturen und Traditionen zu überbrücken, als eben Musik. Mögen uns die vier Musiker auf eine aussergewöhnliche Klangreise entführen“, so die Begrüssung von der Galeristin Jeannette Lerch. Seraina Clark-Wüthrich und Mélanie Scalbert eröffneten das Konzert mit einem Naturjodel aus dem Muottatal. Die kräftige Stimme von Seraina Cark wurde von intensiven Tremendo-Cellotönen von Mélanie Scalbert untermalt. Die Reise führte quer durch die Schweiz, traditionelle Stücke wie ‚Der Appenzöller’ oder das den Zuhörern sehr wohl bekannte, ursprünglich aus dem Kanton Glarus stammende ‚Stets i truure, muess i läbe’ tönten dank der sonoren Solo-Frauenstimme und dem Cello ganz neu. Auch Jodel aus dem Appenzell- Innerrhodischen wie das ‚Rugguserli’; aus dem Französischen, Tauben, die gurren, fanden bei den Konzertbesuchern grossen Anklang. Seraina Clark erklärte dazu, dass die dortige Art zu jodeln, viel zierlicher sei. Beim Toggenburger Naturjodel durfte das Publikum dann die Grundtöne mitsingen, zusammen mit den vibrierenden Celloklängen tönte es wie ein Chorgesang. Der aus Jordanien stammende Mahdi al-Tashly, dessen Eltern aus Palästina kommen, musiziert seit seinem achten Lebensjahr. Sein Vater war Oud- und Lautenbauer, Mahdi’s Bruder hat später die Instrumentenbauerwerkstatt übernommen. Von ihm stammt auch die Oud, auf welcher Mahdi al-Tashly die Zuhörer zusammen mit den Darbouka-Rhythmen von Tiziano Ronchetti sogleich auf eine Nah-Ost-Reise entführte. Die Reisen in den nahen Osten und Begegnungen und zusammen musizieren mit Meisterperkussionisten aus Syrien, dem Jemen und Marokko haben die Musik des Tessiner Musikers stark geprägt. Die beiden Musiker spielten alte Melodien, meist Liebeslieder aus dem gesamten orientalischen Raum. Al-Tashly erklärte, die orientalischen Minnelieder seien zunächst immer Improvisation, erst später setze dann das eigentliche Lied und damit auch der Gesang ein. Der zweite Konzertteil nach dem Apéro riche in der laufenden Kunstausstellung im Nebenraum war ganz moderneren Klängen und spontaner, freier Improvisation gewidmet. Sogar eine Uraufführung ihres selbst geschriebenen ‚Sehnsuchtsjodels’ bekamen die Zuhörer von den beiden Musikerinnen zu hören. „Das Jodeln und auch die Jodelautoren waren eigentlich immer männlich“, erklärte Seraina Clark. Schon nur deshalb, tönten die Neuinterpretationen der beiden Frauen anders, ungewohnt. Das ‚Afro-Jödeli’, eine Mischung aus afrikanischen Rhythmus-Lauten und Jodel spiegelte das multi-kulturelle Basel, wo die beiden Musikerinnen zuhause sind. Zusammen mit Ronchetti und al-Tashly ergab sich dann ein spontanes ‚Fusionsprojekt’. Zu viert improvisierten sie ‚De Sidi abdel Assar vo el Hama’,Das alte Guggisbergerlied’ und eine Eigenkomposition von Al Tashly. Zu guter Letzt spielten sie für Jeannette Lerch und Familie ein Stück aus Algerien. Diese und das Publikum waren sehr berührt und ergriffen, ob so wunderbarem musikalischem Können. Ein west-östlicher Diwan der Musik.

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