Bereits in Bad Zurzach öffneten sich die himmlischen Schleusen und der Münsterchor konnte seine diesjährige Chorreise mit himmlischem Segen beginnen.

Niemand wusste wo die Reise hingehen wird. Das Motto hiess „eine Reise voller Gegensätze“. Erste Spekulationen und Vermutungen waren im Car zu hören. Der erste Halt auf der Reise ins Unbekannte gab es auf der Halbinsel Au, wo man sich mit Kaffee und Gipfeli das erste Mal stärken konnte. Die Weitsicht auf den Zürichsee hätte noch fantastischer sein können, wenn sich die ersehnte Sonne gezeigt hätte.

Wanderstab und Bibel

Auf der Weiterfahrt wurden die Dörfer immer kleiner, die Berge immer dominanter und mächtiger. Daniel Meier, welcher die Reise organisiert hatte, informierte uns über das Wappen, welches den heiligen Fridolin mit Wanderstab und Bibel zeigt. Dann war es allen klar, wir bewegten uns Richtung Glarnerland.

Stadtkirche, Glarusbrand, Hexenhinrichtung

In Glarus erblickten wir die Stadtkirche, welche mit ihren beiden Türmen, die prächtigen Rosetten über den Eingängen sowie deren Lage etwas Monumentales ausstrahlt. Es ist die fünft grösste Kirche in der Schweiz. Sie wurde 1866 nach den Plänen des damaligen bekannten Architekten Karl Ferdinand Stadler erbaut, welcher auch die Elisabethenkirche in Basel plante.

Die heutige Stadtkirche wurde nach dem Stadtbrand von Glarus im Jahre 1861 am jetzigen Standort neu errichtet. Rund hundert Jahre diente die neue Kirche der evangelischen und der katholischen Konfession. Seit 1964 besitzen die Katholiken ihre eigene Fridolinskirche.

Unter kundiger Führung hörten wir mehr über den Glarusbrand, welcher zur grössten Brandkatastrophe des 19. Jahrhunderts in der Schweiz gehörte. Zwei Drittel des Kantonshauptortes wurde dabei zerstört und die Hälfte der Einwohner wurde obdachlos.

Der Brand löste eine starke Solidaritätswelle aus und die Spendenaktion war der Vorläufer der heutigen „Glückskette“.

Bereits 11 Tage nach dem Brand standen die neuen Pläne um die Stadt wieder aufzubauen, was nach nur drei Jahren verwirklicht wurde. 

Die letzte legale Hexenhinrichtung, welche europaweit Empörung hervorrief fand ebenfalls in Glarus statt. Anna Göldi wurde im Jahre 1782 der Hexerei beschuldigt und hingerichtet.

Bevor die Reise ihren Lauf nahm, kamen die kauftüchtigen Chormitglieder auf ihre Rechnung. Es wurden Glarnerspezialitäten wie Schabziger und Glarner Pastete eingekauft.

Martinsloch, Bergkulisse und Märchenwelt

Auf der Weiterfahrt wurden die Strassen immer enger, die Seelandschaften lagen hinter uns und die Weitsicht wechselte in ein immer enger werdendes Tal – die Gegensätze wurden sichtbar.

Sehen konnten wir es nicht, das bekannte Naturdenkmal „Martinsloch“, denn der Nebel gab es nicht Preis. Dennoch wurde es allen klar, wir waren im idyllischen Dörfchen Elm angekommen, da wo wir unseren spürbaren Hunger stillen konnten.

Nach dem gemütlichen Akt hatten wir Zeit uns diesen nostalgischen Ort genauer anzuschauen. In diesem hintersten Dorf des Sernftals, gruppiert sich rund um die spätgotische Kirche der besonders schöne Dorfkern mit zahlreichen unter Denkmalschutz stehenden Häusern. Umgeben von einer zum Teil sichtbaren Bergkulisse der Glarner Berggipfel fühlte man sich wie in einer verzauberten und zeitlosen Märchenwelt.

Dass es aber nicht immer so war, zeigte uns der anschliessend Besuch in der Schiefertafelfabrik.

Schiefer – das schwarze Gold des Sernftales

Der Rundgang durch die Schiefertafelfabrik zeigte uns die noch funktionstüchtigen Maschinen mit welchen man ab 1898 Schreib- und Jasstafeln herstellte. Der Rundgangführer, selber ein Nachkomme der Gründerbrüder Schenker, wusste mit viel Witz, Humor und kleinen Anekdoten die aufwändige und harte Arbeit seiner Vorfahren zu erzählen und uns näher zu bringen.

Die Geschichte Rund um den Schieferabbau zeigte uns eine düstere und tragische Seite. Seit 1861 wurde Schiefer unsachgemäss abgebaut und führte am 11. September 1881 (135 Jahre vor der World Trade Center Tragödie!) zum Bergsturz von Elm, der in drei Schüben 114 Menschen, 83 Gebäude und 90 Hektaren Land begrub sowie das Schieferbergwerk vernichtete.

Nach so vielen Informationen tat es gut, einige Schritte zu gehen. Am Wegrand bekamen wir die Möglichkeit einen „Danke-Stein“ mit zunehmen. Jeder hatte seine guten und persönlichen Gründe um zu „Danken“ und somit nahm der eine oder andere dieses Angebot wahr.

Luxuriöser Abschluss

Um nochmals Gegensätze zu erfahren gab es auf der Heimreise einen letzten Halt in Rapperswil-Jona. Im reich geschmückten und luxuriösen Restaurant „Rathaus“ genossen wir die letzte Kaffeepause mit einem leckeren und kalorienreichen Stück Torte.

Auf der Heimreise war es still im Car. Vieles durften wir erfahren, Neues entdecken und kennen lernen, austauschen und das Zusammensein geniessen.

Den „Dank-Stein“ widmen wir Daniel Meier, er hat uns diesen wunderbaren Tag ermöglicht. Dafür sagen wir ihm einfach „Danke“!