Kaiseraugst

Mozart in der Kirche Kaiseraugst – ein Hauch von Ewigkeit

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Mozarts Musik vermag auch heute im 21. Jahrhundert noch zu begeistern. Das beweisen die zahlreichen Inszenierungen und Neueinspielungen seiner Werke. Ein reines Mozartprogramm im Rahmen der Konzerte zu St. Gallus und Othmar zu präsentieren, scheint auf den ersten Blick also ein sicherer Wert zu sein. Nur, seine Musik verlangt viel Fingerspitzengefühl, damit sie nicht als kitschiger Einheitsbrei daherkommt. Ein reines Mozartprogramm mit einem Laienchor zur Aufführung zu bringen, das ist ein gewagtes Unterfangen. Doch VOX RAURICA, Chor der katholischen Kirche Kaiseraugst, und die Camerata Basel, beide unter der Leitung von Angelika Hirsch, bürgen für Qualität.

Dementsprechend vermochte das Konzert vom 16. November 2014 in jeder Hinsicht zu überzeugen. Das Programm begann mit zwei Motetten für vierstimmigen Chor und Orchester: Inter natos mulierum (KV 72) und Sancta Maria, Mater Dei (KV 273). VOX RAURICA bestach von Beginn an durch nuancenreichen Gesang und den ausgesprochen homogenen Klang. Dies ist nicht selbstverständlich, zumal der Chor für dieses Konzert seine Reihen geöffnet und Gastsängerinnen und Gastsänger eingeladen hatte. Durch die zwar kurze, aber intensive Probenarbeit konnten sich die neuen Stimmen wunderbar in den bereits bestehenden Klangkörper einfügen. Ein gelungenes Experiment!

Exsultate, jubilate (KV 165), eine Motette für Solosopran und Orchester, stand als Drittes auf dem Programm. Die Solistin Ulla Westvik steigerte sich von Satz zu Satz zur Höchstform. Im bekannten „Alleluja“ zum Schluss konnte sie die elegante Brillanz ihrer Stimme voll zur Geltung bringen, was das Publikum mit spontanem Applaus dankte. Im folgenden Stück, dem beliebten Laudate Dominum (KV 339,5) aus den Vesperae solennes de Confessore, stellte sie ihr Können abermals wirkungsvoll unter Beweis. Atemberaubend schön war der empfindsam weiche Einsatz des Chores, welcher die Solostimme sanft zu begleiteten vermochte. Die daraus entstehende innige und andächtige Stimmung verzauberte das Publikum. Ein glückseliger Moment.

Letzter Programmpunkt bildete die festliche Missa in C, besser bekannt als Krönungsmesse (KV 317): Vertonung des Ordinariums der Messe für Soli, vierstimmigen Chor und Orchester: ein fulminanter Abschluss des Konzerts. Zur Sopranistin Ulla Westvik gesellten sich nun drei weitere Solisten: Christina Metz (Mezzosopran), Jakob Pilgram (Tenor) und Santiago Garzón (Bass). Die Klangfarben ihrer Stimmen harmonierten perfekt, was ihre stilsicher gestalteten Soloparts zu einem wahren Ohrenschmaus werden liess. Bei diesem Werk bewies VOX RAURICA ein weiteres Mal, wozu Laienchöre unter kompetenter Leitung in der Lage sein können. Die Diktion war deutlich und das konsequente Phrasieren und Akzentuieren machte die Dynamik der Musik verständlich und erlebbar. Sogar forsche Tempi wie beim Gloria nahm der Chor mit Leichtigkeit auf.

Ein besonderes Lob gebührt aber dem Orchester. Die Camerata Basel mit Peter Barczi als Konzertmeister brillierte mit Präzision, Eleganz und Virtuosität. Da wurde mit dem ganze Körper kommuniziert und trotz höchster Konzentration strahlte das ganze Orchester Freude und Begeisterung aus. Chor und Solisten wurden förmlich auf Händen getragen. Die Dirigentin Angelika Hirsch darf stolz sein auf das Resultat ihres unermüdlichen Einsatzes. Ihre hohe Professionalität und ihr emotionales Engagement für die Sache haben ein Konzert in dieser Form erst möglich gemacht.

Das Publikum war begeistert. Es erhob sich von den Stühlen und Bänken und spendete langanhaltenden Beifall. Als Zugabe wurde nochmals das Gloria gegeben. Mit diesen beschwingten Klängen endete das denkwürdige Konzert. Es ist zu hoffen, dass noch viele in dieser Art stattfinden werden. Hochwertige Konzerte ausserhalb der etablierten Institutionen können nur mit dem entsprechenden finanziellen Rückhalt stattfinden. In Kaiseraugst ist dies Dank des Patronats der römisch-katholischen Kirchgemeinde Kaiseraugst und der grosszügigen Unterstützung der Ortsbürgergemeinde möglich. Herzlichen Dank!

Peter X. Bürgisser, Kaiseraugst

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