Am vergangenen Sonntagabend war weihnächtlicher Glanz in der reformierten Kirche Gränichen noch immer spürbar. Einer guten Tradition folgend erfüllte ein sehr zahlreich erschienenes Publikum den Kirchenraum und wurde Zeuge eines aussergewöhnlichen und glanzvollen Neujahrkonzertes mit der mehrfach ausgezeichneten, jungen Sopranistin Maria C. Schmid und einem namhaften Instrumentalensemble des Orchesters der Oper Zürich: Der Geiger Keisuke Okasaki wirkt dort seit 2009 als Konzertmeister und war Gewinner des ARD -Wettbewerbes, die Cellistin Akiko Kanamaru ist seit vielen Jahren Solocellistin daselbst und der Cellist Christof Mohr widmet sich neben seiner Orchestertätigkeit an der Oper Zürich der barocken Aufführungspraxis. Der Pianist Karl-Andreas Kolly übt eine rege Solistentätigkeit aus und ist Professor an der Zürcher Hochschule der Künste.
Von innigem Klang zur Virtuosität
Das Celloduo Kanamaru-Mohr eröffnete das Konzert mit dem Duo G-Dur für Bariton und Violoncello von Josef Haydn. Das einleitende Adagio erklang in wunderbarer Innigkeit, frei jeglicher Spannung, das Menuett tänzerisch, mit einer die klassische Form bewahrenden Intensität im Minore, das Finale schliesslich mit begeisternder Virtuosität, hier war die Nähe zur Oper spürbar.
Strahlende Kraft
Maria C. Schmid zeigte in einer Auswahl schottischer und walisischer Lieder von Haydn und Beethoven eine breite Palette ihres leuchtenden Sopranes. Haydn wahrt selbst in der Pilger-Ballade den klassischen Erzählton. Dennoch wurde das Leiden des Wanderers dank expressiver Diktion der Sopranistin ergreifend spürbar. Wie anders erklangen in der Folge die beethovenschen Bearbeitungen! Da sprang der Humor förmlich hin zum Publikum (the cottage maid) und tiefe Expressivität sprach aus den folgenden Liedern (dim, dim is my eye). Maria C. Schmids Stimme bestach hier in der tieferen Lage mit einer besonderen Intensität. Das Klaviertrio mit dem Geiger Keisuke Okazaki, der Cellistin Akiko Kanamaru und dem Pianisten Karl-Andreas Kolly begleitete mit viel Feingefühl, ohne jemals dominant aufzutreten.
Hochkarätige Instrumentalisten
Leise Trauer war in der Sicilienne der Wienerin Maria Theresia von Paradis hörbar. Ergreifend schlicht und in urpersönlicher Tongebung wurde sie von Akiko Kanamaru vorgetragen. Zum glanzvollen Schluss erklang das Klaviertrio G-Dur des jungen Debussy. Keisuke Okasaki, Christof Mohr und Karl-Andreas Kolly gestalteten bravourös: sie begeisterten mit packendem motivischem Aufbau im ersten Satz, mit viel Charakter im Scherzo, Expressivität im Andante und vor allem mit ungestüm jugendlichem Drang im Finale. Ein restlos aufgewärmtes, dankbares Publikum liess das Konzert am Ende bei einem Glas Glühwein vor der Kirche nachwirken: Ein herzliches Prosit zum Neuen Jahr!