Rudolfstetten (Rudolfstetten-Friedlisberg)

Männerchor Rudolfstetten-Friedlisberg auf 2-Tagesreise

megaphoneaus Rudolfstetten (Rudolfstetten-Friedlisberg)Rudolfstetten (Rudolfstetten-Friedlisberg)

Reise vom 21. August 2010

Nach dem längsten Herbst und dem kältesten Winter seid mindestens ..... wenn nicht noch mehr Jahren, wird es nun Zeit an das schönste Wochenende des letzten Jahres zu denken. Denn ein Reisebericht aus wärmern Tagen zu schreiben ist besser als sich da draussen Frostbeulen beim Schneeschippen zu holen.
In Gedanken drifte ich also bis zum 21. August 2010 zurück, als wir, die beiden Männerchöre, Rudolfstetten-Friedlisberg und Bergdietikon, uns Frühmorgens trafen. Dort wo alles begann am Bahnhof Rudolfstetten. Da wir diesmal ohne unsere Frauen unterwegs waren und uns zur Begrüssung nicht küssen mussten, stand einer pünktlichen Abfahrt um 06:45 Uhr nichts mehr im Wege.
Weil wir von einem herrlichen roten Sonnenaufgang begrüßt wurden, wussten wir das es eine angenehme Reise werden würde.
Schon bald zogen draussen Nebelschwaden auf, die uns bewusstmachten, dass der Herbst seinen Einzug halten wollte. Inzwischen nehmen wir die Sonne nur noch als helle Scheibe über dem Horizont wahr. Am Strassenrand sah man die ersten Kürbisstände. Orte wie Schluttingen, Watalingen zogen schon bald an uns vorbei.
Um 07:45 Uhr erfolgte die erste Überquerung des Rheins und fünf Minuten später die Ankunft in Stein am Rhein, beim Untertor im Blauburgunderland.
Es sah so aus als wäre das Städtchen wegen uns geschlossen worden. Keine Menschenseele weit und breit. Doch dann stellte sich heraus dass wir einfach Frühaufsteher waren und fast alle noch schliefen; ausser unsere Führer die dort zu uns stiessen.
Frau Genevriève Roth führte unsere Gruppe, mit ihrem eigenen franz. Akzent durch das 3200 Einwohner zählende Städtchen, das 1007 dank dem Kloster, die Markt und Stadtrechte erhielt. Dabei erfuhren wir viel wissenswertes.
Z.B. das die Bewohner der Stadtmauern bis zum 30jährigen Krieg weniger Steuern bezahlen durften, dies aber evtl. mit ihrem Leben, ausgleichen mussten, da sie ja die ersten waren die davon erfuhren. Und diese Exklusivität kostete sie ihr Leben.
In neuerer Zeit, fiel am 22. Februar 1945 im Bereich dieser Stadtmauer Irrtümlich eine Bombe und löschte 9 Leben aus. Trotz modernster Illumination und keinem Steuererlass, mussten alle neun den vollen Preis bezahlen. Die Schäden an der Mauer übernahmen ein Jahr später die USA.

Da der Drache das Symbol dieser Stadt ist hat jedes Haus hat hier seinen eigenen. Ob als Abflussrohr welche allen möglichen Unrat auf die Strasse speien, od. als Bild an der Fassade des Hauses, gemalt oder geschnitzt.
Beim Stichwort Hausdrachen erwähnte Frau Roth ganz nebenbei, dass die Emanzipation der Frauen im Mittelalter damit begann, dass sie sich selbständig eine Pfeife anzünden durften. Unseretwegen hätten sie sich nicht emanzipieren brauchen und über ein Pfeife schaut man grosszügig hinweg.
Zu Fuss ging es weiter Richtung Schifflände ins Rest. Badstube wo uns eine hübsche, schlanke Serviertochter, ein Schinkensandwich mit Kaffee servierte. (Schön knusprig und frisch) das Sandwich.
Um 9:46 Uhr, fuhren wir ab Richtung Überlinger See wo die Insel Mainau liegt, unserem nächsten Ziel und fuhren an den Ufern des Schwäbischen Meeres entlang wo schon einige Segelboote im immer stärker werdenden Nebel über den See zu kreuzen versuchten.

Der Nebel wurde immer dichter, so dass die Sicht in Höhe Berlingen so stark eingeschränkt ist, dass die Sonne nur noch als fahle Scheibe im Nebel zu erkennen war.
So gegen 11:00 Uhr fuhren wir weiter und überquerten vier Minuten später zum zweiten Mal den Rhein. Die Landschaft veränderte sich, die Strassen wurden breiter, die Menschen weniger und das Benzin teurer.
Die eineinhalb Stunde dauernde Führung um die Insel war geprägt von vielen Düften und Farben, sowie der Temperatur die auf fast 30 Grad stieg.
Etwas Erfrischung versprach nur die italienischen Wassertreppe die uns wenigstens optische etwas Abkühlte. Doch waren wir uns angesichts der Hitze einig: Lieber ein Münchner Biergarten als eine italienische Wassertreppe.
Diese Treppe wurde wie auch die meisten Änderungen auf der Insel, von Leonard Graf Bernadotte initiiert, der es sich nicht nehmen liess das eigene » Badewasser «, zu trinken um zu demonstrieren, dass das Wasser des Bodensees dank seiner Bemühungen wieder trinkbar sei.
Dazu lud er einige Reporter ein, nahm ein Bad im See und trank danach demonstrativ; eben ein Glas Badewasser.
Wie oft uns Graf Bernadotts Name von Frau Stahl um die Ohren geschlagen wurde habe ich vergessen mitzuzählen, fast schien es mir als hätte er diese Insel eigenhändig aufgeschüttet, so oft war von ihm die Rede.
Jetzt war es an der Zeit das Mittagessen im Rest Comturey, wo wir mit 25 Min. Verspätung eintrafen, zu geniessen. Der alte Gewölbekeller, in dem ein 20'000 Liter Fass des fast vergessenen Deutschritterordens aufgestellt war, wurde von mindestens drei Reisegruppen beansprucht.
Da jedoch nicht wir auf das Essen, sondern das Essen auf uns warten musste, ging nun alles ziemlich schnell. Es gab; Züricher Geschnetzeltes mit Mischgemüse und Spätzle. Da Hunger sowieso der beste Koch ist, war alles Delikat.
Nach dem Mittagessen sangen wir mit einem zufällig anwesenden gemischtem Chor, aus der Traube in die Tonne, gefolgt von der Zecherweisheit an. Wir packten anschliessend noch den Silloballe Blues obendrauf und schlossen gemeinsam mit dem Lied » Freundschaft« . Unser Dirigent Werner L. war zwar nicht mit jedem Ton zufrieden, doch stimmten ihn ein, zwei Bierchen Milde.
Jetzt aber Dalli, Dalli, in 6 Min. fährt unser Schiff! Nach dieser Darbietung verliessen wir Fluchtartig den Gewölbekeller und »enterten« keine Minute zu früh, im Laufschritt die »München« welche uns in 20 Min. nach Mersburg fuhr.
Dort angekommen wechselten wir den Quai um zur, »Vorarlberg« zu gelangen und nur Dank einer guten Organisation und dem mehrmaligen zählen aller »Schäfchen« gelang es Bruno S. alle fristgerecht zu verladen. Auf dem Oberdeck, welches nur für uns reserviert war, überraschte uns Peter H. mit einem Glas, »Prosecco Valmerone,
Beiläufig erzählte er uns einiges wissenswertes über die Geschichte des Bodensees. Davon blieben mir nur noch die Eroberungen mit Schwert und Kreuz, Armut und Pestilenz, Verwüstung während des Dreissigjährigen Krieges, wiederaufbau mit Kirchen und Klöster und neuerliche Zerstörung von Friedrichshafen durch die Alliirten in Erinnerung.

Im wiederaufgebauten Friedrichshafen angekommen, teilten wir uns in zwei Gruppen auf und liessen uns die Zahlen und Daten des Zeppelinführers um die Ohren schlagen. Sehr interessant und auch kurzweilig!
Beim anschliessenden Umtrunk in einem der vielen Gartenrestaurants, verirrten sich die meisten von uns an der falschen »Tränke« und Schäfer Peter verlor kurzfristig die Übersicht über die seinen. Er versuchte noch uns zusammen zu treiben, hatte aber kein Glück da es immer schwierig ist, Tiere von ihrer Tränke wegzutreiben, wenn sie ihren Durst noch nicht gelöscht haben.
Als wir alles ausgetrunken hatten, waren wir anschliessend ziemlich guter Laune auf dem Weg zu unserem Car, wo wir uns erschöpft aber zufrieden in die Polster sinken liessen, froh, dass wir nach dem selber trinken nicht auch noch selber fahren mussten.
Mit 15 Min. Verspätung, im ziemlich engen Zeitplan, fuhren wir dann Richtung unserem letzten Etappenziel los.

Ravensburg:
Geduscht und gefönt trafen wir uns im Garten des Hotels um mit den inzwischen Eingetroffenen Sängern des Eschacher Männerchores um gemeinsam einen Apperitiv zu trinken.
Bevor wir uns weitere Lieder aus unseren Repertoires zu besten gaben, befeuchteten wir ausgiebig unsere schon wieder trockengelegten Kehlen und sangen aus denselben unser Trinkspruch, gefolgt von einigen Lieder über Freundschaft, die Weisheit der Zecher und das die Musik hochleben soll.
Um ca. 19:00 Uhr nahmen wir dann alle unsere Plätze im Saal ein.
Auf Wunsch der Reiseführung vermischten sich die beiden Chöre im Saal auf dass wir uns besser kennenlernen sollten.
Die Speisenkarte auf den Tischen liessen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Da war ein gemischter Salat mit Marktfrischen Salaten als Vorspeise aufgeführt, gefolgt vom schwäbischen Zwiebelrostbraten mit Hausgemachten Spätzle und zum Dessert, Apfelküchlein im Bierteig, gebacken mit Bourbon-Vanilleeis.
Durch diese Speisenfolge etwas Melancholisch geworden, es war nicht alles so Marktfrisch wie angepriesen, sangen wir anschliessend den Bajazzo und kredenzten danach allen anwesenden Einheimischen einen ordentliche Flasche Rotwein aus der Schweiz mit dem Wappen unseres Vereins und einer Erinnerungstafel. Auf dass sie nicht vergessen wie ein Guter Wein schmecken tut und nahmen Ihnen das Versprechen eines Gegenseitigen Besuches ab.
Die anschliessenden Gesangsvorträge waren in Relation zu unserem Alkoholkonsum, von Leicht beschwipst bis zu schwer getragen erkennbar aber deshalb nicht minder herzlich.
Kaum war der letzte Teller leer, waren die ersten auch schon auf den Beinen um einen Abstecher in die Stadt od. in die Heia zu machen.
Als wir dann alle im Land des Vergessens waren, war dieser Tag für uns gelaufen.

2.Tag

Morgens stand das Frühstück schon ab 08:00 Uhr bereit. Da unmittelbar danach die Stadtführung und anschliessend das fakultative Mittagessen geplant war, packten wir unsere Koffer und verluden sie zuvor um anschliessend zügig heimzufahren. Aus demselben Grund wollte der Chauffeur schon mal den Car im etwas engen Hinterhof wenden um abfahrbereit zu sein. Frei nach dem Motto: »Freddy ist ready.«

Doch leider hielt die eine Scheibe diesem Manöver nicht stand. Ein ca. 50 mm dickes Rohr ragte, vegetativ verhüllt, wenige cm in Freddy's Wendeplatz hinein und zertrümmerte mit einem Schussähnlichen Knall Freddy's Scheibe.
Da eine Scheibe dieser Grösse ist nicht einfach auftreiben war, organisierte er kurzerhand einige alte Weinkartons, etwas Klebeband und wir versuchten mehr Schlecht als Recht das entstandenen Loch damit zu schliessen.

Als nach einer Stunde die ersten von der Führung zu uns stiessen und ich sie fragte was sie über die Geschichte der Stadt gelernt hätten, erhielt ich allerdings zur Antwort, dass damals nur gekämpft, geschossen, gemordet, gebrandschatzt und vergewaltigt worden war. Zum Glück war ich nicht dabei, damals, bei der Führung. Die Aussentemperatur, die wir jetzt dank unserem Provisorium auch drinnen messen können, betrug 26° C und der Fahrtwind riss die Abdeckung langsam aus ihrer Verklebung. Bevor die Kartons sich ihn Luft auflösen wird Guido W. dazu aufgefordert, ein zusätzliches Loch in die Kartons zu machen damit er einen Finger seiner Wahl oder durchstecken und somit das Provisorium sichern könnte.
Auf einer Autobahnraststätte besserte Helmut R. notdürftig nach und fuhren anschliessend über das Algäu, via Lindau, Feldkirch nach Walenstadt ins Hotel Seehof.

Bei einer herrliche Aussicht auf den Walensee, mit einer malerischen Spiegelung im Wasser und an einer ehrfurchtsgebietenden Bergkette erfreuten, wir uns an einem Salat, Pouletgeschnetzeltem mit Currysauce und Reis mit anschliessendem Coupe Colonel.
Nach einem Verdauungsspaziergang am See bestiegen wir alle wieder den Car. Da Roland Z. noch von den Nachwehen der letzten Nacht gezeichnet, genau auf Höhe des Provisoriums stolperte und sich zwecks Erhaltung des Gleichgewichts an irgendwo festzuhalten versuchte, mussten wir Helmuts Provisorium, provisorisch befestigen um den letzten Teil unserer Reise unter die Räder zu nehmen.

Nach knapp 1 ½ Std. kommen wir bei 23° C dort an wo alles begann, in Rudolfstetten wo wir uns müde aber zufrieden verabschiedeten um jeder seines Weges zu gehen.

Nämlich Nach Hause.


Markus Egert

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