Aarau

Leseung mit Peter Weingartner in der Stadbibliothek Aarau

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Luft und Liebe

Gut über ein halbes Hundert an Zuhörern fanden sich an diesem kalten März-Abend ziwschen den Bücherregalen im Keller der Aarauer Stadtbibliothek zusammen. Erwartungsvoll sind die Gesichter des Publikums in den dicht gedrängten Reihen, vergessen der Frost vor der Haustüre. Schon vor dem Beginn der Lesung verbreitet sich eine ausgesprochen intime Atmosphäre im ehrwürdigen Gewölberaum.

Gleich zur Begrüssung riet Autor Peter Weingartner den Anwesenden, sich nicht mit Zwischenapplaus bemerkbar zu machen. War doch der Ablauf des Abends mit den musikalischen Einlagen der Aarauer Schwyzerörgeli Fründe präzise abgesprochen und geplant!

Eng umrahmt von Zuhörern und Musikanten startet der in Triengen lebende Sekundarlehrer, Journalist und Verfasser von zahlreichen Hörspielen und Theaterstücken den Abend mit einer bloss sechszeiligen Fabel vom Schwein auf der Fahrt zum Schlachthaus; da setzen auch schon die Volksmusikanten ein mit ihren Schwyzerörgeli und Klarinetten, begleitet von tief klingenden Instrumenten wie Fagott, Streichbass oder Tuba und lassen den traditionellen Bündner Titel „La storta da Crusch" erklingen.

Peter Weingartner verliest kunterbunt aus seinen beiden Bändchen „Stühle im Zug" und „Der Lichtermann" eine vielfältige Auswahl von Kurz- und Kürzestgeschichten über den helvetischen Provinzalltag und seine oft skurrilen Randfiguren in einem ebensochen Umfeld. Die Unbill des Lebens, die Tragik und Lächerlichkeit menschlichen Seins, die Eitelkeit, die Einsamkeit, das beschwerliche Streben nach Vollendung und Rechtschaffenheit sind seine Themen. Aber nie kommt in seinen Texten Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung auf. Sein feiner Humor, der sich zwischen den Zeilen und in den Wortpausen verschmitzt einnistet, bringt Zuversicht und Vertrauen. Man beginnt seine Menschen und ihr Leben zu verstehen und sich mit ihnen gar zu identifizieren.

Die einfachen, zwischen die Texte eingeschobenen Volksmelodien der Aarauer Schwyzerörgeli Fründe lassen den Hörern Zeit zur Reflexion und Enspannung. Sie werden aber bald wieder zurückgeholt ins Geschehen, wenn die Musikanten mit verschiedensten Rhythmusinstrumenten Akzente setzen oder gar mit schräg klingenden Einlagen die Aufmerksamkeit aller Ohren neu erheischen.

Nach einer schönen Stunde endet das farbige Mosaik der rhetorischen und musikalischen Vorträge und ein vergnügt schmunzelndes Publikum spendet begeistert seinen grossen Applaus, den es so lange zurückhalten musste! (ume)

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