Würenlos

Lebenspraktische, naturnahe Ausbildung

megaphoneLeserbeitrag aus WürenlosWürenlos
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Abschlussfeier an der Bäuerinnenschule Kloster Fahr

Die Bäuerinnenschule im Kloster Fahr ist auch 65 Jahre nach ihrer Gründung im Trend: So durften an der Abschlussfeier des Herbstkurses 2008/09 letzten Freitag vierundzwanzig Frauen aus acht verschiedenen Deutschschweizer Kantonen nach intensiver Ausbildung ihre verdienten Abschlusszertifikate in Empfang nehmen. Unter den rund 120 Gästen - Angehörige, Freunde, Lehrerschaft und Schwestern des Konvents - waren auch Abt Martin Werlen aus dem Kloster Einsiedeln sowie Regierungsrat Dr. Anton Schwingruber, der den Gastkanton Luzern zusammen mit einer Delegation des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes vertrat. Der Kanton Luzern stellt seit Jahren die meisten Absolventinnen in den beliebten Semesterkursen. Kurzfristig sind für den Frühlingsurkurs - Start am 25. Februar 2009 - noch zwei Ausbildungsplätze frei.

«Gott gibt uns Nüsse, aber er knackt sie nicht auf.» Dieses Goethe-Zitat stand als Motto über dem Herbst-/Winterkurs der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Vollzeitausbildung im Kloster Fahr. Die Schulleiterin Theres von Aarburg nahm den Kursspruch als Basis für ihren Rückblick: «Ihr Kursteilnehmerinnen habt in den vergangenen zwanzig Wochen Nüsse zu knacken gehabt. Für die einen von euch waren es vielleicht die Ausdauer und das Durchhalten von randvollen Schultagen, das Verarbeiten von immer wieder neuem Lernstoff-Knacknüsse, für andere die Frage, wo und wie es nach dem halben Jahr im Fahr weitergehen soll.» Gott gebe aber auch immer wieder Nüsse zum Knacken als Chancen, «zu einem Kern zu gelangen - zu etwas Wesentlichem, Reichhaltigem, Nahrhaftem. Aber wir müssen etwas dafür tun!» Sie ging auch der Frage nach, was denn diese Schule im Fahr so speziell mache; ob es die Schulfächer seien, die vom Essen, Haushalten, Wohnen, der Gesundheit, dem Pflanzen und Ernten im Garten, der Sorge um Tiere handeln, aber sich auch mit Themen wie Buchhaltung, Recht und Betriebslehre befassen - um lebenspraktische und naturnahe Themen eben. Als einzigartig erwähnte Theres von Aarburg die unmittelbare Nähe der Schule zum Kloster: «Sicher kann ich sagen, dass die Nähe zum Kloster und zu den Schwestern die Schule einzigartig macht. Hier kommt eine zusätzliche Dimension von Spiritualität zum Tragen, von Fragen nach dem Lebenssinn und von Begegnungen mit den Schwestern auch.»

Dank an den Kanton Luzern
Die Priorin des Klosters Fahr, Irene Gassmann, attestierte Nüssen etwas Gemeinsames: «Sie haben eine harte Schale. Das Öffnen der Nüsse ist mühsam und schwierig. Ja, man muss sie knacken. Nur wer im Innern der Nuss einen gesunden, fruchtbaren Kern erwartet, wird sich diese Mühe nehmen. Das gilt auch für die Nüsse, die uns im Leben gegeben werden: Herausforderungen packen wir leichter und motivierter an, wenn wir dabei Gutes erwarten.» Nüsse zu knacken gelte es auch als Verantwortliche einer Schule. «Eine grosse Herausforderung ist für uns als private, vom Bundesamt für Bildung und Technologie (BBT) anerkannte Fachschule die finanzielle Situation. Da der Bund seit kurzem die Subventionen nicht mehr direkt an die Schulen leistet, sondern diese Gelder an die Kantone fliessen, sind wir auf diese Kantonsbeiträge angewiesen. Das sind auch für unsere Schule ‹harte Nüsse›.» Mit Freude und Dankbarkeit meinte die Ordensfrau weiter: «Heute ist es soweit - die ‹harte Nuss Luzern› liess sich knacken. Der Kanton Luzern zahlt seit diesem Kurs für alle Luzernerinnen Kantonsbeiträge gemäss der interkantonalen Fachschulvereinbarung (FSV). Ich danke Herrn Regierungsrat Dr. Anton Schwingruber herzlich für seine Bemühungen, die diese Zusage möglich gemacht haben. Für mich als Luzernerin ist es eine besondere Freude, dass mein Heimatkanton die Ausbildung im Kloster Fahr anerkennt und unterstützt.» Die Statistik der letzten acht Semesterkurse zeige, so die Priorin, dass der Kanton Luzern mit 37 Absolventinnen die Spitze klar anführe, gefolgt vom Kanton Schwyz mit 28 und Aargau mit 27 Teilnehmerinnen. Dem Dank an den Kanton Luzern für die finanzielle Unterstützung schloss sich auch der Abt des Doppelklosters Einsiedeln und Fahr an: «Dass Sie Herr Regierungsrat Dr. Schwingruber persönlich ins Fahr gekommen sind, werte ich als starkes Zeichen für das Interesse Ihres Kantons an der Ausbildung junger Menschen. Ich weiss das sehr zu schätzen.» Den Absolventinnen gratulierte er und wünschte ihnen Gottes Segen.

Kompetenzen erhalten
Der Luzerner Bildungs- und Kulturdirektor, Regierungsrat Dr. Anton Schwingruber, gratulierte den jungen Bäuerinnen ebenfalls zu ihrem Erfolg. Sie hätten in diesen Wochen eine Menge SMS erhalten: Sachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz - so im Bereich der Sachkompetenz eine Menge Wissen. Im Bereich der Methodenkompetenz hätten sie gelernt, Wissen auszuwählen, damit umzugehen und künftig schneller und einfacher zu finden. Ganz speziell aber sei während dieser Ausbildung die Sozialkompetenz gefördert worden. «Wie gehen wir mit einander um? Wie gehe ich mit mir selber um? Das ist doch für uns alle entscheidend. Sie werden von diesen SMS aus dem Kloster Fahr noch lange profitieren können.» In seinen humorvoll vorgetragenen Worten gestand er auch, «dass ich mich nicht traute, ins Fahr zu kommen, weil wir vom Kanton Luzern nie an die Schule zahlten. Nun bin ich froh, dass wir mit der interkantonalen Fachschulvereinbarung die Beiträge an die Bäuerinnenschule im Kloster Fahr leisten. Ich meine, das Geld ist hier gut angelegt!»

Netzwerke nutzen
Claudia Bucher, Präsidentin der Kommission «Bäuerinnen» im Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband bedankte sich für die Einladung zur Abschlussfeier: «Fahr ist eine Schule, die den Veränderungen getrotzt hat, welche die Ausbildung als Semesterkurs noch anbieten darf. Fast könnten wir im Kanton Luzern neidisch werden, haben wir doch keine eigentliche Bäuerinnenschule mehr. Das sind politische Entscheide, die wir akzeptieren müssen. Ich habe dies immer bedauert, bin aber sehr froh, dass wir eine sehr gut besuchte, modulare Ausbildung anbieten können.» Sie ermunterte die Kursteilnehmerinnen, den Fachausweis «Bäuerin» zu erwerben, später Kurse und Weiterbildungen zu besuchen. «Ganz besonders wichtig ist, dass Sie den Kontakt zu Berufskolleginnen suchen und pflegen. Gegenseitig können wir Bäuerinnen einander unterstützten und tragen. Dieses wichtige Netzwerk gibt uns Halt, Zuversicht und oft auch einen guten Ratschlag - wie man eine harte Nuss knacken kann, beispielsweise!» Priorin Irene Gassmann und Theres von Aarburg übergaben den Absolventinnen - unter anderem einer Ärztin, einigen Lehrerinnen, Gärtnerinnen und einer Bauzeichnerin - die verdienten Zertifikate; 111 Prüfungen in zwölf Modulen wurden insgesamt abgelegt und alle mit Erfolg abgeschlossen.

Für Kurzentschlossene!
Im kommenden Frühlingskurs, der am 25. Februar 2009 beginnt, sind kurzfristig noch zwei Ausbildungsplätze frei. Auskunft und Anmeldung: Bäuerinnenschule Kloster Fahr, 8109 Kloster Fahr, Telefon 043 455 10 30 oder www.kloster-fahr.ch. (sbk)

Bildlegende: Ursina Bürgler, Bellikon, und Katharina Tischendorf, Aarau (von links).

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