In der Aula des Schulhauses Biberstein konnte ein zahlreiches Publikum ein Höllenspektakel der besonderen Art, in klein aber oho, geniessen.

Die Freiburger Puppenbühne mit Dr. Johannes Minuth war zu Gast. Der alte und immer wieder neue „Faust-Stoff hatte seine erste bedeutende literarische Dramatisierung bereits im 16. Jahrhundert. Das damalige Drama von Christopher Marlowe „Die tragische Geschichte vom schrecklichen Leben und Tod des Dr. Faustus“ wurde in der Form von Puppen-und Volksschauspielen in ganz Europa bekannt.

Der junge Goethe, dessen Name heute am Stichwort „Faust“ klebt wie ein Markenzeichen wurde auf diese Art beeindruckt „ Die bedeutende Puppenspielfabel klang und summte gar vielfältig in mir wieder.“

Die einmalige Soloinzenierung in Biberstein mit vielen Figuren, technischen Effekten und geträumten provokativen Schattenspielen für Erwachsene war ein einzigartiges anregend und nachdenklich machendes visuelles Mysterienspiel.

Die Zeiten haben sich geändert, ein uneheliches Kind ist heute keine Schande mehr.

Gretchen hätte einen Beruf, wäre längs von zu Hause ausgeflogen und unabhängig.

Auch das Konzentrat der überbrachten Geschichte: Reiferer gut situierter Mann mit Reputation und Einfluss wünscht noch einmal den Frühling ist heute häufig gekehrt.

So wäre in der Neuzeit „Faustin“ auch ein Titel.

Genügend Mittel und „Geschenke“ zur „Verführung“ ständen auch ohne Mephisto auf allen Seiten zur Verfügung.

 Die rasante Puppenshow, die das Denkmal deutscher Dichtkunst augenzwinkernd vom Sockel stiess, unterhielt bestens mit ihrer humorvollen Inszenierung mit originalgetreuen Texten.

Es war ein kurzweiliger Abend mit einem auf das Wesentliche reduzierten Inhalt, der sprachlich klar und spannend herübergebracht wurde

Ein Blick hinter die Kulissen mit Dr. Minuth war ein abschliessender Höhepunkt der von der Kulturkommission organisierten Veranstaltung.

Manfred Hesse