Es sind 9 Kursteilnehmer, die mitten im Sommer sich im Steinhauen ihre Kreativität zum Ausdruck bringen wollten. Die Einen machen es schon zum 2.und 3. mal bei Michel Veuve, die Anderen sind ganz unerfahren, aber zielbestrebt wollen sie sich mit einem Stein auseinandersetzen.
Am frühen Morgen schon stehen Arbeitsböcke, Instrumente und Steine zur Verfügung der Teilnehmer, sorgfältig von Michel auf dem Areal vor der Werkstatt unter freiem Himmel bereit gestellt, aber unter Schirm, falls es regnet oder die Sonne zu heiss wird.
Ja, ja die Steine mit ihrer magischen Kraft, sie liegen da in Blöcken: grau-grünlich, braun -gesteift und der weisse Alabaster. Für die Anfänger sind auf den Tischen Fotos, Bücher mit Mustern, oder kleine Modelle aus Ton vorbereitet. Aber, aber der Anziehungspunkt ist der Stein, von ihm, von seiner Grösse, seiner Form und Farbe hängt alles ab.
Schon liegt auf jedem Arbeitsbock ein Steinblock. Jetzt wird darauf gezeichnet mit Kreide, Bleistift. Der Bildhauer Veuve gibt Ratschläge, hilft in der Wahl der Proportionen. Und dann geht's an die Arbeit. Am Ende des ersten Tages liegt um jeden Arbeitsplatz ein grosser Haufen abgehauener Steinchen. Der Anfang ist geschafft.
Nicht immer klappt alles sofort. Bald da , bald dort verzieht sich eine Linie, die man ganz anders im Kopf hat. Dann muss der Meister zu Hilfe kommen. Mit seiner geschickten Hand und scharfem Bildhauerblick rundet er ab oder zieht die Linie gerade. Genau so wie man sich sie vorstellte. Schon hat das Stück ein Ansehen, eine Form, die eigentlich im Kopf des Teilnehmers war.
Behauen, abermals behauen musst du den Stein, das Wunderwerk aus der Natur genommen. Man kann drauf hauen, kratzen, schneiden, es soll ein Werk der Hände, der Ideen ganz verschiedener Menschen werden: Lehrer, Hausfrau, Arzt, Buchhalter, Rentner, Krankenschwester, technische Zeichnerin, ganz sicher werden ihre Werke auch verschieden aussehen.
Drei volle Arbeitstage, von neun bis siebzehn Uhr, mit Mittagspausen, Bedenkpausen, Beobachtungspausen, mit Hoch und Tief während der Arbeit. Drei Tage voller Anstrengung und Konzentration. Als Resultat das Werk, ein persönliches Kunstwerk eines jeden. Gestern noch war es nur ein Stein, heute ist es „mein Stein", in einer Form, geschliffen und gehauen mit „meinen" Händen, von „mir" gestaltet. So sagt und denkt es jeder Kursteilnehmer, stellt sich ganz stolz vor seine Arbeit und lässt sich verewigen im Foto, für immer und für alle.
Recht tun sie. Sie haben es verdient, im Schweisse ihrer Kreativität, durch Muskelkater in den Armen, Beinen, durch ihre Tätigkeit, die voller Selbsthingabe war. Aber auch Früchte brachte, Früchte zum Ansehen, Anfassen und zum Bewundern.
Drei kreative Tage - sie bleiben in Erinnerung für lange und für alle Teilnehmer dieser Dreitagegruppe.

Ilse Tichonow