Am 15. und 16. November trat die ArsCantandi in ihrem Konzert „Ein Spaziergang durch die Romantik" in Bremgarten und in Widen mit einem bunten Strauss geistlicher Musik auf. Was das für die einzelnen Mitwirkenden bedeutete, kann nur ermessen, wer während der Probenarbeit dabei war.

Das Konzert war für die Mitwirkenden und die Zuhörer ein grossartiges Erlebnis gefühlvoller Musik, die in einer Achterbahn der Emotionen ihren Ausdruck fand, typisch für die romantische Musik, die zwischen himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt wechselt. Das Publikum dankte den Mitwirkenden mit einer Standing Ovation.

Diesem Erfolg ging eine monatelange, intensive Probenarbeit voraus mit wöchentlichen Proben und einem Chorwochenende. Am Anfang dieser Probenarbeit stand ein bunter Haufen von teils erfahrenen, sehr geschulten bis wenig geübten und mit dem Notenlesen nicht so vertrauten SängerInnen. Diese gegensätzlichen Voraussetzungen unter einen Hut zu bringen und einen einheitlichen Klangkörper zu modellieren, war die Kunst der Dirigentin Elisabeth Kolar.

Diese Gegensätze im Chor waren vor allem zu Beginn der Probenarbeit spürbar. Vor dem Einüben der einzelnen Werke wurde durch ein rasches Übersingen der Stücke ein erster Eindruck der Musik vermittelt. Natürlich waren dabei viele Mitwirkenden überfordert. Einzelne romantische Ohrwürmer von Schubert oder Gounod schienen leicht lernbar, hingegen erschraken viele vor Stücken mit schrägen, disharmonischen Missklängen. Dieser Gegensatz von süsslich-einfach bis anspruchsvoll dissonant war besonders in den beiden Stücken des zeitgenössischen Komponisten John Rutter zu hören. Wurde sein Stück „O be joyfull in the Lord" geprobt, ging jedes Mal ein Aufseufzen durch die Reihen, da diese schwierigen Harmonien zunächst nur als Kakophonie erlebt wurden. Erstaunlicherweise hatten gegen Ende der Probenarbeit auch eingefleischte Harmoniebedürftige die Dissonanzen lieben gelernt, die sich ja immer wieder in weichen Klängen auflösten, auch wenn die letzten Töne dann wieder sehr schrill waren. Dies wurde durch die intensive Probenarbeit der Dirigentin ermöglicht, die Zweifel wie „Singen wir falsch, oder steht das so in den Noten?" ausräumte in dem sie bewusst den Chor auf den schrägsten Tönen ausharren liess und so mit diesen vertraut machte.

Stimm- und Gehörschulung war ein wichtiger Teil der Probenarbeit, wie zum Beispiel sängerische Tricks, die halfen, die ganz hohen oder ganz tiefen Töne entspannt singen zu lernen. Auch wenn das Publikum den gesungenen Text in der Regel selten ganz versteht, war auch eine gute präzise Aussprache ein Anliegen, um die Interpretation der Musik durch den Inhalt der Texte leiten zu lassen, wie etwa die Verzweiflung in „Leiden und Bedrängnis" von Rheinberger oder das Glück und die Freude im Gloria der Messe von Gounod oder den Trost, die Zuversicht und Gelassenheit auch im Unglück komponiert im Psalm 23 von Schubert.

Bewundernswert war die Leistung der Dirigentin, aus den sehr unterschiedlichen Individuen einen harmonischen, einheitlichen Klangkörper zu formen. Dank ihr, die als professionelle Musikerin und Musiklehrerin gepflegtes, anspruchsvolles Singen anstrebte und immer wieder an den Interpretationen herumfeilte, wurde der musikalische Ausdruck dem einzelnen Werk gerecht. Auch wenn hin und wieder nicht alles Gelernte dann in der Konzertsituation umgesetzt werden konnte, war der Gesamteindruck ergreifend und der Erfolg der Aufführungen liess alle früheren Zweifel und kritischen Stimmen verstummen. (Gca)