Wohlen

Konzert des Trio Fontane in der Kanti Wohlen

megaphoneLeserbeitrag aus WohlenWohlen

Musikalische Bilder

Start zur neuen Konzertreihe in der Kanti


Das Trio in C-Dur von Josef Haydn beginnt mit einem beschwingten, lüpfigen Auftakt. Das Piano gibt die Melodie vor, die Violine übernimmt das Motiv und das Cello untermalt samtig weich. Die Pianistin Andrea Wiesli spielt mit ihrem ganzen Körper, mit starker und zugleich zarter Mimik und mit viel Seele. Nicht nur Fröhlichkeit, auch Schalk blitzt aus ihren Augen. Wie kleine Wassertropfen perlen die Töne unter ihren Händen davon. Die Geigerin Nolle Grüebler spielt ernsthafter, immer sehr farbig und kontrastreich. Gekonnt setzt sie helle Glanzpunkte in den musikalischen Fluss. Mit Leichtigkeit, ja fast Selbstverständlichkeit fllhrt sie den Bogen über die Saiten. Der Violoncellist Jonas Kreienbühl legt mit Ruhe und Gelassenheit die tiefen Töne als Boden hin. Er versteht es meisterhaft, seinem bauchigen Instrument verschiedenste Tonhöhen zu entlocken. Das Schwelgen in der Tiefe kann er nicht verkneifen. Das ist Spielen, virtuos, luftig, leicht, mal auch mit etwas Erdenschwere untermalt. Eine junge Muse aus dem Hof von Esterhazy blinzelt da immer wieder frech zwischen den Melodien hindurch und hat hörbar diese drei jungen Menschen mit grossem Talent beschenkt. Es folgen zwei Stücke aus den "Vier Jahreszeiten" des argentinischen Komponisten Astor Piazolla. Schon im "Winter" erklingen neue, ungewohnte und doch liebliche Harmomen. Nicht nur die Streicher, auch das Klavier betritt hier ein neues Land. Wild, auch schwermütig zeigt sich diese Jahreszeit. Eine zu Herzen gehende Melodie des Violoncellos lässt aufhorchen. Die Geige übernimmt das Motiv, spielt eigenwillig und etwas traurig ihren Part und überzeugt mit einer klaren Linienfi)hrung. Lebhaftigkeit bringt das Klavier. Hoffen auf Aufbruch ist seine Botschaft. Der "Frühling" lässt Wasser und Erde erwachen. Da brodelt und gluckert es unter der gefrorenen Oberfläche. Die drei Instrumente verhelfen dem neuen Leben zum Durchbruch, manchmal etwas verhalten, doch immer voll Sehnsucht. Da brilliert das Violoncello. Sonne- und wärmedurchlässig ertönt die Geige. Nichts kann das Erwachen in der Natur aufhalten, das bekräftigt das Klavier. Nach der Pause ertönt das Klaviertrio in a-moll von Piotr 1. Tschaikowsky. Das Violoncello eröffnet mit einem Klagegesang, den die Geige und das Klavier übernehmen. Schon bald spielt jedes Instrument seine eigenen Weisen, doch alles in einem wunderschönen Zusammenspiel. Wie ein breiter, mächtiger Fluss zur Zeit der Schneeschmelze bahnt sich die Musik den Weg nach Norden, mal listig Hindernisse überwindend, mal kämpferische den Weg zum offenen Meer suchend. Das Klavier lässt die Wellen tanzen, die Geige lässt Wasserspritzer hochschnellen und das Violoncello trägt sicher den grossen, breiten Strom. Ihr melancholisches Motiv ist immer wieder zu hören. Geige und Klavier übernehmen diese Stimmung, variieren sie geschickt, mal ruhig, mal lebhaft, stets spannend. Da wird die russische Seele gezeigt, sehnsuchtsvoll, doch auch bauernschlau und mit beiden Füssen auf der Erde stehend. Ihre innere Spannung zeigt sich, wenn die Geige in den höchsten Tönen und das Violoncello in der tiefsten Lage daherkommen. Witzige Melodiefolgen spielt das Klavier, humorvoll zeigen Violoncello und Geige, dass sie mithalten können. Ein markanter Marsch kommt daher, gefolgt von einer Fuge, welche das Klavier beginnt. Alle drei Instrumente steigern sich zu einem fulminanten Höhepunkt. Der Fluss hat den Weg erkämpft, sein Ziel erreicht. Seine gewaltigen Wassermassen ergiessen sich ins offene Meer. Da zischt und kocht das Wasser, doch da wird auch ausgeruht und die kurze Helle des nördlichen Sommers genossen. Wie Fliegen schwirren die Pizzicati der Geige über die Wasserfläche. Feurig und überschäumend tönen die Schlussmotive und enden überraschend in einem zarten, fast schon andichtigen Moll. Das Publikum dankte mit einem langen und herzlichen Applaus. Als Zugabe ertönte etwas Heiteres, Beruhigendes. Es war "Aprs un r&ve" von Faur. Damit ging eine musikalische Sternstunde zu Ende. (Kbe)

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