Bereits über 50 zugelassene Medikamente beinhalten Nanopartikel. Sie gelten als neue Hoffnung für die Behandlung von Krebs und finden Verwendung in Wirkstoffen und Kontrastmitteln.

Im Hightech Zentrum Aargau wurde am letzten Wochenende über die Verwendung von Nanotechnologie im Gesundheitswesen gesprochen und diskutiert. Die erstklassigen Referenten wiesen auf die vielversprechende Nutzung hin und setzten für erfolgreiche Entwicklung der Nanotechnologie eine enge Zusammenarbeit von Forschung und Produktion voraus. 

Prof. Barbara Rothen von der Universität Fribourg und Prof. Falko Schlottig erklärten zunächst ihre Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung rund um Nanotechnologien. Um diese erfolgreich in der Medizin verwenden zu können, ist fundiertes Wissen über die Biologie des Menschen auf Zellebene wichtig. Heutzutage werden Nanopartikel bereits in der Diagnostik eingesetzt. So kann durch ein Kaugummi, der bei einer Entzündung im Mundraum Bitterstoffe freisetzt, frühzeitig erkannt werden, ob Zahnimplantate Beschwerden auslösen. Der Patient erfährt schnell, dass ein Besuch beim Zahnarzt notwendig ist. Knochenabbau und anderen Folgen kann so vorgebeugt werden.

Zur Herstellung von Medikamenten setzt die Industrie ebenfalls Nanotechnologien ein. Durch ein Gerät des Start-ups Nanolive SA ist es bereits möglich, lebende Zellen von Patienten sichtbar zu machen und in 3D Perspektive zu betrachten. Somit erschließen sich ganz neue Therapiemöglichkeiten und individuelle Behandlungsmaßnahmen können schneller und rentabler entworfen werden. Noch vor einer Weile waren solche Erkenntnisse undenkbar. 

Dr. Stelyan Tinkov und Prof. Stefan Mühlebach veranschaulichten die spezifischen Erfordernisse für eine erfolgreiche industrielle Herstellung der Arzneimittel, sodass neue Wirkstoffe schnell an die Patienten gelangen können. Dabei spielt die Marktzulassung eine entscheidende Rolle. Es sei besonders schwer, in Großproduktionen identische Nanopartikel herzustellen. Deshalb ist nicht absehbar, wann Medikamente, die auf Nanotechnologie basieren, auch in Apotheken erhältlich sein werden, das gilt auch für Nano Generika

Prof. Patrick Hunziker vom Universitätsspital Basel erklärt zum Schluss aus Sicht der Mediziner, dass zukünftig personalisierter behandelt werden soll. Da jeder Mensch sehr individuell auf Medikamente reagiert, sind Nanotechnologien ausschlaggebend für die Anpassung an den einzelnen Betroffenen. Industrie, Medizin und Forschung arbeiten eng zusammen, um für Patienten neue Therapien zu erschließen und ihnen zur Verfügung zu stellen. Dennoch ist auch die Auseinandersetzung mit den Grenzen der Medizin ein wesentlicher Bestandteil im Umgang mit neuartigen Nanotechnologin in Forschung, Diagnostik und Therapie.