Die jährliche Weiterbildungs-Weinreise, organisiert durch Präsident Plinio Colombo, führte die Mitglieder der Weinbaugenossenschaft Klingnau mit Partnerinnen am vergangenen Wochenende ins Tessin, wo zwei unterschiedliche Betriebe besucht wurden. Für die sichere und pünktliche Reise zeichnete Chauffeur Urs der Suter Carreisen von Würenlingen verantwortlich.
Bei schönstem Sonnenschein wurde der erste Kelterungsbetrieb, die Fattoria Moncucchetto auf dem gleichnamigen Hügel zwischen Lugano und Sorengo auf einer Höhe von 400 Metern über Meer liegend, in Augenschein genommen. Bei der vor zwei Jahren erneuerten und erweiterten Cantina handelt es sich um einen Bau von Mario Botta. Da stimmt jedes Detail, die Ästhetik ist perfekt und trotzdem ist alles funktional eingerichtet - ein Bijou, bei dem man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt! Auf dem Spaziergang durch den vier Hektare grossen Rebberg und über das dazugehörige Privatgrundstück sowie dem Rundgang durch den Keller berichtete die Besitzerin Lisetta Lucchini, dass dieses Anwesen seit 1918 in Privatbesitz ist und der Rebbau seit 1970 als Hobby betrieben wird - allerdings ein ernst zu nehmendes Hobby, zählt der Betrieb doch etliche fest angestellte Personen, die jährlich ca. 25‘000 Flaschen Wein produzieren. Die Degustation und das anschliessende Mittagessen (Risotto mit Eierschwämmen) mundeten hervorragend!
Danach war dolce far niente im verkehrsfreien historischen Stadtkern von Lugano angesagt. Die zahlreichen Bauten im lombardischen Stil, die romantische Lage am See und die vielen Strassenkaffees verführten zum Träumen und Nichtstun. Anschliessend, nach dem Hotelbezug in Mendrisio, wurde das Nachtessen im fast hundert jährigen Grotto Bundi serviert. Typische Tessiner Spezialitäten - über dem Feuer zubereitete Polenta mit Kaninchen, Rindsschmorbraten, Mortadella, Pilzen etc.
Am Sonntag stand die zweite Kellerbesichtigung mit Degustation in der Cantina Sociale di Mendrisio auf dem Programm. Vor gut 60 Jahren wurde der Winzerbetrieb gegründet, um die Trauben seiner Mitglieder zu keltern. Heute gehören dieser Genossenschaftskellerei ca. 500 Mitglieder an, wovon ca. 400 meist Hobby-Winzer Trauben abliefern. Ursprung dieser Genossenschaft war wie von der Weinbaugenossenschaft Klingnau auch die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts wütende Reblaus, welche die hiesigen Weinberge und die alten Rebsorten fast vollständig zu zerstören drohte. Chemie half nicht, die Weinproduktion brach zusammen. Man suchte nach einer widerstandsfähigeren Rebe und fand den Merlot. 1904 trafen die ersten Stöcke aus Frankreich ein. Bis 1914 wurden im Tessin jedes Jahr durchschnittlich 38 000 Merlot-Jungreben gesetzt. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts bekamen Winzer, die auf Merlot umstellten, Subventionen vom Kanton. Heute sind mehr als 85 Prozent der Tessiner Rebfläche mit Merlot bepflanzt. Merlot ist eine ideale Traubensorte für das Tessin, die dank der hohen Sonnenscheindauer und den intensiven Regenfällen wunderbar reifen kann. Ausserdem ist diese Traube enorm vielfältig. In der Cantina Sociale, wo jährlich ca. 900‘000 kg Trauben verarbeitet werden, baut man den Rotwein klassisch sowie im Barrique aus und gewinnt aus den Merlot-Trauben auch Weisswein oder Rosé.
Dieser Besuch einer der kleinsten Weinbaugenossenschaften der Schweiz bei einer der Grössten bildete den Abschluss der diesjährigen Reise der Weinbaugenossenschaft Klingnau. (dz)

Bild: Präsident Plinio Colombo (ganz links) spricht mit Lisetta Lucchini der Besitzerin der Fattoria Moncucchetto