Freienwil

Kino im Dorf

megaphoneaus FreienwilFreienwil

Da, wo normalerweise frisch gebackenes Brot duftet, spielt am vergangenen Samstagabend eine gefrorene Leiche die Hauptrolle. Auf dem Vorplatz des «Dorfschöpfli» von Dora und Franz Suter lud der Einwohnerverein Freienwil zum Open-Air-Kino. Gezeigt wird der Dialekt-Spielfilm «Das gefrorene Herz» (1979), in dem ein Landstreicher (Paul Bühlmann) im Wald erfriert und beide angrenzenden Gemeinden die Kosten der Beerdigung scheuen.

Das Interesse an der Tragikomödie von Xavier Koller ist gross: Rund 80 Freienwilerinnen und Freienwiler besetzen die Festbänke, und schon vor Filmstart um 21.15 Uhr sind die Getränke, die von Hans Suter (MüllerBräu) zur Verfügung gestellt werden, fast ausverkauft. Dazu servieren die Veranstalter heissen Fleischkäse und Kartoffelsalat mit Brot – natürlich vom «Dorfschöpfli». Popcorn gibt es zwar nicht. Doch der Einwohnerverein setzt bewusst nicht auf aktuellere Kino-Hits und das übliche Kino-Catering: «Das Publikum ist für gewöhnlich eher etwas älter», erklärt Präsident Hanspeter Geissmann und gibt zu: «Dieser Film war mein aboluter Herzenswunsch.»

Das Open-Air-Kino hat seit über 20 Jahren seinen festen Platz im kulturellen Leben von Freienwil. Am Ende der Sommerferien bringt es Betrieb ins Dorf zurück, man hat sich viel zu erzählen. Als die Vorführung beginnt, wird es jedoch still auf dem Kiesplatz. Gebannte Blicke auf die kleine Leinwand. Die umliegenden Bauernhäuser bilden eine Art Innenhof und sorgen für eine erstaunlich gute Akkustik. Gelegentlich erhellen vorbeifahrende Autos mit ihren Scheinwerfern die dunkle Dorfstrasse, und immer wieder wird im Publikum gelacht. Solch eine Atmosphäre ist in Freienwil einmalig: «Dieser Platz hier ist einfach wunderbar», schwärmt Hanspeter Geissmann.

Der Jurist legt Wert darauf, dass der Einwohnerverein die Filmrechte fürs Dorf-Kino jeweils «ganz legal bei der jeweiligen Urhebergesellschaft» erwirbt. Dank eines Sponsorings der Raiffeisenbank Lägeren/Baregg sowie eines Zustupfs vom Gemeinderat und dem Erlös aus der Hut-Kollekte während der Vorführung geht die Rechnung auch auf. Und wenn auch noch das Wetter stimmt, wie dieses Jahr, dann hat der Einwohnerverein dem Dorf einmal mehr einen wunderbaren Abend beschert.

Meistgesehen

Artboard 1