Oberrohrdorf

Kein Bedarf für 3. Turnhalle - CVP liegt falsch

megaphoneLeserbeitrag aus OberrohrdorfOberrohrdorf

Dass die CVP mit der im TSV Rohrdorf aktiven Frau Locher an der Spitze Ja sagen würde, ist keine Überraschung. Die Argumentation überrascht hingegen umso mehr.

Da ist zunächst einmal die Rede von der fehlenden Vision für die Gemeinde. Man wolle sich nicht aktiv für die Entwicklung der Gemeinde einsetzen. Mehr noch: Heute sei die Nachbargemeinde Niederrohrdorf "... in einigen Belangen attraktiver."

Meint man damit die Nachbargemeinde, mit der man vor einigen Jahren auf gar keinen Fall fusionieren wollte? Nicht einmal einen Kredit für eine Studie zur Prüfung einer allfälligen Fusion gewährte man. Als Gründe für die Eigenständigkeit nannte man damals vor allem die überschaubare Grösse und die Erhaltung von Zentrum und Dienstleistung in der eigenen Gemeinde. Heute krankt Oberrohdorf genau an dieser überschaubaren Grösse - und eben leider auch an der sich nicht bewahrheiteten Erhaltung von Zentrum und Dienstleistungen. 

Dies wirft man nun der Gemeinde vor. Und beklagt sich im gleichen Atemzug, dass Niederrohrdorf sich besser entwickle. Dabei verkennt man die Tatsachen: Unsere Nachbargemeinde Niederrohrdorf verfügt im Gegensatz zu Oberrohrdorf noch über Baulandreserven. Ausserdem wurden in Niederrohrdorf deutlich mehr Mietwohnungen gebaut als in Oberrohrdorf, was automatisch eine höhere Fluktuation und somit eine tendenziell jünger bleibende Bevölkerung mit sich bringt. Für die Standortwahl von Einzelhändlern sind dies nun mal die massgeblichen Faktoren.

Und jetzt versucht man, den Fehlentscheid von damals durch den Bau der Turnhalle zu korrigieren. Mir scheint, dass man hier eine Strategie der Umkehrung der Argumente fährt: Anstatt die Tatsachen anzuerkennen und folgerichtig keine Halle zu bauen, versucht man, sich mit einem Hallenbau gegen die (demografischen) Fakten zu stemmen.

Blicken wir doch einmal in die Zukunft: Was wird in den nächsten Jahren passieren? Oberrohrdorf kann auch mit einer dritten Turnhalle nicht mehr steuer-lukrativ wachsen. Der Bedarf an der Halle von in Oberrohrdorf wohnenden Bürgerinnen und Bürgern wird über die Jahre weiter abnehmen, übrigens im Einklang mit den Steuereinnahmen. Junge Familien werden sich in den Nachbargemeinden mit Baulandreserven niederlassen. Mehr Einzelhändler werden sich auch aufgrund einer dritten Turnhalle nicht in Oberrohrdorf ansiedeln. Und wo genau sind nun die positiven Effekte für alle Bürgerinnen und Bürger Oberrohrdorfs, welche nicht turnen oder fasnachten? Oder versteht die CVP unter "lebenswerter Gemeinde", dass abends aus Bellikon mit dem Auto nach Oberrohrdorf zum Turnen gefahren wird?

Apropos Auto: Unermüdlich wird auch darauf hingewiesen, dass beim Strassenbau das Geld anscheinend keine Rolle spiele. Ob der Gemeinderat sich diesem Vorwurf nicht aussetzen will und daher heute scheinbar "geschlossen" hinter dem Turnhallenprojekt steht, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass der Entscheid über die Sanierung der Kantonsstrasse nicht Sache der Gemeinde, sondern Sache des Kantons ist. Die Gemeinde kann noch über Zeitpunkt und Ausmass mitbestimmen - mehr nicht. Und immerhin kommt die Strasse allen Einwohnern zu Gute.

Mir scheint, beim Projekt Turnhallenbau wird händeringend nach Argumenten gesucht, warum alle Einwohner das Bedürfnis einiger weniger Einwohner finanzieren sollen. Man sollte hier einmal unterscheiden zwischen Bedürfnis und Bedarf. Die Vereine haben das Bedürfnis für den Bau einer neuen Turnhalle, an welcher die Gemeinde (inklusive der Schule) jedoch keinen Bedarf hat. Wie immer in solchen Fällen argumentiert man dann schwammig mit dem Gemeinwohl.

Aber so wird zumindest eine einfache Gleichung draus: Was nützt der Gemeinde mehr? Eine dritte Turnhalle für einige Wenige sowie für die Nachbargemeinden? Oder eine nachhaltige und gesunde Finanzpolitik für alle Bürgerinnen und Bürger Oberrohrdorfs? Meine Antwort steht fest.

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