Der Jodlerklub Aarau lud zu seinem 85-Jahre-Jubiläumskonzert unter dem Motto «Perlen des Jodelgesangs» in die Kirche Peter und Paul in Aarau. Das Publikum, welches die Kirche bis auf den letzten Platz ausfüllte, konnte sich an wunderschönen Jodelliedern und Volksmusik erfreuen.

Die Gründung des Jodlerklubs Aarau fand am 18. Juni 1931 in den Räumlichkeiten des Restaurants Quellengrund in Rohr statt. Die Gründungsmitglieder waren Walter Fürst, Samuel Zürcher, Ernst Schweizer, Arnold Hächler, Xaver Geisselmann, Emil Breitenmoser, Walter Müller, Moritz Bernhard, Georg Grüebler und Werner Bernhard. Walter Fürst übernahm den Taktstock und Samuel Zürcher schrieb sich als erster Präsident ein.

An der 1. Generalversammlung vom 17. Januar 1932 musste noch der Name des Vereins bestimmt werden. Es lagen zwei Anträge vor: "Jodlerklub Aarau" und "Jodlerklub Aarau/Rohr". Mit 5 gegen 2 Stimmen und 2 Enthaltungen wurde der Verein "Jodlerklub Aarau" benannt. Der Mitgliederbeitrag wurde auf CHF 1.00 pro Monat und der Passivbeitrag auf CHF 3.00 pro Jahr festgelegt. 1936 erfolgte die Aufnahme in den Eidg. Jodlerverband. Es folgte der 2. Weltkrieg und die damaligen Mitglieder mussten ihre Wehrpflicht erfüllen. Damals mussten ab und zu Gesangsproben abgesagt werden, weil zu viele Aktivsänger fehlten. Aber immer wenn es die Zeit erlaubte, standen sie zusammen und frönten ihrem schönen Gesang. 1946 besuchte der Jodlerklub Aarau sein erstes Eidg. Jodlerfest, es war dies das 7. Eidg. Jodlerfest in Luzern. Auf Anhieb klassierte sich der Klub mit dem Lied "z Alp" von Robert Fellmann in die Wertung "gut" Klasse 2. Bis heute besuchte der Jodlerklub Aarau 22. Eidg. Jodlerfeste.

Der Wunsch eines jeden Jodlerklubs ist es, einen eigenen Tonträger zu produzieren. 1988 wurde dieser Wunsch Realität. Mit dem Titel "Luegs Ländli a" konnte der erste Tonträger mit einer Plattentaufe eingeweiht werden. Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums im Jahr 1991 wurde bereits der zweite Tonträger "Fürs Härz und S Gmüet" getauft. Der dritte und bis heute letzte Tonträger kam 1999 mit dem Titel "Aarauer Jodlergrüess" heraus. Mit diesen Tonträgern hoffen wir, ein wenig Freude und Zuversicht in die Stuben derjenigen zu bringen, die aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen nicht mehr ein öffentliches Konzert besuchen können. Auch bilden die Tonträger ein Zeitdokument des gesanglichen Standes in den jeweiligen Jahren.

Auch Engagements gehören zum Klubleben der Jodler. Nebst den alltäglichen Auftritten an Geburtstagen, Hochzeiten, Stubeten, in Altersheimen, im Open-Air-Kino, am Maienzugvorabend oder an Jodlermessen in Kirchen usw. gibt es auch Auftritte, die unvergesslich sind und einen bleibenden Eindruck hinterliessen. So konnte der Klub zum Beispiel 3 Mal am Oktoberfest in München teilnehmen, wo er im Zirkus-Krone-Bau bei Folklore International die Schweiz vertreten durfte und am grossen 7 km langen Trachten- und Schützenumzug, quer durch München bis auf die Wiese, mit dem Sujet Alp Abzug teilnehmen. Die Reisen nach Jugoslawien, Riviera, Delft, Reutlingen, ins Südtirol, in den Schwarzwald sowie die Rheinschifffahrt nach Amsterdam usw. bleiben ebenfalls in bester Erinnerung. Am Eindrücklichsten war jedoch die Reise nach Ecuador im Jahre 1997, wo der Klub anlässlich der Schweizerwoche verschiedene Auftritte in Quito und Guayaquil wahrnehmen konnte. Weiter stand auch ein Abstecher zu den berühmten Galapagos-Inseln und in den Urwald auf dem Programm.

Ehrenpräsident Moritz Hunziker erwähnte in seiner Begrüssungs-Ansprache die kulturelle Wichtigkeit des Jodlerklubs für Aarau und die Umgebung. Silvia Meister, Präsidentin des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes sprach in ihrer Grussbotschaft von der heldenhaften Gründung des Klubs im Jahre 1931.

Das Publikum in der bis auf den letzten Platz ausgefüllten Kirche Peter und Paul kam in den Genuss von erwähnten Perlen des Jodelgesangs. Mitwirkende in diesem hochstehenden Programm waren der Jodlerklub Hasel-Rüegsau, der Jodlerklub Herisau-Säge, das Jodlerterzett Seetal, das Schwyzer-Oergeli-Quartett Signauer Giele und natürlich der jubilierende Jodklerklub Aarau. Moderiert wurde das Konzert durch den überall bekannten Sämi Studer, welcher es sich nicht nehmen liess, mit seinem Terzett selber aufzutreten.

Die urchigen, kraftvollen Jodelklänge hallten durch die Kirche und manch einem Zuhörer kamen kleine Tränen in die Augen. E gschänkte Tag, welcher durch den Gesamtchor aller beteiligten Jodlerklubs gesungen wurde, riss die Zuhörer von den Sitzen und der tosende Applaus wollte nicht mehr aufhören.

Es ist dem Jodlerklub Aarau zu wünschen, dass auch die nächsten Jahre wo glanzvoll verlaufen. Um die Worte von Silvia Meister zu benutzen, der Jodlerklub Aarau ist eine kulturelle Institution und auch ein soziales Netz, welches durch das aktive Vereinsleben zum Ausdruck kommt. Durch den Jodlerklub Aarau ist die Identität durch lebendiges Brauchtum in der Region verankert und wird durch die Leidenschaft der Sängerinnen und Sänger zelebriert.

Rolf Bürgi