Rheinfelden

Jubelnder Sommerbeginn mit Haydns Schöpfung

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Die Schöpfung erklang am vergangenen Wochenende gleich zweimal in Rheinfelden. Der Projektchor Rheinfelden und die Camerata Basel führten Joseph Haydns spätes Meisterwerk am Samstagabend und am Sonntagnachmittag in der Stadtkirche St. Martin auf.

Am Anfang steht das Chaos. Haydn gestaltet dieses nicht etwa wild, vielmehr wird eine spannende Ausgangslage geschaffen. Wird das Wunder der Schöpfung gelingen? Dem Publikum ist der Ausgang der Schöpfungsgeschichte bekannt. Es ist an diesem schönen Sommerabend aber gespannt darauf, ob diese Aufführung der Schöpfung zu einem musikalischen Wunder wird.

Die auf historische Aufführungspraxis spezialisierte Camerata Basel präsentiert sich einmal mehr als Klangkörper auf höchstem Niveau. Plastisch zeichnet das Orchester die von Haydn auskomponierten schöpferischen Naturgewalten. So braust das schäumende Meer, und feurige Blitze durchneiden die Luft. In Besonderer Erinnerung bleiben die akkustische Illustration des Sonnenaufgangs und die Mondnacht zum Ende des ersten Teils.

Erzählerisch führt ein kongeniales Gesangssolisten-Trio durch die Schöpfungsgeschichte und beweist dabei absolute Musikalität. Kai Florian Bischoff leitet als Erzengel Raphael die Erzählung ganz zu Beginn ohne Orchesterbegleitung auf dem ersten Ton ein. Jakob Pilgram strahlt in den Rezitativen und Arien als Erzengel Uriel eine grosse Zuversicht aus. Aline du Pasquier frohlockt als Erzengel Gabriel mit Leichtigkeit in himmlischen Höhen über Flora und Fauna.

Die 70 Sängerinnen und Sänger studierten das Werk in den letzten Monaten mit Angelika Hirsch, der musikalischen Leiterin des Projektchors, ein. Sie steht für einmal während des Konzertes aber nicht vor dem Chor, sondern sitzt inmitten des Orchesters und gibt vom Hammerklavier aus Impulse. Christoph Kobelt übernimmt das Dirigat als Gast und leitet das Ensemble sicher durch das Werk.

Der Chor überzeugt mit präziser Artikulation und beeindruckender Dynamik in den mystischen sotto voce-Stellen genauso wie in den jubilierenden Tutti-Stellen. Dramatische Momente der Verzweiflung werden dicht gefolgt von tänzerischen Ausrufen der Entzückung und des Staunens über das Entstehen einer neuen Welt. Jeweils zu Ende der drei Teile verschmelzen Chor, Solisten und Orchester und jubilieren gemeinsam. Diese Einheit lässt das Konzert zum Erlebnis werden.

Ja, die Schöpfung ist wahrlich ein Wunder. Musikalisch war die Aufführung dieses bildhaften Chor- und Orchesterwerks in jeder Beziehung ein Genuss. Das Publikum dankte es mit einer Standing Ovation und lange anhaltendem Applaus, bevor es die Stadtkirche in die warme Sommernacht hinaus verliess.

Tobias Nussbaumer Zürich

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