Standing Ovations für die Patchwork Stompers

Am vierzehnten und in dieser Form letzten Konzert der Patchwork Stompers vom 13. November 2016 war die Kirche Kirchberg in Küttigen fast zu klein. Das Publikum musste eng zusammenrücken, damit alle einen Platz fanden.

Sepp Bachmann musste sich regelrecht zum «Orgelbänkli» durchkämpfen. Er spielte bravourös und entlockte der Orgel für einmal ganz ungewohnte Klänge. Schon vor dem Einmarsch der Band mit «Just a Little While to Stay Here» spielte er zur Einstimmung jazzige Melodien auf der Orgel und weckte damit die freudige Erwartung der Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Patchwork Stompers, dieses Jahr mit Sepp Bachmann (p/org), Erwin Bieri (dr), Urs Brunner (b), Eric Cousin (bjo), Alexander Etter (tp), Köbi Etter (tp), Kniri Knaus (tb/mharp), Ruth Knaus (voc), Robert Merian (cl/ts/ss), Martin Meyer (dr), Rougi Rothenbühler (as/ts/ss), John Service (tb) und Max Wehrli (tub), begeisterten das Publikum.

Sie spielten wie jedes Jahr ohne vorherige Proben in verschiedenen Zusammensetzungen und boten New Orleans Jazz vom Feinsten mit improvisierten Soli, die aus dem Bauch kamen.

Im ersten Teil waren «Dallas Blues», «Lead me Saviour» und «Oh When I Come to the End of my Journey» zu hören. Ruth Knaus gelang es, die Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer mit ihrer schönen, warmen Stimme zu erobern, einfühlsam begleitet von Alexander Etter, John Service, Rougi Rothenbühler und der Rhythmusgruppe.  

Nach einer Orgeleinlage mit dem Stück «Ain’t Misbehavin‘» folgten bekannte Stücke wie «Buddy Bolden Blues», «Breeze», für einmal in etwas schnellerem Tempo und ohne Gesang, «Old Rugged Cross» gespielt von Köbi Etter, Kniri Knaus und Robert Merian in der Frontline.

Nach einer kurzen Pause kam das Publikum in den Genuss von  «When I Grow too Old to Dream», «How Great Thou Art», berührend gesungen von Ruth Knaus, und dem «Basin Street Blues» mit einem wunderschön gespielten Saxofonsolo von Rougi Rothenbühler.

Darauf sprintete Sepp Bachmann durch den Mittelgang und auf die Empore, weg vom meisterhaft gespielten Klavier, und erkämpfte sich erneut seinen Platz an der Orgel, um noch einmal das Kirchenschiff  mit «Blues in ES» zum Swingen zu bringen.

Es folgten «Beal Street Blues», «Darkness on the Delta» und «Just a Closer Walk with Thee». Die Musiker im Hintergrund, Erwin Bieri und Martin Meyer am Schlagzeug, Eric Cousin am Banjo und Gitarre, Urs Brunner am Kontrabass und Max Wehrli an der Tuba begleiteten die Jazzer an der Front subtil und einfühlsam mit abwechslungsreichen Soli dazwischen.

Kniri Knaus spielte mitreissende Parts auf der Mundharmonika, zauberte aus dem Nichts einen Gartenschlauch und gab eine an «Pfuri, Gorps und Kniri» erinnernde, fetzige Einlage darauf.

Nach «At the Jazzband Ball»  und «Oh when the Saints» durfte das Publikum nicht nur mit Klatschen aktiv werden, denn als Zugabe spielten die Patchwork Stompers «Eh la Bas» mit dem lustigen kreolischen Text, gesungen von Kniri Knaus und

Chorantworten des Publikums. Für das grandiose Konzert erntete die Band, die eigentlich gar keine ist, Standing Ovations.

Der Veranstalter Max Wehrli empfahl die Kollekte zugunsten von Shangrila Entwicklungshilfe Projekte in Nepal von Rocco Umbescheidt (Aargauer des Jahres 2015). Erfreulicherweise konnten dreitausend Franken gespendet werden.

Ein kleiner Wermutstropfen schlich sich ein, als er verkündete, dass dies das letzte Konzert in dieser Art gewesen sei, ausser wenn sich jemand anderes bereit erklärt, die Organisation zu übernehmen. Soviel sei schon verraten: es zeichnet sich ein leiser Hoffnungsschimmer am Horizont ab.

Helen Wehrli