Rund 120 Personen, Menschen mit Behinderungen, begleitendes Personal, Angehörige, sowie gesetzliche Vertreter nahmen am Dienstag, 24.5.16 an einer der drei Informationsveranstaltungen zur UNO-Behindertenrechtskonvention der Stiftung für Behinderte Oberentfelden teil.

Eingeladen hatte der BewohnerInnenrat, der die Veranstaltung selbständig organisierte, mit dem Ziel für die Rechte für Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren.

Als Referent kam Herr Andreas Rieder, Leiter vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB, in Bern.

Er berichtete von der Entstehung der Menschenrechtskonvention für Menschen mit Behinderungen. Der Hauptteil und Schwerpunkt für die Teilnehmenden waren aber die Ausführungen zu den Rechten und Pflichten von Menschen mit Beeinträchtigungen. Andreas Rieder schaffte es rasch mit seiner aufgestellten Art, der leicht verständlichen Sprache und den vielen alltagsnahen Beispielen die Aufmerksamkeit und Beteiligung der Teilnehmenden zu gewinnen. Die fünf Kernpunkte waren: Menschenwürde – alle Menschen sind gleich viel wert; Diskriminierungsverbot – Gleichbehandlung, keine Unterschiede machen ob behindert oder nicht behindert, ob Mann oder Frau etc.; Chancengleichheit – jeder muss die Schule besuchen dürfen, die Möglichkeit bekommen sich in seinen Stärken entfalten zu können; Teilhabe/Inklusion – miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen, gleicher Einbezug in der Gesellschaft, nicht ausgesondert/separiert werden und Selbstbestimmung – selber Entscheide treffen können, mitreden dürfen.

Herr Rieder zeigte dazu die Verantwortung des Staates, aber auch die jedes einzelnen Menschen und der Gesellschaft auf. Dazu ging er auf verschiedene Bereiche ein, wie z.B. der Umwelt. So müssen heutzutage diverse (öffentliche und zum Teil private) Gebäude und öffentliche Verkehrsmittel für alle zugänglich und benutzbar sein, was bei der Planung und Renovation berücksichtigt werden muss (Rampen, Lift, Markierungen für Sehbehinderte). Dazu gehört auch die Verantwortung, dass Informationen für alle zugängig und möglichst verständlich gemacht werden, beispielsweise durch leichte Sprache, Übertragung/Übersetzung in Gebärdensprache usw. Die Bereiche Wohnen, Arbeit & Freizeit stiessen auf reges Mitwirken der Teilnehmenden: Wohn- und Arbeitsplätze möglichst frei wählen können, die Idee Wohnformen zu schaffen bei der Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen leben oder die Frage nach Vereinen, welche ihre Angebote öffnen könnten um ein Miteinander zu ermöglichen.

Zwei wichtige Punkte, die sich bei all dem herauskristallisierten: immer soll eine Auswahl (zum Wählen, Entscheiden, an Möglichkeiten etc.) gegeben sein! Es ist wichtig zu schauen und anzusetzen an dem was jemand kann/für Stärken hat und nicht von der Beeinträchtigung her auszugehen und so verschiedene Möglichkeiten von vornherein unmöglich zu machen.

Alle drei Anlässe waren geprägt von Fragen, Rückmeldungen und Beispielen aus dem Alltag, welche Menschen mit Beeinträchtigungen, aber auch Angehörige einbrachten, die Herr Rieder aufnahm und beantwortete oder über die mit ihm diskutiert wurden. Auch nach den einzelnen Anlässen stand Andreas Rieder bei einem kleinen Apéro noch Rede und Antwort, wovon rege Gebrauch gemacht wurde. Er selber konnte dann noch Einblick in das alltägliche Leben auf einer Aussenwohngruppe nehmen, wo er selbst gleich mithalf.

Alle gingen an diesem Tag wohl mit angeregten Gedanken, ermutigt, aber auch persönlich herausgefordert nach Hause.

Menschen mit Behinderungen erfuhren was ihre Rechte und Pflichten sind, wurden ermutigt vermehrt sich zu beteiligen und mitzureden, aber auch zu hinterfragen/zurück zu fragen.

Das Fazit des Tages: Es war ein sehr spannender, intensiver und lehrreicher Tag. Die Sensibilisierung hat stattgefunden. Der BewohnerInnenrat wird das Thema weiter aufgreifen und nun weitere Schritte diesbezüglich angehen.

BewohnerInnenrat Oberentfelden
(Anke Schmocker, Begleitperson)