Hoher Besuch in Murgenthal

am Wirtschaftsvortrag der Oberst Künzli Gesellschaft

Urs Berger, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbandes (Ergänzung am Schluss) referierte auf Einladung der Oberst Künzli Gesellschaft Murgenthal zum Thema „Auswirkungen der Tief- und Negativzins-, sowie Regulierungs-Politik in der Versicherungswirtschaft und bei Pensionskassen“.

Vorerst skizzierte der Referent mit ihren 50 000 Arbeitsplätzen, 2 000 Lernenden und 28 Milliarden Umsatz die Bedeutung der Versicherungswirtschaft in der Schweiz. Diese Branche macht inzwischen 40% des schweizerischen Finanzplatzes aus und benötigt für 550 Milliarden Franken Anlagemöglichkeiten.

Berger wünscht sich eine Regulierung mit Augenmass
Die Versicherungswirtschaft leidet unter der Regulierung. Nicht die einzelnen Vorschriften sind das Problem, so der Referent, sondern die Summe der Regulierungen aus den verschiedensten Bereichen. Auch teilweise die Widersprüchlichkeit der Vorschriften. Es fehlen Analysen über die Wirkung von Vorgaben, es fehlt Transparenz über Kostenfolgen und insbesondere fehlt eine eigentliche Regulierungspolitik. Es ist nachvollziehbar, dass für die Weltbank die Schweizerische Regulierungs-Qualität von international Rang 11 auf Rang 29 abgerutscht sei. Berger strebt eine Regulierung mit Augenmass an.

Der Nationalbankentscheid bestraft Kunden und Sparer
In der Versicherungswirtschaft sind die Währungen weniger ein Problem, diese werden meist abgesichert. Problematisch aber sind die von der Europäischen Zentralbank noch geförderte Geldschwemme, der Anlagenotstand und teilweise auch die Anlage-Vorschriften. Die Geldschwemme forciert die Tiefzinspolitik, interessante Anlagemöglichkeiten werden dadurch immer teurer und die Risiken steigen. Anlagen z.B. in interessante Infrastrukturprojekte, in Spitäler werden durch die Anlagevorgaben gebremst. Für den Negativzins-Entscheid der Nationalbank kann man Verständnis haben, weniger aber für die Bestrafung der inländischen Anlagen. Diese Negativzinsen zahlen schlussendlich die Kunden und Pensionskassen-Sparer. Auch in dieser Tief- und Negativzins-Phase gibt es für Pensionskassen und Lebensversicherungen die Zinsgarantie. Die Auswirkungen aus Langlebigkeit, Rentengarantie und Regulierung kommen hinzu. Die Versicherungswirtschaft suche, gemäss Urs Berger, den Dialog mit Politik und Verwaltung.

Die Diskussion legt viel Unzufriedenheit offen
Aus der Präsentation von Urs Berger entwickelte sich eine breite Diskussion. Vertreter anderer Branchen stellten fest, dass die behördlichen Eingriffe und Vorschriften aus allen denkbaren Bereichen auch bei ihnen in der Gesamtsumme überborden, bremsen, kosten und demotivieren. Sogar Kaffeemaschinen in Produktionsbetrieben würden kontrolliert. Werde aber das Produkt aus dem Ausland bezogen, frage niemand nach der dessen Entstehung. Passiert irgendwo etwas brauche es sofort einen Schuldigen und vor allem eine zusätzliche Vorschrift. Es seinen Folgen aus Überreaktionen, extensiver Auslegung von Vorschriften und Kontrollen, einer immer grösseren Verwaltung und Bürokratie. Reduktion von Bürokratien in Verwaltung und grösseren Betrieben könne nur mit dem Abbau von Funktionen realisiert werden. Solche Entscheide sind gerade in einem Wahljahr leider nicht absehbar.

Urs Berger