Unter der Leitung von Hans Fahrländer, ehemals Chefredaktor der Aargauer Zeitung, diskutierten vor zahlreichem Publikum die Nationalrätin und Präsidentin der FDP Schweiz, Petra Gössi, der FDP Regierungsrat und Landstatthalter Stefan Attiger sowie die FDP-Grossrätin Jeanine Glarner. Ziel des Anlasses war es, die drei Gäste besser kennen zu lernen, betonte Matthias Becker, Präsident der einladenden Ortspartei Möriken-Wildegg, bei der Begrüssung. In lebhaften Gesprächen verrieten in der Folge alle drei nicht nur ihre Motivation, ausgerechnet in der FDP zu politisieren, sondern auch viel Persönliches.

So gab Petra Gössi zu, ihre erste Reaktion auf die Anfrage, ob sie das Präsidium der FDP Schweiz übernehmen wolle, sei ein resolutes „Überhaupt nicht“ gewesen. Den Ausschlag, dass sie das Amt schliesslich doch annahm, gaben mehrere Gründe: Einerseits habe sie freie Kapazität, anderseits sei sie von der FDP überzeugt und wolle deshalb auch etwas für die Partei tun. „Ich bin in die Aufgabe hineingewachsen und bekomme immer mehr Freude daran“. Diese Freude spürte man deutlich. Den Vorwurf, rechtsstehend zu sein, weist sie zurück. Klar sei die Zentralschweiz generell konservativer als etwa die Romandie, aber sie selber sieht sich in der Mitte der FDP. Freiheit und Eigenverantwortung seien ihr immer wichtig gewesen, und sie stamme ja auch aus einem liberalen Haus. Mit ihrer offenen Art gewann Petra Gössi sofort die Sympathie der Anwesenden.

„Was ist schöner – Stadtammann oder Regierungsrat zu sein?“, fragte Hans Fahrländer den Landstatthalter Stefan Attiger mit Blick auf sein früheres Amt als Stadtammann von Baden. „Alles was ich im Leben gemacht habe, war gut. Ich möchte nichts davon missen“, lautete die diplomatische Antwort. Auf kantonaler Ebene könne man zwar zusammenhängender handeln, grosszügiger denken, dafür seien die Prozesse länger und man sei weiter von der Bevölkerung weg. Trotz der grossen Belastung hat er noch Zeit für die Familie – immerhin ist er erst vor kurzem nochmals Vater geworden…. Es sei wichtig, private Termine bewusst zu planen und auch einzuhalten, hielt er dazu fest.

„Genügen 5 Regierungsräte für den viertgrössten Kanton der Schweiz oder braucht der Aargau 7 Regierungsräte?“, fragte Fahrländer weiter. „Fünf sind ideal“, kam die prompte Antwort. Attiger kennt das 7-er Gremium aus dem Stadtrat Baden. Im fünfköpfigen Regierungsrat gebe es weniger Schnittstellen, man könne effizienter arbeiten. Die Tendenz in anderen Kantonen gehe auch in diese Richtung. 

Jeanine Glarner, Historikerin, ist seit 2012 für die FDP im Grossen Rat. „Wie kommt man als 19-jährige dazu, sich in die Politik zu stürzen?“, wollte Fahrländer von ihr wissen. „Politik hat mich immer interessiert, wir haben am Familientisch oft diskutiert.“ Sie habe festgestellt, dass die Politik ihr Leben bestimme, doch sie wolle selber bestimmen. Also hat sie aktiv bei den Jungfreisinnigen mitgemacht, wurde dort bald einmal Präsidentin. „Für mich war das der richtige Weg. Man lernt organisieren, diskutieren. Unter lauter Älteren würde man sich nicht getrauen.“  Ihr Ziel in der Politik? „Politik kann man nicht planen. Aber ich möchte im Herbst wieder in den Grossen Rat gewählt werden. Die Arbeit dort macht mir enorm Spass.“

FDP im Aufwärtstrend

Fast ein Vierteljahrhundert war die FDP im Krebsgang. Jetzt geht es wieder aufwärts. Warum?, wollte Hans Fahrländer wissen. „Eine schwierige Frage“, stellte Petra Gössi fest. Unter Fulvio Pelli sei an den Grundsatzfragen, den Werten des Freisinns gearbeitet worden.“ Darauf habe Philipp Müller aufbauen können. „Wirtschaftspartei“ sei lange ein Schimpfwort gewesen, jetzt hätten die Leute realisiert, dass es ihnen gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht. „Sie anerkennen die FDP als Partei mit der grössten Wirtschaftskompetenz, die Wohlstand und Lebensstandard sichert.“

Stefan Attiger konnte das bestätigen: „Es braucht die Marke FDP, eine starke Positionierung. Früher gab es zu viele unterschiedliche Auftritte. Jetzt ist die Kommunikation gut, einfach, direkter, man getraut sich, etwas zu sagen. Man wollte es zu lange immer allen recht machen.“ Seit man sich wieder klarer positioniere, gehe es aufwärts. Im Aargau stehe die Sachpolitik im Vordergrund. Da gehe es darum, Mehrheiten zu finden, je nach Thema bei dieser oder jener Partei mit ähnlicher Einstellung.

Aargauer Wahlherbst

Natürlich kamen auch die bevorstehenden Regierungsrats- und Grossratswahlen zur Sprache.

Es sei bedenklich, dass Regierungsrätin Susanne Hochuli ihren Rücktrittsentscheid  so spät bekannt gegeben habe, sagte Jeanine Glarner. Die FDP halte jedoch an ihrer Strategie der Einerkandidatur mit Stefan Attiger fest. Es bringe nichts, jetzt in Hektik zu verfallen. Für den 2. Wahlgang seien alle Optionen wieder offen.

Stefan Attiger zeigte sich überrascht über die Hektik, die jetzt ausgebrochen ist. Zum Zeitpunkt der Nomination sei der Anspruch der SVP gerechtfertigt gewesen und die Einerkandidatur sei ohne Rücksicht auf den Hochuli-Entscheid beschlossen worden. Es sei kein Nachteil, erst im zweiten Wahlgang zu kommen. Im Gegenteil: eine frische Kraft, die nicht schon im 1. Wahlgang verheizt wurde, habe die besseren Aussichten.

Für die Grossratswahlen umschrieb Jeanine Glarner das Ziel wie folgt: Im Kanton +2 Sitze, in ihrem Heimatbezirk Lenzburg +1 Sitz. „Wir werden es schaffen!“, gab sie sich optimistisch.

Kurz wurde noch ein lokales Thema gestreift: Der tägliche Stau in Wildegg. Baudirektor Attiger machte keinen Hehl daraus, dass die beste Möglichkeit, die Verkehrsmenge in Wildegg zu reduzieren, in einem Ausbau der A1 auf 6 Spuren bestünde. Ein entsprechendes Projekt sei beim Bund in Arbeit. Eine Umfahrung, wie sie derzeit im kantonalen Richtplan eingetragen ist, brächte für Wildegg keine grosse Entlastung, ist auch Jeanine Glarner überzeugt. Also bleibt nur zu hoffen, dass der Ausbau der A1 möglichst rasch realisiert wird.