Jeden Dienstag treffen sich Schülerinnen und Schüler der heilpädagogischen Schule Wettingen in der Reithalle Würenlos, um sich im Agility zu üben. Mit dementsprechend ausgebildeten Hunden und der Hilfe deren Besitzer bewältigen sie einen Hindernis-Parcour und erlernen den Umgang mit Hunden.

Ein Mädchen, ausgestattet mit Gummistiefeln und einer warmen Jacke, schiebt die grosse Tür zur Reithalle auf und schaut verschmitzt hinein. Schnellen Schrittes geht sie freudig auf die wartenden Hunde zu. Die Begrüssung ist überschwänglich. „Jetzt fehlt nur noch etwas“, meint sie vielsagend. Ein Herr streckt ihr eine Handvoll Hundeguetzli entgegen, die sie gut in ihrer Jacke verstaut. "Jetzt kann's los gehen", strahlt sie.

Die Agilitystunde von Martin Widmer, der Herr mit den Hundeguetzlis, findet einmal die Woche statt. Widmer ist Initiator des Projekts „Agility für Schülerinnen und Schüler der heilpädagogischen Schule Wettingen“. Seine Absicht ist, dass Menschen mit einer Behinderung druckfrei mit ehemaligen Agilityhunden Sport treiben und eine Beziehung zu den Vierbeinern aufbauen können. Beim Agility handelt es sich um eine Sportart für Mensch und Hund. Das Tier und sein Besitzer durchlaufen dabei einen Hindernis-Parcour in einer vorgegebenen Reihenfolge.

Freiwilliges Engagement
Vor ein paar Jahren haben Widmer und seine Frau eine Fernsehsendung über Agility mit Menschen mit einer Behinderung gesehen: „Da hab ich mir gedacht, das wäre doch eine tolle Sache. Ich möchte auch versuchen, so etwas auf die Beine zu stellen.“ Er kontaktiere Regula Tschanz, die Leiterin der Agilityschule Regulas SkillyDogs. Sie erklärte sich umgehend bereit, den Kindern die Halle, in welcher sie sich einmietet, für eine Stunde kostenfrei zu überlassen. „Dank dieser grosszügigen Geste ist das Projekt überhaupt möglich", meint Widmer. Mit Renate Flury und Malaika Widmer hat er sich zudem zwei Freiwillige an Bord geholt, die mit ihm die Stunden anleiten und die Kinder betreuen. Die Eltern der Kinder tragen zum Gelingen des Projekts bei, indem sie den Fahrdienst organisieren. Die Gesamtkoordination wird von der heilpädagogischen Schule übernommen. „Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, wo jeder Einzelne etwas dazu beiträgt", sagt Widmer.

Viel Spass für alle Beteiligten
Die Teilnehmerzahl liegt zwischen drei und fünf Kindern und ist seit dem ersten Kurs konstant. So stehen jeden Dienstag ein Dalmatiner, zwei Golden Retriever und zwei Shelties im Einsatz. Es sei nicht ganz einfach, geeignete Hunde zu finden, sagt Widmer. Am besten seien ältere Agilityhunde. „Die bringen die Erfahrung und die Ruhe mit und ergänzen die Kinder ideal. Es bereitet allen immer viel Freude“, sagt er weiter. Das meinen auch die Kinder: „Ich mag das Agility so sehr wegen der Hunde“, meint das Mädchen mit den Gummistiefeln und die anderen vier Kinder stimmen ihr zu, bevor sie alle mit den Hunden wieder davonjagen.

Text und Bilder: Patrizia Koller