Am vergangenen Samstag feierte die Pfadi Rymenzburg ihr 85. Jubiläum bei bestem Wetter. Über 100 Eltern, Pfadikinder, Leiter und ehemalige Pfadfinder haben beim Pfadiheim in Reinach grilliert und den sommerlichen Abend gemeinsam verbracht.

Die Pfadi Rymenzburg durfte am letzten Samstag ihren 85. Geburtstag feiern. Im Pfadiheim erzählte Pfiff, ein Mitglied des Altpfadervereins APV, die Geschichte der Gründung der Pfadi Rymenzburg. Ein Raum des Pfadiheims in Reinach wurde so eingerichtet, dass die Besucher in einer beinahe kompletten Sammlung der Rymenzburger Nachrichten, der internen Pfadizeitung, schmöckern konnten. Eine Kiste mit alten Fotos lag auf, und eine Fotoshow mit Bilder von früher und heute wurde gezeigt. Eines von vielen Highlights war das Steigenlassen von violetten und weissen Ballons. Jeder der Ballons in den Rymenzburger Farben hat eine Glückwunschkarte für die Pfadi angeknüpft, die hoffentlich aus aller Welt ins Wynental zurück geschickt werden. Ein weiteres Highlight war das reichhaltige Buffet, ergänzt durch einen Crêpes-Stand. Das Jubiläumsfest war von guten Gesprächen, leckerem Essen und spielenden Kindern geprägt und endete erst in der Nacht.

Die Pfadi Rymenzburg wurde 1930 von zwei jungen Wynentalern gegründet, die auf die Pfadibewegung, welche von England her in die Schweiz wanderte, aufmerksam wurden. Durch viel Neugier und Einsatz wuchs die Idee, eine eigene Pfadi zu gründen. Schon bald wurden erste Aktivitäten durchgeführt und die Planung für das erste Lager begann.

Wie alle anderen Pfadiabteilungen hatten natürlich auch die Rymenzburger mit Vorurteilen gegen die neue Bewegung zu kämpfen. Der Widerstand– vor allem aus den Reihen der Schule und Lehrer – war gross. Die Bevölkerung musste sich erst daran gewöhnen, dass Jugendliche Verantwortung für Kinder und andere Jugendliche übernehmen sollten. Schnell hatte die Pfadi Rymenzburg rund 85 Mitglieder und die Unterstützung in der Bevölkerung wuchs.

Die noch junge Pfadi Rymenzburg bemühte sich zunächst um ein Zelt, wie es sich für eine Pfadiabteilung ihrer Ansicht nach gehörte. Nach ein paar Monaten war es ihnen möglich, eine ausgemusterte Blache der Tabakproduktion in Menziken zu übernehmen und mit der Hilfe eines Sattlers, daraus ein Zelt zu nähen.

Bereits ab 1931 arbeiten die Jugendlichen unermüdlich dafür, ein Pfadiheim zu haben. Ein Kredit ermöglichte es der Pfadi Rymenzburg, das Pfadiheim zu einem Preis, der damals dem eines guten Einfamilienhauses entsprach, zu bauen. 1939 wurde das Pfadiheim Reinach eingeweiht und nicht viel später war der Kredit bereits durch viele Finanzaktionen und Unterhaltungsabende der Pfadfinder abgestottert.

Die Pfadi Rymenzburg war die erste Pfadi im Aargau, die Mädchen in der gleichen Abteilung und im gleichen Pfadiheim wie Knaben aufnahm und unterbrachte. Dies stiess in den Reihen der Pfadi Aargau zunächst auf Widerstand, doch die Gründer der Pfadi Rymenzburg, erpressten den Kantonalverband damit, mit allen 85 Mitgliedern den Kantonalverband zu wechseln, falls die Entscheidung, die Mädchen aufzunehmen, nicht akzeptiert werde. In den 60er Jahren wurde das Projekt der Rymenzburger Nachrichten realisiert, einer eigenen Pfadizeitung, die sich mit Inseraten finanziert und seither mehrmals jährlich erscheint. 

Die Pfadi Rymenzburg ist heute aufgeteilt in zwei Standorte. Die Abteilung Wyna/von Flüe deckt das Obere Wynental ab, und die Abteilung Kulm das Untere.

Beinahe jedes Wochenende werden in beiden Abteilungen Aktivitäten durchgeführt und noch immer übernehmen Jugendliche die Verantwortung für Kinder, andere Jugendliche und sich selbst. Wir wünschen uns auf den Geburtstag weitere 85 Jahre voller Lagerfeuer, leuchtenden Kinderaugen, Abenteuergeschichten, schlammigen Zelten, schaurige Nächte im Wald, Wanderungen, Regentrommeln auf dem Zelt, Grasflecken auf den Pfadihosen, guten Freunden, Mutproben, Theater, Begeisterung und Engagement.