Fislisbach

Geschichten aus der Vorratskammer

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Wer meint, Geschichten seien nur für Kinder, der hat noch nie Maria Magdalena Kaufmann beim Erzählen zugehört. Wird sie auch noch von Emilio Guerini und seiner Handorgel unterstützt, dann kann man sich getrost zurücklehnen und geniessen. Gelegenheit dazu bot am 16. Mai das Kulturzentrum Fislisbach.

Im Oktober 2011 wurde im Kulturzentrum Fislisbach die Ausstellung ‚Ländlicher Alltag‘ eröffnet. Der Fokus ist auf den weiblichen Alltag der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gerichtet. Man kann sich in den Räumlichkeiten leicht vorstellen, wie früher an kalten Winterabenden in der warmen Stube Geschichten und Anekdoten erzählt wurden. Dieses Ambiente wollten die Museumsverantwortlichen mit einem Erzählabend aufleben lassen. Maria Magdalena Kaufmann wurde ins Kulturzentrum geladen und es brauchte keine grosse Überredungskunst, sie für einen Anlass zu gewinnen.

An besagtem Abend sass man dicht beisammen, mitten in der Ausstellung, passend zu dem Erzählten, an drei verschiedenen Standorten. Maria Magdalena Kaufmann – hinter sich das Bild mit der Schneelandschaft, vor sich jenes mit dem Baum voll reifer Äpfel – begann mit Frau Holle. Aber nicht die Frau Holle von den Gebrüdern Grimm… Geschickt wurden ein paar Erläuterungen vorausgeschickt. Etwa, dass man Frau Holle lange vor den grimmschen Hausmärchen kannte, als altnordische Göttin etwa. An anderer Stelle erfuhr man, dass auch in der Schweiz Volksmärchen gesammelt wurden (z.B. von Friedrich Gottlieb Otto Sutermeister, 1832 in Tegerfelden geboren) und hörte gleich eine Kostprobe davon.

Fast ein bisschen unheimlich wurde es bei der letzten Geschichte, die im Wohn- und Schlafbereich der Ausstellung erzählt wurde. Das Spinnrad neben sich, erzählte Kaufmann eine Sage aus dem Oberwallis: ‚Schoch, d’Alt Schmidja spinnt noch‘. Da geht es um eine alte fromme Witwe, die bis spät in die Nacht spinnt. Es geht um arme Seelen, die sich bei ihr in der Stube wärmen dürfen und um unzählige gespenstige Lichter…

Maria Magdalena Kaufmann gelang es, alle Anwesenden in ihren Bann zu ziehen und sie vom Alltag wegzuholen. Emilio Guerini liess mit seinem Handorgelspiel die Geschichten nachklingen und vertiefte die jeweilige Stimmung mit einer passenden Melodie. Man merkte es gleich, Erzählerin und Akkordeonist sind ein gut eingespieltes Team!

Beim anschliessenden Apéro war man sich einig, das war ein gelungener Abend!

Museumsöffnungszeiten: 1. Sonntag im Monat, 14.00 -17.00 Uhr

Romy Studerus, Fislisbach

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