Merenschwand

Geschichte zum Abschied von Pater Jerzy

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Vor gut einem Jahr stand ich als frisch gebackener Kirchenpflegepräsident das erste Mal hier oben. Wir feierten zusammen das 10 Jahr Jubiläum von Pater Jerzy in Merenschwand. Jetzt bin ich wieder da.

Ich überlegte mir, dass sich Jerzy sich im letzten Jahr nicht so stark veränderte und ich einfach meine Ansprache wiederverwenden könnte und ihnen nochmals das gleiche erzählen. Ja, es ist ja alles ziemlich kurzfristig gekommen. Die Merenschwander Schokolade hätte ich einfach durch Murianer Wein ersetzt.

Ich habe es aber anders gelöst:

Ich möchte Ihnen die Geschichte von einer Rechaud Kerze erzählen:

Es handelt sich um eine spezielle Rechaud Kerze – nicht Made in China, sondern Made in Polen.

Stellen sie sich vor, der Glassockel repräsentiert die Pfarrei und die Engel den Pfarreirat, die Ministranten, die Kirchenpflege, die Mitarbeiter und vielen freiwilligen Helfer in unserer Pfarrei. Die Kerze in der Mitte hat schon viel Licht und Wärme ausgestrahlt. Die Engel um die Kerze waren auch schon kleiner, sind gewachsen und wieder ganz klein geworden und präsentieren sich heute mächtig und geschlossen rund um die Kerze. Auch wenn früher mal kräftiger Wind aus Solothurn blies oder ein kleiner Orkan durchs Dorf fegte, die Kerze hat nie aufgehört zu leuchten und Wärme abzugeben.

Stellen sie ich vor, sie sind die Kerze in dieser Mitte. Sie sehen durch den Sockel direkt auf den Boden, auf die Erde, ja gar unter die Erde. Alles um sie herum ist glasklar und sie sehen in jeden Winkel von diesem Sockel.

Jetzt sagt sich die Kerze: hier kenne ich schon alles, warum nicht mal wohin gehen, wo nicht alles so glasklar ist bis unter die Erde? Also macht sich die Kerze auf den Weg.

Aber die Kerze möchte nicht einfach allein dastehen. Darum geht sie an einen Ort wo es dunkel ist – in den Wald. Dort steht sie auf einem Felsen, der noch nicht durchsichtig ist und die Füchse und Hasen sind noch nicht zu Engel geworden. Freuen wir uns, dass unsere Kerze an diesem Ort sein kann, lassen wir sie gehen und wünschen wir ihr viel Kraft in dieser neuen Aufgabe.

Doch was passiert mit Merenschwand? Arbeitet von ihnen jemand in einer Rechaud Kerzen-Fabrik? Ich nicht – mein Bruder auch nicht. Kennen sie jemanden in ihrer Verwandtschaft? Es wäre doch schade, jetzt wo alle Engel so gross sind und der Sockel so stark, wenn es in der Mitte nicht mehr leuchten würde.

Wenn man in der Verwandtschaft nicht fündig wird, kann man noch die Nachbarn fragen. Zum Glück gibt es dort Kerzen. Zum Glück sind diese Kerzen bereit, mehr zu arbeiten und auch in Merenschwand Licht zu spenden. Es wird nicht gleich weitergehen wie früher. Früher war sowieso alles besser, als in der Schweiz noch grosse Lokomotiven und Dieselmotoren hergestellt wurden - und eben auch Rechaud Kerzen.

Schauen wir nach vorn und freuen wir uns auf die Veränderung, die auf uns zukommt. Nehmen wir die neuen Kerzen in unserer Mitte auf und schauen auf ihr Licht und die Rauchzeichen, die von ihnen ausgehen.

In diesem Sinne, lieber Pater Jerzy möchten wir dir danken für den soliden Sockel, den du in Merenschwand hinterlässt. Wir möchten uns für die vielen helfenden Hände und Engel bedanken, die du motivieren konntest sich für unsere Pfarrei zu engagieren.

Lieber Jerzy, im Namen vom Pfarreirat und der Kirchenpflege danken wir dir für ein Wirken in den letzten 11 Jahren und möchten dir als Erinnerung die drei Engel mit dem Sockel überreichen.

Vorgetragen auf Schweizerdeutsch von Roger Klausner anlässlich vom Abschiedsgottesdienst am 24. Juni 2016

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