An einem gemeinsamen Anlass informierten die Primarschulen im Einzugsgebiet der Oberstufe Bad Zurzach über die Herausforderungen des sechsten Primarschuljahres und über ihre Antworten darauf.

Visionäre Zusammenarbeit

Christina Kalt-Kruthoff (Schulleiterin Bad Zurzach) durfte im Gemeindezentrum Langwies über hundert interessierte Eltern begrüssen, weit mehr als erwartet werden durften. Sie gab dabei ihrer Freude Ausdruck und wies darauf hin, dass die Zusammenarbeit der Primarschulen im Zurzibiet im Hinblick auf die Einführung der sechsten Primar fast schon visionären Charakter aufweist: Die Schulleitungen aller Primarschulen im Zurzibiet und Eltern aus allen Gemeinden versammeln sich an einem Ort um sich über ein gemeinsames Anliegen auszutauschen.

Vielfalt und andere Herausforderungen

In einem ersten Teil wurde aufgezeigt, welche Herausforderungen neu auf Schüler und Eltern zukommen. Aloisia Volmering (SL Rietheim) erläuterte die neue Stundentafel mit 31 Pflichtlektionen und die damit verbundenen Folgen für die Stundenpläne. Dabei stellte sie fest, dass zwei unterrichtsfreie Nachmittage, wie an der Mittelstufe bis anhin die Regel, und Unterricht erst ab 8 Uhr nicht vereinbar sind. Ein Übergangslehrplan, der sich stark am Lehrplan der ehemals ersten Sekundarschulklasse orientiert, dient als Vorgabe der Lernziele, bis der Lehrplan 21 umgesetzt wird.

In einem sehr persönlich gehaltenen Referat sprach Thomas Schmid (Primarlehrer Rietheim) darüber, vor welche Herausforderungen er sich und seine Schule gestellt sieht. Er erwähnte die gemeinsamen Schulanlässe, die den Interessen der Sechstklässler vielleicht nicht mehr entgegen kommen, die klimatischen Veränderungen durch die Pubertät, die Erwartungen der Oberstufe.

Nicole Rutschmann (SL Bad Zurzach) nahm den Faden auf und betonte, dass die grösste Herausforderung die zunehmende Vielfalt in der Klasse sein wird. Während die Schüler des sechsten Schuljahres bis anhin entsprechend ihrer Leistungen in drei Oberstufen-Leistungszüge aufgeteilt unterrichtet wurden, werden sie künftig gemeinsam unterrichtet. Das verstärkt die ohnehin schon grosse Heterogenität in den Klassen zusätzlich. Aber auch die Unterschiede Mädchen-Jungs, Entwicklungsunterschiede, die Altersdurchmischung, Unterschiede der Herkunft werden noch stärker zu spüren und im Unterricht zu berücksichtigen sein. Fragestellungen, mit denen sich die Oberstufe auseinandersetzt, Umgang mit Suchtmitteln und Medien usw., werden künftig auch an der Mittelstufe mehr Bedeutung gewinnen.

Urs Schweri (SL Siglistorf) stellte kurz die Lehrmittel vor, mit denen an der 6. Primar gearbeitet wird. Es sind mehrheitlich die gleichen Lehrmittel, mit denen heute bereits die Oberstufe arbeitet. In Fächern, in denen für die Schulen Wahlmöglichkeiten bestehen, haben sich die Primarschulen des Zurzibietes darauf geeinigt mit dem gleichen Lehrmittel zu arbeiten. Vor allem das Fach Realien (Biologie, Geschichte, Geografie) wird zur Knacknuss, weil neues, vertieftes Wissen an Schüler mit unterschiedlichstem Leistungsvermögen vermittelt werden muss. Dani Berz und Barbara Ryser (Primarlehrpersonen Bad Zurzach) zeigten exemplarisch auf, wie sie diese Nuss knacken wollen. Beide betonten den Wert der installierten Zusammenarbeit zwischen den Sechstklasslehrpersonen der Region, die Unterricht bereits jetzt gemeinsam vorbereiten.

Während das Übertrittsverfahren an die Oberstufe unverändert bleibt, bietet die 6. Primar die Chance, den Übertritt länger und sorgfältiger vorzubereiten, mit Vergleichsarbeiten in der Region zum Beispiel.

Pilotprojekt „Gemeinsam in die 6. Primar“

Christina Kalt-Kruthoff und Peter Wunderlin (SL Kreisprimarschulen Belchen und Chrüzlibachtal) schilderten, wie es zur gemeinsamen Vorbereitung auf die 6. Primar gekommen war. In regelmässigen Austauschrunden der Schulleitungspersonen war schon vor Jahren das Bedürfnis gewachsen zuerst die Zusammenarbeit auf Leitungsebene und dann auch zwischen den Primarschulen im Zurzibiet zu stärken. Auf der Suche nach einem Zusammenarbeitsprojekt, das sich an gemeinsamen Bedürfnissen und Interessen der Schulen und Lehrpersonen orientiert, stiess man auf die Einführung der sechsten Primar. Man formulierte einen Projektauftrag, der im April 2013 von allen Schulpflegen verabschiedet wurde. Seit dem 15. Oktober 2013 bereitet sich eine Arbeitsgruppe, zusammengesetzt aus den Schulleitungspersonen und den künftigen Sechstklasslehrpersonen auf die 6. Primar vor. Nach dem Studium von Lehrplänen und Lehrmitteln lag ein Arbeitsschwerpunkt auf der Vorbereitung von Realien-Unterricht in schulübergreifend zusammengesetzten Teams.

Am 22. April vertiefte sich die Arbeitsgruppe in der Probstei Wislikofen an einem Weiterbildungstag in Fragen des Umgangs mit Vielfalt. Wie muss Unterricht gestaltet sein, dass er möglichst vielen individuellen Bedürfnissen gerecht wird, dass möglichst viele Schüler entsprechend ihren Fähigkeiten bestens gefördert werden können? Auch wenn diese Herausforderung alles andere als neu ist für die Schule, auch wenn es für diese Herausforderung längst bewährte Konzepte gibt, stehen alle Primarschulen der Region vor der Aufgabe, sich vertieft damit zu befassen und den Unterricht weiter zu entwickeln.

Deshalb wird die bestehende Arbeitsgruppe weiterhin zusammen arbeiten, Erfahrungen austauschen, Unterricht planen und weiterentwickeln. Und mit ähnlichen Projekten soll die Zusammenarbeit der Schulen künftig weiter gestärkt werden.

Fragen, Finale und Apero

Christina Kalt-Kruthoff und Peter Wunderlin beantworteten im Anschluss an den Informationsteil Fragen aus dem Publikum und betonten, dass die Zusammenarbeit der Schulen gut, bereichernd und motivierend ist. Das Motto „gemeinsam statt einsam“ hat sich mehr als bewährt. Die Primarschulen im Zurzibiet gehen die Aufgabe „6. Primar“ motiviert und mit Freude an und sind sich der neuen Herausforderungen bewusst.

Um die erfolgreiche Zusammenarbeit zu illustrieren besammelten sich zum Schluss der Veranstaltung alle anwesenden Mitglieder der Arbeitsgruppe, Lehr- und Schulleitungspersonen, vor dem Publikum. Mit warmem Applaus bedankten sich die Eltern für den Informationsabend und bei Speckzopf und spannenden Gesprächen klang der Abend beim Apero aus.

Von Gabi Hess