Obersiggenthal (Nussbaumen)

Gemeindeammannwahl: Worin genau besteht die Qual?

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Wenn der Gemeindeammann und die Mitglieder des Gemeinderates von gewisser Seite stark kritisiert werden, hat dies wahrscheinlich weniger mit Personen, als vielmehr mit den zum Teil echten, zum Teil aber auch stark dramatisierten finanziellen Rahmenbedingungen zu tun: Aufgrund der strikten Sparentscheide der bürgerlichen Parteien auf kantonaler und kommunaler Ebene ist der Spielraum für die Gemeindeexekutive sehr eng geworden. Wenn man von letzterer nun ständig und lauthals verlangt, dass sie vor noch weitergehenden Sparforderungen immer sofort stramm zu stehen habe, ist der Konflikt programmiert: Gemeindeammann und Gemeinderäte können und sollen nicht einfach blind Leistungsabbau betreiben. Die Exekutive hat nicht nur eine oder zwei Parteien als Auftraggeber.

Umso wichtiger, dass - u.a. mit Aline Schaich - daher auch in Zukunft das Segment der Bevölkerung im Gemeinderat vertreten ist, das den Begriff „Gemeinde“ nicht nur als Sparobjekt, sondern als zu gestaltenden Lebensraum versteht. Um dies zu realisieren, braucht es nicht in erster Linie eine Auswechslung der Gemeindeexekutive – wie dies etwa der Ex-Fraktionspräsident der SVP vorschlägt – als vielmehr ein konstruktiveres Aufgabenverständnis der Parteien in der neuen Legislatur. Ein echtes „Ja zu einer lebendigen Gemeinde“ anstelle eines „Ja zum Nur-noch-Sparen“ würde nicht zuletzt auch die Arbeit der zwar motivierten, aber unter hohem Druck stehenden Gemeindeangestellten fördern, Personalfluktuationen mindern und damit echte Sparbeiträge bringen.

Ob einer der offiziell oder inoffiziell für das Ammannamt Kandidierenden dieses Umdenken einzuleiten vermag, ist leider nicht zu erkennen – und hängt wohl vom Spielraum ab, den die Wählerbasis verleihen wird. Erst dann wird auch der Gemeindeammann - wer immer es sein wird - wieder konstruktiv arbeiten können.

Hans-Ulrich Schütz, Rieden

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