An den kommenden Gemeindeversammlungen der beiden Gemeinden Erlinsbach AG und SO Ende November wird über die Einführung von „Tagesstrukturen im Erzbachtal“ abgestimmt. Im Hinblick auf diesen Entscheid liessen sich die Erlinsbacher Freisinnigen und einige Interessierte im Rahmen einer aufschlussreichen Vortragsreihe zu verschiedenen Aspekten der Tagestrukturen informieren. Die Freisinnigen unterstützen die verbesserte Abstimmung von Beruf und Familie und stimmen der Einführung von Tagestrukturen zu, sie favorisieren gemeindeweise definierte Angebote mit hohem Anteil von Privatinitiative.

Die Leiterin der Villa Kunterbunt in Staufen, Katja Früh eröffnete die Vortragsreihe und beleuchtete insbesondere die operative Führung von Tagesstrukturen. Sie begeisterte die Zuhörer mit ihren Ausführungen über den Aufbau ihres Horts und der Tagesstrukturen, auf freiwilliger und privater Basis.

Früh: „Um ein Kind gross zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf“
Sie erzählte von den unternehmerischen Herausforderungen und vermochte zu überzeugen, dass Freiwilligkeit ein grosser Ansporn für Eltern, Firmen und die Gemeinde ist, kostengünstige und effiziente Lösungen zu finden. Die breite Akzeptanz und Unterstützung, die sie dank ihrem freiwilligen Einsatz erfahren darf, versinnbildlichte Früh mit dem Zitat „Um ein Kind gross zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf“.

Gautschy: Wer zahlt, befiehlt!
Renate Gautschy, FDP-Grossrätin und Präsidentin der Gemeindeammännerver­einigung des Kantons Aargau leitete mit anerkennenden Worten über zum Überblick über die Situation in den einzelnen Gemeinden. Anhand einer repräsentativen Umfrage wies sie darauf hin, dass die Bedürfnisse der Gemeinden in Bezug auf familienergänzende Betreuung sehr unterschiedlich seien. Viele Gemeinden hätten bereits eigenverantwortlich individuelle und zweckmässige Lösungen gefunden. In dieser Hinsicht seien kantonale Vorschriften in Form eines Rahmengesetzes eher kritisch zu beurteilen. Die Gemeinden wehren sich dagegen, vom Kanton mit vielen Auflagen und Vorschriften dazu verpflichtet werden, Tagesstrukturen zu schaffen und gleichzeitig die Kosten dafür zu übernehmen. Einerseits werde damit das Äquivalenzprinzip missachtet: Es besagt, dass die gesetzgeberische Instanz für die verursachten Folgekosten selber gerade stehen muss. Andererseits sei das vorgeschlagene Rahmengesetz aufgrund der grossen Unterschiede in den einzelnen Gemeinden nur schwierig anzuwenden. In der zweiten Lesung des Grossen Rats im Januar 2016 sehe sie noch einiges Verbesserungspotential.

Private Angebote nicht hemmen
Den dritten Teil bestritt CVP-Gemeinderätin Monika Schenker, Verantwortliche für die Einführung von Tagesstrukturen in Erlinsbach und stellte das angedachte Modell vor. Sie stieg ins Thema mit den Ergebnissen der durchgeführten Umfrage bei den Eltern zum Bedürfnis nach Tagesstrukturen ein. Danach erklärte Sie das Finanzierungsmodell sowie die speziellen Herausforderungen für die zukünftige Trägerschaft, unter anderem, dass die Kinder aus den verschiedenen Kindergärten und Schulhäusern in die entsprechenden Lokalitäten zusammengeführt werden müssten. Mit der eher zurückhaltenden Subjektfinanzierung liegt auch in Zukunft die finanzielle Verantwortung bei den Anbietern von Tagesstrukturen.

Die Freisinnigen konnten sich in der darauf folgenden Diskussion eine fundierte Meinung über die verschiedenen Aspekte von Tagesstrukturen bilden. Beim anschliessenden Umtrunk wurden auch die Vor- und Nachteile des unbedachten Rufs nach mehr Staat kontrovers diskutiert. Die FDP Erlinsbach sieht der Einführung von Tagesstrukturen positiv entgegen und wird die Entwicklung weiter verfolgen.