Irgendwo zwischen den Fotoalben kamen mir zwei Ansichtskarten in die Finger.  Auf der einen standen die Notizen: Wallfahrt zu Fuss 30. April 1977/ Abmarsch Rest. Engel 02.00 Uhr/  Ankunft Einsiedeln 15.15 Uhr/ Morgenessen Rest. Kreuz  in Zug/ Mittagessen Rest. Raten/ Teilnehmer 13 Personen/ Wetter: Schnee auf dem Raten. Auf der anderen Karte stand: Wallfahrt zu Fuss 26. April 1997/ Abmarsch Rest. Engel  02.30 Uhr/ Mittagessen auf dem Rämsli aus dem Rucksack/ Teilnehmer 170 Personen.

Ja es war in den Mitt-70iger Jahren als man  unter einer  kleinen Schar Pilger diskutierte, wie es mit dieser Wallfahrt weitergehen soll. Die Teilnehmerzahl wurde von Jahr zu Jahr kleiner. Es schien, dass nach gut 25 Jahren wahrscheinlich genug sei und es  nicht mehr in die moderne Zeit passe. In der Tat war es so, dass eine umwälzende Zeit begann und Veränderungen auch einen solchen Anlass nicht unberührt liessen.

Mit jedem Jahr gab es mehr des Weges der zu asphaltiert wurde. Gesuchte Alternativen fielen einfach später der Teermaschine zum Opfer.  Auch der frühmorgendliche Halt  in Oberwil  war geradezu spartanisch. Kaffee gab es noch keinen, man war aber froh, die Wärme des Stalles zu geniessen und auf dem Stallbänkli den Beinen etwas Entlastung zu gönnen.  Nach diesem kurzen Rast hinkten nicht selten die Einen oder Anderen schon, denn das Schuhwerk war nicht immer das sportlichste. Beim nächsten Halt im Kapuzinerkloster in Zug besuchte die kleine Pilgergruppe  die Frühmesse. In der Klosterkirche in Einsiedeln lauschte man zum Abschluss des Pilgertages nur noch dem Salve der Mönche.

Wenn ich an die Zeit von 1997 denke, also 20 Jahre später, so sah doch vieles wieder anders aus. Die Pilger sind sportlich gekleidet, das Schuhwerk den Anforderungen angepasst  und liessen so  die Unannehmlichkeiten des Asphalts kompensieren. Die Pilger sind mit Rucksack unterwegs und die Walking-Stöcke wurden salonfähig.  Auch die Teilnehmerzahl stieg wieder an.

Mit diesen Erinnerungen nahm auch ich dieses Jahr wieder den Weg nach Einsiedeln unter die Füsse. Die abwechslungsreiche Route durch die Reussebene in das Zugerland und von Zug über voralpines Hügelgelände mit seinen Weit- und Tiefblicken fasziniert alle Jahre wieder. Vor allem bei solchem Wetter wie wir es letzten Samstag erleben durften.  Der Föhn bescherte uns eine Fernsicht,  die weit über die schon zurückgelegte Strecke reichte.  

Die Teilnehmerzahlen zeigen auf, dass das Pilgern wieder  einem Bedürfnis entspricht. Immer sind auch Jugendliche mit dabei und erleben so auf ihre Art einen speziellen Tag. Eine junge Familie war auch unterwegs und pilgerte mit ihrem Kleinsten nach Einsiedeln. Allerdings das Kleinste war erst ab Oberägeri mit dabei und schlief und träumte an Papas Rücken selig.  Auf dem Klosterplatz wurden wir mit Alphornklängen erwartet. Im vollbesetzten Oratorium feierte Vikar Richard Strassmann  die Messe für uns Pilger und auch hier durften wir nochmals in den Genuss der dezenten Klänge der hölzernen Instrumente  kommen.

 Auf jeden Fall habe ich mir nach 15 Jahren seit der letzten Karte  wieder eine neue Ansichtskarte gekauft  und darauf vermerkt: Wallfahrt zu Fuss 28. April 2012/ Wetter sommerlich warm und windig/ Teilnehmer ca. 180 Personen/ neue Route über das Zigermoos-Rämselbrüggli  und St. Jost/ Alphornklänge auf dem Klosterplatz!

Dankbar für die Gesundheit, die interessanten Begegnungen  und das Erlebte während dieser  Fusswallfahrt reserviere ich mir den letzten Samstag im April 2013 wieder. rk