Wohlen (AG)

Freiämter Forstverein auf Reisen

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Traditionsgemäss im 2-Jahresturnus geht der Freiämter Forstverein (3. Aarg. Forstkreis) auf Reisen. Diesmal ins Glarnerland. Im Sernftal gelegenen Engi ging’s vorerst zügig zu Fuss bergwärts zum Plattenberg. Dort erlebten wir im Bergesinnern bei etwa 10 Grad eine 2 ½ stündige Führung durchs ehemalige Schieferbergwerk.

Geschichte des Schieferabbaus
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der dortige Schieferabbau 1565. Für das Glarnerland, speziell für viele Familien des Sernftals war der Abbau des Schieferfelsens eine bedeutende Einnahmequelle. Nach einer Flaute im 18. blühte der Abbau des glatten, grauschwarzen Gesteins im 19. Jahrhundert nochmals auf. Um etwa 1920 ging die Produktion stark zurück und musste 1961 aus wirtschaftlichen, aber auch als arbeits hygienischen Gründen eingestellt werden.

1997 wurde im Talgrund von Engi ein Pavillon erstellt, wo eine Ausstellung zur Geschichte des Schieferbergwerkes gezeigt wird. Das eigentliche Bergwerk umfasst drei Etagen. Nebst einer Tonbildschau im mit einer hervorragenden Akustik versehenen „Konzertsaal“, hören die Besucher von den einheimischen Begleitern viel Interessantes im heimeligen Glarner Dialekt.

Harte Arbeit
Mit Hämmern und Keilen wurden die Schieferplatten bei feuchtem, staubigen Klima und bei schwachem Licht der Öllampen von den Wänden gelöst und ans Tageslicht befördert. Von dort gelangten die Platten auf unterschiedliche Weise nach dem 7 km entfernten Schwanden. Diesen Transport besorgten Frauen und Kinder, weil sie billigere Arbeitskräfte waren als Zugtiere. Die Schieferplatten wurden entweder getragen oder auf Erlenstauden gebettet gezogen. Bis zu 3x täglich legten sie den beschwerlichen Weg nach Schwanden zurückgelegt – ein Marathon auf spezielle Art!

Schieferplatten fanden unterschiedliche Verwendung: vor allem zum Decken der Wohnhäuser und Ställe, als Tischplatten oder als Schreibtafeln für Schulkinder. Noch heute sind sie für unsern Nationalsport Jassen unentbehrlich.

Noch ein interessantes Detail: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entdeckten Naturforscher auf den Schieferplatten Tierversteinerungen. Vorher wurden solche Platten als fehlerhaft weggeworfen.

Ausblick
Nach rund 2 ½ Stunden erblickten wir wieder das Tageslicht. Bei wohliger Wärme genossen wir beim Plattenhüttli ein mittels Holz gegrilltes „Bergwerksteak“ sowie einige Glarnerspezialitäten in fester und flüssiger Form. Für diesen interessanten Ausflug ins Ziegerland sei dem Organisator Werner Sonderegger (Sarmensdorf) herzlich gedankt.

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