Im herbstlich geschmückten Saal des reformierten Kirchgemeindehauses versammelte sich am vergangenen Samstagmorgen eine überaus zahlreiche Schar von Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen, die nach dem feinen Frühstück gespannt auf den angekündigten Vortrag warteten. Die Referentin zeigte in diesem auf, wie Veränderungen in jedem Leben gewollt und ungewollt eine Rolle spielen und wie man mit ihnen umgehen kann. Christine Stalder ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Sie wohnt in Riehen BS macht psychosoziale Beratungen und ist in Supervision und Coaching tätig. Ihr Referat wurde von Ursi Cimino und Isabelle Erismann mit erfrischenden Stücken auf der Handharmonika musikalisch umrahmt.

Natürliche Veränderungen im Leben
Am Beispiel ihrer Familie zeigte die Referentin auf, wie sich in den meisten Fällen das Familienleben im Laufe der Jahre verändert. Doch nicht nur dieses ist immer im Umbruch, auch wir Menschen selber werden älter mit allen Begleiterscheinungen (graue Haare, Falten usw.). Von der Zeugung an entwickelt sich der Mensch ständig und dies in guter Umgebung bis ins hohe Alter. Es sei beeindruckend, was ältere Menschen noch fähig seien zu leisten, meinte die Referentin. In der Jugend hätten viele das Gefühl, dass alles möglich sei, doch mit der Zeit merke man dann, dass es Situationen und Umstände gäbe, die man sich nicht aussuchen könne. Wie man jedoch auf diesereagiere, hänge wiederum stark mit der eigenen Persönlichkeit zusammen. Man müsse im Leben immer wieder flexibel sein, Altes loslassen und bereit sein für Neues, riet Frau Stalder.

Die Chancen der Veränderungen
Meist bewerte man sehr schnell, indem man z.B. eine Situation furchtbar oder eine Beziehung super finde, was aber letztendlich auf eine Beurteilung von sich selber hinaus laufe, die mit der Persönlichkeit und den gemachten Erfahrungen zusammenhänge, erklärte die Referentin. Diese würden unsere Zukunft prägen. Der Umgang mit Gefühlen helfe uns, dass wir uns in bestimmten Situationen eher zurechtfänden, weil wir uns selber besser spüren würden. Es wäre schrecklich, wenn es keine Veränderungen gäbe im Leben, denn dann fände keine Entwicklung mehr statt. Das Schöne vergehe, aber auch das Schlechte werde wieder abgelöst. Jedoch gäbe es auch festgefahrene Muster z.B. in Beziehungen wie: Schweigen und Rückzug / Nähe und Freiraum, Hilflosigkeit und Fürsorge. In solchen Kreisläufen gebe es oft keine Veränderung, keine Entwicklung mehr. Doch würden gerade Veränderungen Chancen in sich bergen, die man im Moment oft gar nicht erkenne wie z.B. eine Einsicht, die man vorher nicht hatte. Oft würden sich auch Prioritäten verschieben, indem sich deren Stellenwert und Wichtigkeitsgrad verändere, meinte die Referentin und erzählte von ihrer persönlichen Erfahrung, die plötzlich über sie und ihre Familie hereinbrach. Die positiven Seiten dieser veränderten Lebenssituation konnten sie dann aber erst rückblickend erkennen.

Umgang mit Emotionen
Am Ende ihres Referates stellte Frau Stalder den jungen Josef aus der Bibel in den Mittelpunkt und zeigte anhand seines Lebens auf, wie er mit seinen extremen Gefühlen in seiner Rolle als Lieblingssohn seines Vaters, beim Verstoss und Verkauf durch seine Brüder an Aegypter usw. umging. Er verlor alles und musste sich auf eine völlig neue Situation als Sklave in einem fremden Land einstellen. Von dieser Biographie könne man lernen, dass man nicht ums Verlorene trauern und stehen bleiben solle, sondern immer wieder neuen Mut zum Weitergehen fassen müsse. Josef liess sich nicht von seinen heftigen Gefühlen beherrschen und so sei es auch für uns ratsam, immer wieder die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen, indem man darauf achte, dass seelische Wunden heilen könnten. Dies sei in der Schöpfungsordnung enthalten, betonte die Referentin. Man könne der Trauer oder heftigen Gefühlen bestimmte Zeiten einräumen, während denen man traure, aber danach müsse man wieder aufstehen. Der Selbstwert von Josef lag nicht in irdischen Dingen (Gewand, Beziehung zur Familie usw.), sondern in seiner Beziehung zu Gott. Dieser, unser Schöpfer, gäbe nicht Kraft im voraus, sondern immer im Moment, wo man sie brauche, sprach die Referentin aus Erfahrung.
Zum Schluss wünschte sie ihren Zuhörerinnen, dass diese lernten Veränderungen und Herausforderungen immer wieder aufs Neue zu begrüssen, so wie ein begeisterter Surfer die nächste Welle begrüsse und dabei immer geschickter werde im Zusammenspiel vom Gegebenen und den eigenen Wünschen. Ferner wünschte sie ihnen, dass sie Mut und Vertrauen behalten können, auch dann, wenn eine Welle sie überspüle!
CD's dieses Vortrages können bei Ch. Weber, Unterfeldstr. 8, 5727 Oberkulm für Fr. 11.-- bezogen werden. Das nächste Treffen findet am 18. Februar 2012 statt. Frau Lotti Schum aus Muri BE spricht dann zum Thema: „Aelter werden alle - aber wie?" (chg)