Wenn Sybil ihrem Steven beginnende Anzeichen von Demenz wegen eines vor einem Blumenladen vergessenen Hundes vorwirft und Steven ihr im Gegenzug geistige Abwesenheit mit Todesgefahr wegen verlassen des Autos in einer vollautomatischen Waschanlage unter die Nase reibt, dann sind Sie nicht Zuhörer einer Diskussion im „Zischtigsclub“ über die Anfänge der Alterssenilität, sondern Besucher der Comedy-Lesung von Schreiber vs. Schneider am Mittwoch 12. März, abends in der Kirche Muhen. Über 200 Besucherinnen und Besucher amüsierten sich köstlich über die Komik und die spannende und gekonnte Darstellung der häufig recht banalen Alltagsszenen.

Schneider fühlt sich als Easy-Rider, als er sich mit seinem Kommunions-Götti-Buben auf einem uralt Puch-Töffli, - von seiner älteren Tochter fragend als „Patsch“-Töffli bezeichnet - den Gotthardpass hinaufquält und dabei mitten in eine Gruppe von echten Lederjacken auf ihren schweren Harleys und Moto-Guzzis gerät. Seine Gattin zieht es eher in die psychisch-sinnliche Richtung in Form eines Anti-Stress Trainings, mit Atmungs- und Entspannungsübungen, bei denen man nach und nach alle seine Körperteile, angefangen von der Ferse über die Kniescheibe bis zu den inneren Organen, bewusst wahrnehmen soll.

In den pointenreichen Dialogen, gespickt mit vielen Seitenhieben, wird manches Paar auch eigene Situationen und Begebenheiten erkannt haben. Die schlicht gehaltene Szenerie im Chor der Kirche wurde durch die hell erleuchtete Beton-Glasfensterfront unterstützt, die wegen dem fehlenden Aussenlicht wie ein gewaltiges schwarz-weiss-Mosaik wirkte.

Der Abend wurde vom Frauenmorgen -Team Muhen hervorragend organisiert, von der Vorstellung der Künstler bis zum anschliessenden sehr reichhaltigen Apéro nach der Comedy-Lesung im Kirchensaal.

Besucher die bis jetzt nicht zu den Stammlesern der Coop-Zeitung gehört haben, werden sich diese Kolumne in Zukunft kaum mehr entgehen lassen.

 Frauenmorgen Muhen