Am Tag der modernen sakralen Architektur von Samstag, 28. Oktober 2017 erlebten rund 400 Personen in neun sakralen Bauten und fünf Kantonen der Inner-schweiz Führungen in ausgewählten Architektur-Perlen der Sakrallandschaft In-nerschweiz. Im Freiamt kamen die Besucher gleich zu zwei Führungen: In der Muttergotteskapelle Oberniesenberg bei Kallern und in der Kirche des Klosters Muri.
Peter Büttler, Präsident des Kapellenvereins Oberniesenberg begrüsste über 40 Architekturinteressierte vor der im Jahr 1962 vom Architekten Hans A. Brütsch aus Zug erbauten Kapelle. Marie-Louise Küchler erläuterte die Geschichte dieses mar-kanten Bauwerks, das unter Denkmalschutz steht: «Ein Legat der Grosstante mei-nes Mannes legte den Grundstein für diese wunderbare Kapelle. Aber erst durch die Mithilfe von vielen Stiftungen und Privaten sowie diversen Kirchen-Bazaren konnte der schlichte Bau in Angriff genommen werden.» Wie bei allen Sakralbau-ten habe der Architekt Kirchenraum und Chor zusammengefasst. Die Kunst-schmiedearbeiten stammen von Ferdinand Hasler, Altstätten SG und die Glasfens-ter habe der bekannte Künstler Ferdinand Gehr beigesteuert. Sie freue sich sehr, dass seine Tochter ebenfalls hier sei und über dessen Arbeit erzählen könne.
Franziska Gehr erzählte herzerfrischend, wie ihr Vater sich jeweils zuerst wochen-lang in der Kammer zurückgezogen und über ein Kunstwerk nachgedacht habe, bevor er erste Skizzen dazu erstellte. Ab der 60-er Jahre habe sie ihn immer mit dem Auto zu den Baustellen chauffiert, da er nicht selber Auto fahren konnte. Sie erläuterte, wie die farbigen Fenster für die Muttergotteskapelle Oberniesenberg entstanden sind. Auf die Frage nach Rückschlägen sprach sie über die Ablehnung seiner Kunst durch die Kirchenmitglieder in der Kirche Bruder Klaus in Oberwil/ZG. Diese habe ihn als Künstler sehr getroffen. Zum Abschluss spielte die Harfistin Alina Hagmann einige verträumte Stücke und zeigte damit, über welchen wunderbaren Klangkörper diese Kapelle verfügt.

Von Zahlen und Himmelsrichtungen
Ganz eine andere Welt zeigte den rund 30 Architekturinteressierten der Klosterführer Peter Hägler in der Klosterkirche von Muri. Dank seinem profunden Wissen rückten zahlreiche Details dieser barocken Perle mit gotischen Einflüssen und ro-manischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert in den Vordergrund. Vom Eingang im Westen tritt man in den abgedunkelten Bereich der Beichtkirche ein. Dann öff-net sich die farbenfrohe Festlichkeit des lichtdurchfluteten Oktagons, das erst 1695 in die romanische Basilika hineinkomponiert wurde. Unterhalb der Kanzel sind die beiden Klostergründer, Radebot aus dem Haus Habsburg und seine Gemahlin Ita von Lothringen, in prächtigen Gewändern zu sehen. Anschliessend an das Oktagon sind südlich und nördlich die beiden Märtyrerkapellen angefügt. Es folgt das zentrale Chorgestühl und ganz im Osten liegt der reich geschmückte Hochaltar unter dem die Krypta liegt. Auf dem Hochaltar ist links der Klosterpat-ron Martin und rechts der Ordensgründer Benedikt von Nursia verewigt. Die ge-samte Konstruktion wird durch die beiden Türme im Westen und die beiden Seitenkapellen (Marienkapelle und Benediktsaltar) im Osten stabilisiert. Immer wieder wies Peter Hägler die Teilnehmenden auf die zahlreiche versteckten Zeichen, Zahlenkombinationen und Elemente in dieser reich ausgestatteten Kirche hin. Zum Abschluss der Führung wurde der Kreuzgang mit den prächtigen Glasgemäl-den auf den Scheiben begangen, bevor der Klosterführer im warmen Besucher-zentrum die letzten Fragen der zahlreichen Architekturinteressierten beantwortete. Weitere Informationen: www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch

Die Innerschweiz verfügt über viele bekannte und weniger bekannte Wallfahrts- und Pilgerorte sowie kunsthistorisch hochstehende Sakralbauten von nationaler Bedeutung. Der Verein Sakrallandschaft Innerschweiz mit derzeit rund 100 Mit-gliedern hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Belebung der sakralen Schätze und kirchlichen Traditionen der Innerschweiz zu leisten. Dazu finden jährlich ver-schiedene Aktionen statt. Mit der Lancierung der «Himmlischen Pfade» hat der Verein ein Wanderwegnetz geschaffen, das die sakralen Orte vernetzt. Die «Himmlischen Pfade» beinhalten sowohl einfache Spazierwege wie auch anspruchsvolle Bergwanderungen. Weitere Infos: www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch

Beatrice Suter, Geschäftsstelle Sakrallandschaft Innerschweiz