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Annemarie Rothenbühler gibt Tips und Anregungen

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Annemarie Rothenbühler gibt Tips und Anregungen

Eine Erkrankung an Demenz ändert für Betroffene und für die Angehörigen alle Lebensumstände. Pläne und Wünsche für den Ruhestand werden durchkreuzt. Eine Neuorientierung ist nötig. Wie reagieren wir auf die immer wiederkehrenden Fragen? Wann und wo sollen wir Hilfe holen? Machen wir zuviel, zu wenig? Wie und wo regenerieren wir uns?

Annemarie Rothenbühler, Beraterin der Alzheimervereinigung Aargau, erzählte packend und in verständlichen und einfühlsamen Worten über die Demenzkrankheit, über das Schicksal der Betroffenen und ihrer Angehörigen und ging auf Fragen und persönliche Anliegen der zahlreichen aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern ein.

Die Demenzkrankheit ist kein einheitliches Krankheitsbild. Es gibt verschiedene Facetten, aber auch verschiedene Ursachen. Im Aargau leben 6'600, in der ganzen Schweiz 110'000 demenzkranke Menschen.

Typisch für die Demenzkrankheit ist ein fortschreitendes Nachlassen der intellektuellen Fähigkeiten. Im Anfang sind Betroffenen reizbar, das Gedächtnis lässt nach. Dabei sind die Erinnerungen ausgeprägter, Neues wird weniger aufgenommen. Es folgen Wortfindungsstörungen, die oft erstaunlich gut überdeckt werden, denn Demenzkranke sind meist gute Schauspieler! Später kommt es zum Rückzug, zur Isolation, aber auch zur Desorientiertheit. Im letzten halben Lebensjahr muss meist ein Pflegeheim die 24 Stunden-Betreuung übernehmen.

Für die Angehörigen bedeutet die Krankheit eine enorme Herausforderung und Belastung. Und erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl. Frau Rothenbühler hat aus ihrem reichen Erfahrungsschatz wichtige Tips und Anregungen gegeben, beispielsweise: Die Kommunikation soll in kurzen, einfachen, langsamen Sätzen in Augenkontakt erfolgen. Immer wiederkehrende Fragen können durch schriftliche Affichen am geeigneten Ort vermieden oder durch Ablenkung auf ein anderes Gebiet gebracht werden. Allerdings gibt es keine verbindlichen Patentrezepte, denn jeder Mensch ist wieder anders. Und Kranke haben Realitäten, an die wir uns anpassen müssen. Vor allem aber: Demenzkranke wollen einem nicht z’leidwerken.

Eine wichtige Frage ist auch die körperliche Distanz: Wie zeigen wir das Gefühl der Nähe, wo ist die Grenze? Es ist auszuprobieren, ob Singen, Handmassagen, Musik, Tanz ein Gefühl von Freude auslösen. Eine gefühlte Verbindung ist da, manchmal zu merken beim Betrachten eines alten Fotoalbums.

Für die Angehörigen selbst ist es von zentraler Bedeutung, dass sie ihren Tag selber gestalten und sich nicht von der Krankheit „auffressen“ lassen. Die Aktivitäten des Kranken sollen einem nicht peinlich sein, oder zum Problem werden. Eine willkommene Unterstützung bieten Tageskliniken, welche die Angehörigen tagsüber entlasten können.

Für alle Fragen im alltäglichen Leben mit einem demenzkranken Menschen bietet die Alzheimervereinigung neu eine kostenlose zugehende neutrale Beratung zu Hause und im Heim an.

5000 Aarau, 8. August 2012

Katharina Gamp, Aarau

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