Sins

Fernfahrt des Sinser Veloclubs

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Der Veloclub Sins ist ein Verein, der sich bewegt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2015 waren verschiedene Mitglieder unseres Vereins bereits in den Ländern Spanien, Italien und Kroatien unterwegs und erkundeten Destinationen wie Mallorca, Lanzarote, Mojácar, Cesenatico und Poreč per Velo.

Am 9. Mai 2015 nahmen zehn gut vorbereitete „Gümmeler“ des Veloclubs Sins das „Veloreisli 2015“ in Angriff, das sie von Alicante im Süden Spaniens über Frankreich wieder in die Schweiz zurückführte.

Mit grosser Vorfreude, aber auch mit Respekt vor der langen Fernfahrt, starteten wir bei sommerlichen Temperaturen die Einrolletappe von Alicante via Benidorm nach Calpe, der bekannten Ferienstadt mit der markanten Felsenhalbinsel „Penon d’Ifach“.

Die 2.Etappe führte uns entlang der malerischen Costa Blanca, durch den Naturschutzpark „L’Albufera“ bei Valencia, bis Sagunt, einem kleinen Badeort nördlich von Valencia. Auch mit Defekten hatten die Fahrer bereits am zweiten Tag unserer Reise zu kämpfen. Mitten in Valencia platze der erste Reifen und später kam noch ein platter Reifen dazu.

Von Sagunt ging es am kommenden Tag weiter entlang der Costa del Azahar - auch die Küste der Orangenblüten genannt – durch ausgedehnte Plantagen und am herrlichen Strand von Castello vorbei, Richtung Benicassim. Auf guten Strassen radelten wir über 182 km und etwa 1000 Höhenmeter in hohem Tempo durch welliges Terrain bis nach Tortosa, einer schönen Agrar-Stadt am Unterlauf des Ebro.

Die 4. Etappebrachte uns über 142 km von Tortosa, im weiten Bogen um Barcelona herum, nach Coma Ruga an der Costa Dorada, wo sich alle eine Erfrischung im bereits recht warmen Meer genehmigten.

Das kleine Städtchen Berga, das Ziel des 5. Tages, lag 161 km im heissen Landesinneren. Auf den Velocomputern wurden unterwegs Temperaturen von über 40 °C aufgezeichnet. Der erste Streckenabschnitt am Morgen führte uns durch das unendlich grosse Weinanbaugebiet Penedès mit tausenden, ja abertausenden von Rebstöcken. Leider hatten wir keine Zeit für eine Degustation vor Ort. Die Route durch das coupierte und bewaldete Hinterland und den Naturpark von Montserrat bot wundervolle, abwechslungsreiche Ausblicke.

„Adios España!” - „Vive la France!” war am 6. Tag angesagt. Bei hervorragenden Wetterbedingungen fuhren wir über 161 km durch das bergige Vorland der Pyrenäen und über den 1‘513 Meter hohen Col d'Ares bis nach Argelès-sur-Mer, das mit seiner einzigartigen Lage zwischen Meer und Bergen besticht. Die 60 km lange Abfahrt vom Col d'Ares bis nach Argelès-sur-Mer war ein Hit. Die ganze Gruppe kam in perfekter Abfahrtsformation dem Tagesziel sehr schnell näher.

Die 7. Etappe sollte uns mehrheitlich dem Meer entlang nach Cap d’Agde führen. Leider war diese Strecke an jenem Tag für sämtlichen Verkehr gesperrt, denn der starke Wind fegte Autos und Wohnwagen von der Strasse hinweg. Also fuhren wir ab Le Barcarès „querfeldein“ über Landstrassen via Narbonne und Béziersunserem Ziel, Cap d’Agde, entgegen. Bei guten Verhältnissen wäre dies eine wunderschöne Etappe, welche durch das Naturschutzgebiet bei Bages entlang dem Canal du Midi führt. Trotz schlechten Bedingungen, kamen wir nach fast zwölf Stunden Fahrzeit müde aber heil kurz nach 20.00 Uhr am Etappenziel in Cap d’Agde an.

Die erste Woche unseres „Veloreislis 2015“ war mit dieser Etappe geschafft und alles hatte bisher bestens funktioniert. Gut 1‘000 km und beinahe 10‘000 Höhenmeter hatten wir gemeistert.

Am folgenden Tag war ein Ruhetag angesagt und wir hofften alle, dass der Wind aufhört zu tosen.

Die 8. Etappe führte uns zum letzten Mal der Küste entlang bis nach Sète. Danach ging es an Montpellier, Nimes und Avignon vorbei ins Landesinnere. Praktisch nur auf Nebenstrassen, mit wenig Verkehr, erreichten wir alle wohlbehalten die Stadt Orange, mit ihren bekannten römischen Zeitzeugen.

Ziel der 9. Etappe war das historisch sehr bedeutungsvolle Sisteron. Doch bevor es soweit war, durften wir den 1909 Meter hohen Mont Ventoux bezwingen. Wir alle waren seit Tagen „heiss“ darauf, den wohl bekanntesten Veloberg zu stürmen. Unter guten Bedingungen bewältigten alle Fahrer die 153 km lange anspruchsvolle Strecke mit bis zu 12% steilen Passagen grandios.

Auf der 120 km langen Wegstrecke von Sisteron in die Kohlestadt Le Mure konnten wir alle einmal unsere Regenkleider auf deren Tauglichkeit prüfen. Das warme Sommerwetter war definitiv vorbei. Bei La Mure beginnt die berühmte Bergbahn „Chemin de Fer de la Mure“, von der sich unvergleichliche Blicke auf den Drac eröffnen.

Beinahe 3‘700 Höhenmeter und 139 km waren am 11. Tag von La Mure nach Saint-Jean-de-Murienne zu bewältigen. Die Königsetappe führte uns über drei Pässe, durch gewaltige Berglandschaften mit verschneiten Gipfeln und wilden Bergschluchten. Nach der Bezwingung des Col d’Ornon startete das individuelle Rennen auf die bitterkalte Alpe d' Huez. Anschliessend fuhren wir, jeder in seinem eigenen Tempo, weiter zum Col de la Croix de Fer, dem höchsten Punkt unserer Reise. Es war ein langer Aufstieg, bei harten Bedingungen, mit teilweise viel Gegenwind, Nebel, Graupelschauern und Kälte um die 0 °C. Der ereignisreiche, anspruchsvolle Tag fand bei einem guten Abendessen mit dem passenden Wein ein gutes Ende.

Für die 12. Etappe von Saint-Jean-de-Maurienne nach Megève wäre die Überquerung der Pässe „Col de la Madeleine“ und „Col des Saisies“ geplant gewesen, doch die Wetterprognosen sahen noch mehr Schnee voraus und somit mussten diese beiden Pässe vom Programm gestrichen werden. Der verschneite Col de la Madeleine musste gar kurzfristig geschlossen werden, sodass wir über eine Talroute ins bekannte Skigebiet am Fusse des Mont Blanc in den Savoyer Alpen fahren mussten. Am nächsten Tag stand der Grenzübertritt von Frankreich zurück in die Schweiz auf dem Programm. Irgendwie war auch die Vorfreude auf die Heimat zu spüren.

Der anstrengende, zweitletzte Tag unserer Tour führte von Megève durch die Haute Savoye via Chamonix, über den Col de la Forclaz und Martigny nach Bulle. Der letzte gemeinsame Abend unserer Gruppe wurde gekrönt von der Geburtstagsparty von Pius, der auf der Fahrt in die Schweiz seinen 50-igsten feiern konnte.

Das Finale des „Veloreisli 2015“ und führte uns von Bulle in die heimischen Gefilde. Auch am letzten Tag fuhren wir nochmals 160 km und bewältigten 1‘500 Höhenmeter.

In Ettiswil wurden wir, zur grossen Überraschung aller, von unseren Vereinskollegen und -Kolleginnen herzlich empfangen. Ein grosses „Dankeschön“ an alle, die uns entgegen gefahren sind, um uns zurück in der Heimat willkommen zu heissen. Diese Geste hat uns alle sehr gefreut!

Am Samstag, 23. Mai 2015, kurz nach 16.30 Uhr hatten alle Fahrer unfall- und sturzfrei das Ziel erreicht.

Jeder der zehn Teilnehmenden hat die Tour von Alicante nach Sins mit Bravour gemeistert.

Ein ganz besonderer Dank gilt unserem umsichtigen Tour Begleiter Hans Schwendener! Er legte ohne jegliche technische Hilfsmittel mit dem Begleitbus über 4400 km zurück und war stets zur Stelle, wenn man ihn brauchte.

Glücklich stiessen wir im Gasthaus Hirschen in Auw auf die gemeinsam bewältigte, grossartige Leistung an. Das Veloreisli 2015 war ein eindrückliches, vielfältiges Erlebnis, das uns allen sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. (Detaillierter Reisebericht siehe unter www.veloclub-sins.ch)

Urs Schönenberger

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