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Erzählnacht in der Bibliothek Eiken

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„Wir haben auch Rechte!“ lautete das Motto der diesjährigen Schweizer Erzählnacht - Anlass dafür war das Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention. Diese wurde vor 30 Jahren verabschiedet und hält in 54 Artikeln das Recht auf Nicht-Diskriminierung, auf Leben, Überleben und Entwicklung, auf Mitwirkung und das Kindeswohl fest. Denn Kinder sind besonders verletzlich und benötigen speziellen Schutz.

Das Team der Bibliothek Eiken-Münchwilen-Sisseln hatte sich aus dieser Konvention den Artikel 28 herausgepickt: Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung und auf gleiche Chancen. Zu diesem Thema wurde ein interessanter Morgen für die 6. Primarklasse der Schule Eiken vorbereitet. Gemeinsam schaute man zuerst den Film «On the way to school - Auf dem Weg zur Schule«. Was für viele Kinder ganz normal ist, bedeutet für manche ein echtes Abenteuer - der Weg zur Schule. Ob 15 km gefährlich nah an einer Elefantenherde vorbei, 22 km über steinige Gebirgspfade, 4 km im Rollstuhl durch unwegsame Flusstäler oder 18 km mit dem Pferd durch die Weite Patagoniens - Jackson (11) aus Kenia, Zahira (12) aus Marokko, Samuel (13) aus Indien und Carlito (11) aus Argentinien haben eines gemeinsam: ihr Schulweg ist sehr lang und gefahrvoll, doch ihre Lust am Leben und am Lernen ist grösser. Sie wissen alle, welches Privileg ihre Ausbildung ist und doch sind sie auch ganz normale Kinder, die Spass haben wollen. Mit viel Eigensinn und noch mehr Einfallsreichtum räumen sie Hindernisse aus dem Weg, überwinden Ängste und leben vor, was so oft vergessen wird: dass auch der Weg ein Ziel sein kann. Der Dokumentarfilm lässt vieles in neuem Licht erscheinen, das selbstverständlich für uns geworden ist und verzaubert mit seinen Protagonisten. Mit viel Gespür für Situationskomik porträtiert diese globale Bildungsgeschichte seine kleinen Helden und feiert ganz nebenbei die Bildung, die oft zu Unrecht als Beschwernis wahrgenommen wird.

Nach einem feinen Znüni sass das Bibliotheksteam mit den 20 Schülern und deren Lehrperson noch gemeinsam im Kreis und tauschte sich über Gedanken zum Film aus. Zu verschiedenen Fragen wie „Welcher Schulweg hat Dich besonders beindruckt?“ oder „Warum nehmen diese Kinder so einen langen und gefährlichen Schulweg auf sich?“ und „Welche Träume haben sie für ihre Zukunft?“ durften die Sechstklässler sich äussern. Viele waren besonders berührt von Samuel aus Indien, der in einem selbstgebastelten Rollstuhl sitzt, damit seine beiden kleinen Brüder ihn zur Schule mitnehmen können. Jeden Tag müssen sie mehr als vier Kilometer unter extremen Bedingungen zurücklegen und den Rollstuhl über sandige Wege und stark beschädigte Strassen stossen, ziehen und tragen. „Ich weiss nicht, ob ich diese Anstrengung jeden Tag aushalten würde“, meinte ein Schüler. „Meine Probleme im Alltag sind grad gar nichts mehr, wenn ich das Leben und den Schulweg dieser Kinder sehe“, erkannte ein Mädchen der Klasse. Interessante Erkenntnisse ergaben eine unterhaltsame Gesprächsrunde und angeregte Diskussion. „Man vergisst oftmals, dass die Schule eine Chance ist. In gewissen Regionen auf der Welt ist der Weg zur Schule ein Hindernislauf und das Wissen eine Eroberung.“

Dem Bibliotheksteam war es wichtig, wieder einmal in Erinnerung zu rufen, dass dieses Recht auf Bildung für uns einfach zu selbstverständlich ist und dieses Privileg deshalb oft gar nicht oder zu wenig geschätzt wird. Der Film hat auf jeden Fall berührt und zum Nachdenken angeregt. Hoffentlich bleiben diese guten Gespräche den Schülern noch eine Weile im Gedächtnis, wenn der Wecker sie nächstes Mal früh aus dem Bett klingelt oder die Hausaufgaben zu erledigen sind.

www.bibliothek-eiken.ch

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