Die Ausstellung „Salon der Gegenwart“, die am 20. Mai 2016, im Salzhaus Brugg eröffnete, hat erfolgreich begonnen. An der Vernissage waren über 100 Personen zu Gast und liessen sich von der figurativen Kunst vom Erdgeschoss bis in den Dachstock inspirieren. Auch das Künstlergespräch, das am Sonntagmorgen, 22. Mai, stattfand und an dem vier Künstler des Salons ihren Zugang zur Malerei diskutierten, war mit über 40 Teilnehmern sehr gut besetzt. Die Ausstellungsgruppe des Salzhauses freut sich über den grossen Anklang und hofft auf weitere zahlreiche Besucher in der kommenden Woche. Die Ausstellung ist nur noch bis Sonntag, den 29. Mai 2016, zu sehen.

Derzeit stellen im Salzhaus Brugg unter dem Titel „Salon der Gegenwart“ zwölf Schweizer Künstlerinnen und Künstler aus: Stefan auf der Maur, Anton Bruhin, Bendicht Fivian, Corinne Güdemann, Dieter Hall, Martina von Schulthess, Robert Honegger, Werner Ignaz Jans, Rosina Kuhn, Andrea Muheim, Ercan Richter und Giampaolo Russo. Einige der Künstler sind befreundet oder kennen sich über frühere Ausstellungen. So entstand, Ende 2014, auf Initiative des Künstlers Giampaolo Russo, die Idee, einen „losen“ Künstlerkreis zu gründen. Der „Salon der Gegenwart“ war geboren. Das Salzhaus Brugg bietet nun die passende Plattform für die Ausstellung.

Bei den beteiligten Künstlern handelt es sich um figurative Malerinnen und Maler. Eine technische Ausnahme bildet der Bildhauer Werner Iganz Jans (*1941 Winterthur). Er schafft lebensechte Holzfiguren, in denen er die Figuration dreidimensional in den Raum überträgt.
Jans Skulpturen begrüssen den Besucher bereits am Eingang des Salzhauses und sorgen für Verwirrung. Täuschend echt wirkt die Skulptur die „Sitzende“, die scheinbar ein Gemälde des in Winterthur ansässigen Künstlers Bendicht Fivian (*1940 Bern) betrachtet. Das Bild zeigt die altbekannte Märchenfigur „Knorrli“, der im Entrée des Hauses von Fivian zwischen Giesskannen sein Unwesen treibt. Links daneben passend und irritierend zugleich, eine auf einer 160 cm hohen Leinwand pastos gemalte riesige grün-blau schillernde Fliege, gemalt von Stefan auf der Maur (*1979 Luzern). Die Insektenbilder, von Miniatur- bis Grossformat, finden sich im ganzen Haus verteilt, sogar in der Toilette.

Drei weitere Künstler sind im Erdgeschoss ausgestellt. Vom Maler Dieter Hall (*1955 Zürich) sind Gemälde aus den Jahren 1999 bis 2015 zu sehen. Einige nehmen Bezug auf die Umgebung des Salzhauses, wie das Werk „die Limmat beim Kloster Fahr“, andere fordern den Betrachter auf aktiv zu werden. Vor dem Gemälde „Bill und Jim“, das zwei Händchen haltende Männer zeigt, die resigniert den Betrachter anblicken, steht ein Korb mit Zetteln. Ein paar liegen auf dem Boden verstreut. Auf das Papier hat Hall in verschiedenen Farben das Wort „DOCH“ gemalt. Als Referenz zu seinem Gemälde kreierte er eine „Unlimited“ Edition. Jedes Blatt ist auf der Rückseite handsigniert und für die Besucher zum Mitnehmen gedacht. Den Werken von Hall gegenüber hängen vier lebensgrosse Ganzkörperportraits von Martina von Schulthess (*1960 Zürich), hyperrealistisch gemalt. Die Künstlerin hat sich selber, ihren Mann und ihre zwei Kinder dargestellt und spart dabei nicht mit surrealen Klischees. Während auf ihrer Hand und Schulter Hamster krabbeln, hält ihre Tochter „Martina“ eine rosa Hundeleine in der Hand, an der ein schwarzes kleines Pferd angebunden ist, ihr Sohn“ Viktor“ dagegen führt „Superman“ an einer blauen Leine, der nach Feinden spähend hinter seinem rechten Bein hervorlugt. Im hinteren rechten Teil des Erdgeschoss, bevor man sich auf den Weg in den ersten Stock macht, begegnet man den Arbeiten des Malers Robert Honegger (*1955 Oberrieden, Zürich). Mit seinen sich bewegenden Tuschbildern „Aarewelle1“ und „Aarewelle 2“, montiert an einer Säule des Salzhauses, stellt er ebenfalls einen Bezug zur umliegenden Landschaft her. Die Darstellung von Bewegung, ob von Wasser oder Menschen, spielt in den Werken von Robert Honegger eine bedeutende Rolle.

Im ersten Stock sind weitere Künstler zu entdecken, darunter die Malerin Andrea Muheim (*1968 Zürich), die neben aktuellen Landschaftsbildern, ihre neuesten Blumenstillleben zeigt. Muheim malt vorwiegend „Alla Prima“, d.h. ohne spätere Korrekturen.

Ihre Werke bestechen durch eine Feinheit in der Farbgebung sowie einen gekonnten Einsatz von Licht und Schatten. Im Nebenraum finden sich Gemälde von Corinne Güdemann (*1960 Winterthur) und Giampaolo Russo (*1974 Zürich). Letzterer geht in seiner Malerei bis an die Grenze des Möglichen. Er arbeitet pastos und trägt Farbe über Farbe in seinen Ölbildern auf. Seine in der Ausstellung gezeigten „Selbstportraits“ und „Portraits“ ähneln einem Relief. Im Gegensatz zu Russo, verwendet Corinne Güdemann die lasierende Malerei. Sie setzt ihre Farbe stark verdünnt auf die vorgrundierte Leinwand. Die Leichtigkeit der Technik spiegelt sich im Motiv wieder, da tanzen in „Schnee 1“ die weissen Flocken über die Leinwand, man meint der Rauch in „Feuerwerk“ sei spürbar, das Atmen der schlafenden Kinder im Bild „Kätzchen“ hörbar.

Im Gang, auf dem Weg zum dritten Ausstellungsraum, finden sich weitere Werke von Robert Honegger zum Thema „Badi“ sowie linkerhand 86 Miniaturmalereien von Martina von Schulthess.
Noch drei Positionen fehlen, um den „Salon der Gegenwart“ zu vervollständigen. Ercan Richter (*1961 Erzurum Türkei, seit 1986 in der Schweiz), Rosina Kuhn (*1940 Zürich) und Anton Bruhin (*1949 Lachen). Für den „Salon der Gegenwart“ hat Ercan Richter neue Gemälde geschaffen, darunter Berglandschaften aus dem Wallis oder Stämme von Birkenbäumen sowie ein politisch brisantes Werk mit dem Titel „Roboski“, das sich auf das gleichnamige Massaker bezieht. 34 türkische Kurden, die meisten davon Jugendliche unter 20 Jahre, wurden beim Überschreiten der Grenze vom Irak in die Türkei von türkischen Kämpfern hingerichtet. Richter arbeitet, ähnlich wie Giampaolo Russo, mit einem stark pastosen Farbauftrag. Teilweise drückt er die Farbe direkt von der Tube auf die Leinwand und verarbeitet sie. Je grösser die Distanz zum Gemälde, desto schärfer und plastischer wird seine Malerei. Der stark pastosen Malerei von Ercan Richter sind die leuchtenden und farbenfrohen Monotypien von Rosina Kuhn gegenübergestellt. Sie zeigen junge Frauen in verschiedenen Situationen, z.B. im Ausgang, beim Spaziergang auf der Strasse oder beim „Tratsch“ mit den Freundinnen. Rosina Kuhn, die Grande Dame der Schweizer Malerinnen, liebt das spontane Malen, das auch Fehler zulässt. Daher bevorzugt sie das Druckverfahren der Monotypie, in dem nur ein Abzug hergestellt werden kann und bei dem schnell gearbeitet werden muss.

Über das zweite Obergeschoss gelangt man zum Dachgeschoss des Salzhauses, in den letzten Ausstellungsraum. Acht grossformatige Landschaftsbilder von Anton Bruhin zieren den langen Gang, der nur mittels eines Laufstegs beschritten werden darf. Der Allround Künstler wurde weltbekannt mit seiner Musik auf der Maultrommel. Er verfasst Palindrome (Lautgedichte), erstellt Pixelbilder mit dem Computer oder er malt. Die Ausstellung zeigt seine Bilder der ungarischen Landschaften mit Heuballen, die in traditioneller Weise „en plein air“ direkt auf dem Feld entstanden. Durch die Intensität der eigenen Bildwirkung erhalten sie in Bruhins Schaffen ihre individuelle Berechtigung.

Zu guter Letzt, am Ende des Dachgeschoss, hängt ein schwarz-weisses Gemälde, drei Meter breit und aus neun Leinwänden zusammengesetzt, von Ercan Richter. Es zeigt eine Ansicht der Stadt Zürich aus der Vogelperspektive um 1970. Das Werk ist ironisch zu verstehen, kennt man die Hintergründe. Eigentlich sollte die Ausstellung in Zürich stattfinden, aber das Schicksal hat sich für Brugg entschieden.

Für weitere Informationen oder Bildmaterial wenden Sie sich bitte an Jacqueline Weiss, ja.weiss@swissonline.ch oder 079-286 13 74.

Am Samstag, den 28. Mai findet um 17 Uhr eine Führung mit der Kunsthistorikerin Simone Toellner statt, die von einer Tanzperformance von Florian Lisken umrahmt wird. Die Finissage am Sonntag, den 29. Mai, endet mit einer Aktion des Künstlers Stefan auf der Maur. Wer sein Lieblingskuscheltier mitbringt, bekommt ein Portrait davon skizziert
Weitere Informationen finden Sie unter www.salzhaus-brugg.ch