Auch dieses Jahr lud der Natur-und Vogelschutzverein Bellikon (NVB) zu einer grossen Frühlingsexkursion: 6 Tage Südtirol standen auf dem Programm.

Vom 18. bis 23. Mai erlebten die 11 TeilnehmerInnen bei angenehmem Wetter eine interessante, lehrreiche und fröhliche Woche, und zwar im Dorf Villanders hoch über der kleinen Stadt Klausen im Eisacktal.

Exkursionsleiter Ernst Hofstetter hatte mit seiner Crew ein spannendes Programm zusammengestellt.

Eine autonome Provinz

Führung in der Altstadt von Brixen durch einen witzigen und kompetenten einheimischen Lehrer: Er brachte uns nicht nur den Dom, die Hofburg und die grossartigen Pärke näher, sondern wies auch eindrücklich auf die wechselvolle und oft sehr schwierige Geschichte Südtirols hin. Dieses war bis 1919 ein Teil von Österreich-Ungarn und wurde dann im Versailler Frieden zu Italien geschlagen. Unter Mussolini war die deutsche Sprache verboten, das Gebiet sollte zwangsitalienisiert werden. Es kam dann nicht so weit, und nach schwierigen Jahrzehnten und unermüdlicher politischer Knochenarbeit hat sich die Situation beruhigt, vor allem wegen der grossen Autonomie, welche die Provinz Bozen/Alto Adige im Rahmen des italienischen Staates besitzt. So bleiben zum Beispiel 90% der Steuern im Südtirol.

Feine Klosterweine

Eine Wanderung von Brixen zum Augustiner-Chorherrenstift Neustift, das inmitten von gepflegten Weinbergen und Obstplantagen liegt: Nach der Führung durch die barocke Stiftskirche und die Klosterbibliothek mit ihren kostbaren und eindrücklichen Werken wurde zum Abschluss in der Klosterkellerei zur Degustation der stiftseigenen edlen Tropfen gebeten. Die Weinkultur im Südtirol ist alt, die Zeit der billigen Massenweine ist vorbei und heute werden ausgezeichnete Weine (vor allem weisse) gekeltert.

Auch Rätoromanisch wird gesprochen

Fahrt ins Val Gardena, in dem, nebst Deutsch, vor allem Ladinisch (Rätoromanisch) gesprochen wird: Auffallend die zahlreichen Holzschnitzer, die hier in ihren Werkstätten ihre Figuren schaffen und sich freuen, wenn Touristen wie wir bei ihnen vorbeischauen.

In diesem Bergtal, in dem heute der Wintertourismus im Zentrum steht, lebte im Mittelalter ein berühmter Minnesänger, der sich auch als Rauf- und Saufbold einen Namen gemacht haben soll: Oswald von Wolkenstein. Ihm zu Ehren machte der „Vögeliclub“ im Dorf Wolkenstein einen Halt und liess sich von Uli Eichhorst kompetent über diesen ziemlich wilden Lebenskünstler im engen und abgelegenen Bergtal informieren.

Gesteine, Erdgeschichte und Pflanzen

Besichtigung der berühmten Rittener Erdpyramiden: Der angenehm angelegte Wanderweg ermöglicht eindrückliche Einblicke in dieses grossartige Naturphänomen, das sich in stetigem Wandel befindet, und das Interessierte aus vielen Ländern in seinen Bann zieht. So erging es auch uns.

Eine geologische und botanische Wanderung auf die bekannte Seiser Alm, ein herrliches Ski- und Wandergebiert: Ernst Hofstetter versteht es, den ExkursionsteilnehmerInnen seine Leidenschaft – Gesteine und Pflanzen – näherzubringen, und zwar in einer begeisternden Art, die einen packt.

Gesteine, Erdgeschichte und Pflanzen standen auch beim letzten Tagesausflug im Zentrum: die Fahrt über die gut 2000 Meter hohen Pässe Sella und Pordoi. Die vorgesehenen Wanderungen (mit Hammer und Meissel im Rucksack, wegen der Fossilien in diesem Gebiet) konnten wegen des immer noch recht hoch liegenden Schnees nicht durchgeführt werden. Trotzdem war diese Passfahrt sehr eindrücklich: Die Dörfer in diesem Gebiet haben eine gute Infrastruktur mit zahlreichen Bergbahnen, Skipisten und Wanderwegen. Die Hotellerie bietet – zu erstaunlich günstigen Preisen – ausgezeichnete Leistungen (Unterkunft, Essen, Hallenbad und vor allem eine ehrliche, wohltuende Gastfreundschaft). Gerade Letztere durften wir die ganze Woche immer wieder erfahren!

Kameradschaft und Geselligkeit

Es waren interessante Tage im Südtirol, der Wissensdurst (und auch der andere) konnten dank des erfahrenen und umsichtigen Reiseleiters gestillt werden. Chauffiert wurde unsere Gruppe übrigens vom kürzlich pensionierten Biologen und Postautochauffeur Hans Stocker, der den Kleinbus souverän und sicher über alle Pässe, Bergstrassen und Autobahnen lenkte.

Die Kameradschaft und Geselligkeit kam – wie immer im NVB – nicht zu kurz.

Auch nächstes Jahr soll die traditionelle Frühlingsreise des NVB wieder stattfinden. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Peter Meier