Das virtuose Marimbaphon-Spiel von Mario Moser, Schüler der Neuen Kanti und Teilnehmer des kantonalen Spitzenförderungsprogramms für Musik, eröffnete das elfte jährliche Treffen der Lehrpersonen aus den Bezirks- und Kantonsschulen des westlichen Aargaus. Insbesondere die energievoll vorgetragenen Eigenkompositionen vermochte das rund hundertköpfige Publikum mitzureissen.

Im Zentrum des ersten Teils stand das Impulsreferat „Wie viel und welche Disziplin braucht die Schule? - Verbindlichkeit und Respekt in der Klassenführung“ des Dozenten für Erziehungswissenschaft Jürg Rüedi. Zunächst ging er auf die allgemeine Diskussion rund um Disziplin und Leistungsbereitschaft an der Schule ein. Diese Diskussion findet international statt, bekannt sind die hervorragenden Leistungen chinesischer Schüler in den USA, die auf enormen Fleiss und eben grosse Disziplin zurückgeführt werden. Weniger bekannt ist das Beispiel Abu Dhabi, wo der durch Öl schnell reich gewordenen Staat seine Bürger jahrelang verwöhnte – und nun mit fehlender Kooperationsbereitschaft und vor allem fehlender Arbeitsmotivation konfrontiert ist. Der Grundtenor der Diskussion über den Umgang mit der Jugend lautet, auch in der Schweiz: Es ist Zeit, von den Schülerinnen und Schülern vermehrt Disziplin zu fordern. Aber: welche Disziplin?

Fakt ist, dass Schülerinnen und Schüler erfolgreich sein möchten und bereit sind, sich entsprechend zu engagieren. Jürg Rüedi sieht den springenden Punkt darin, dass die Jugendlichen darin angeleitet werden müssen, sich Selbstdisziplin anzueignen. Forderungen nach diszipliniertem Verhalten und Beflogen von Verbindlichkeiten werden von den Lernenden dann akzeptiert, wenn für sie klar wird, dass ihr Beitrag nötig, ja notwendig ist und dass ohne ihr Beitrag etwas Wichtiges fehlt. Die Rolle der Lehrpersonen sieht Rüedi darin, dass sie als gutes Beispiel vorangehen, Wertschätzung vermitteln, ihre Lenkungsfunktion wahrnehmen und inhaltlich guten Unterricht bieten. Humor, Gelassenheit und Empathie können dabei entscheidend helfen. Auch Flexibilität ist gefragt, die Lehrperson darf nicht zum Gefangenen des eignen Regelwerks werden, sondern sollte dieses mit Augenmass und Menschlichkeit anwenden.

Im zweiten Teil diskutierten die Lehrpersonen in Fachgruppen. Einerseits ging es um die Umsetzung des eben Gehörten im jeweiligen Fach, andererseits ging es um die allgemeinen Herausforderungen an der Schnittstelle von der Bez an die Kanti. Dieser Austausch in den Fachschaften gab wichtige Impulse für den täglichen Unterricht und für den Beitrag der Lehrpersonen zu einem möglichst reibungslosen Übertritt von der Bezirks- an die Kantonsschule.

Die Improvisationstheatergruppe der Neuen Kanti Aarau setzte einen fulminanten Schlusspunkt. Sie lebte dem Publikum vor, dass Ernsthaftigkeit und Humor, Spontanität und Zielgerichtetheit nur scheinbar im Widerspruch stehen. Der engagierte Auftritt der Schülerinnen und Schüler machte klar: Die oft kritisierte heutige Jugend ist leistungsbereit, zielstrebig, kreativ und engagiert.    

Alex Büchi