Jedes Jahr pilgert die Aargauer Wirte samt Angehörigen und Personal am Dienstag der Karwoche nach Muri, um in der Klosterkirche Einkehr zu halten. Diesmal stand die Feierstunde unter dem Motto „Licht – Feuer – Wärme – Lasst uns ein Licht anzünden“.

Die Aargauer Gastgewerbe-Seelsorger Corinne Dobler (ref) und Martin Tanner (kath) hatten das durchaus gastgewerbliche Thema für diesen besonderen Gottesdienst vor Ostern bewusst gewählt, denn Jesus Christus selber hat gesagt: „Ihr seid das Licht der Welt“. Das könne einerseits Zuspruch, Ermunterung und Lob sein, anderseits aber auch als Aufforderung gelesen werden - „He passed uf was er mached“, denn „Ihr seid das Licht“. „Wir zünden also ein Licht an, denn das ist besser als über die Dunkelheit zu jammern.“

Das Zwiegespräch der Wirteseelsorger zog deutliche Parallelen zum Gastgewerbe: „Ihr schenkt den Gästen Licht, Wohlgefühl und Wärme.“ Sie kenn aber auch die Angst, immer Licht und ein gutes Kind Gottes sein zu müssen, die Angst, nicht zu genügen, sagte Corinne Dobler. „Wer bin ich denn?“, fragte sie mit Nelson Mandela. Martin Tanner kennt diese Furcht auch, aber Angst lähmt. „Entdecke doch erst das eigene Licht in Dir und trage es nach aussen“, empfahl er und auch dazu, sich Freiräume zu gönnen, um ein Ausbrennen und Ablöschen zu verhindern und gesund zu bleiben“.

Auch Wirtsleute seien zum Strahlen berufen. „Sie bedienen Dich mit Leib und Seele und lassen Dich ihr Licht fühlen. Die Freude an Eurem Beruf strahlt aus Euch heraus“. So wie die Kerze vor dem Zündhölzli keine Angst haben dürfe, „weil es seine Bestimmung ist zu leuchten, so dürfen sich auch die guten Geister in den Gasthäusern ihrer Berufung mit innerem Feuer stellen“. „Habt keine Angst davor, Euer Strahlen weiterzugeben und andere Menschen immer von Neuem anzuzünden und für das Leben zu motivieren.“

Josef Füglistaller, der Präsident von GastroAargau, nahm den Steilpass gerne auf. Die Kirchen und die Gasthäuser hätten heute die gleichen Probleme. „Sie sind erschreckend oft leer und können Ihre menschenfreundlichen Dienstleistungen kaum mehr an den Gast bringen, weil dieser vermehrt die Individualität sucht und sich „rennend schnellverpflegt“. Er rät zur Entschleunigung. „Nehmen Sie sich auch Zeit für sich.“

Dazu sang der Wirtechor Bremgarten unter der Leitung von Hannah Meret Burkhart. Pfarrerin Corinne Dobler überraschte im „Ave Maria der Berge“ mit ihrer Begleitung auf der Trompete. An der Orgel spielte Theres Meienberg. Und der Erlös der Kollekte ging auch ins soziale Engagement eines Gastwirtes: Hanspeter Schaerz vom Heinrütirank Widen unterstützt seit Jahrzehnten die „Casa Rosada“ in Santo Domingo, einen Kinderhort für HIV-infizierte Vollwaisen mit weiterer Infrastruktur wie ein medizinisches Zentrum. (hr)